Blech der Woche (33): Renault Dauphine:So was von treu

Rainer Merbach ist ein beständiger Mensch: Seit 50 Jahren hält er dem Renault Dauphine die Treue. Heute besitzt er eine rassige Variante des Tuners Gordini.

In der Serie "Blech der Woche" stellt die Redaktion von sueddeutsche.de Old- und Youngtimer vor - frei nach den Motti: Alte Liebe rostet nicht, oder: Liebe geht durch den Wagen. Schließlich ist die Beziehung von Mensch und Maschine eine unendliche Geschichte voller Leidenschaften.

Blech der Woche (33): Renault Dauphine: Vorsicht! Das unschuldige Gesicht der Dauphine mit ihrer Knubbelnase und den Kulleraugen-Scheinwerfern kann täuschen ...

Vorsicht! Das unschuldige Gesicht der Dauphine mit ihrer Knubbelnase und den Kulleraugen-Scheinwerfern kann täuschen ...

(Foto: Foto: Carsablanca)

Als die Renault Dauphine Mitte der fünfziger Jahre antrat, den 4 CV (bekannt unter dem Kosenamen "Cremeschnittchen") abzulösen, machte sich ein junger Handwerksbursche im bayerischen Teil Schwabens gerade auf, die Schule zu verlassen und seine Lehre zu beginnen. "Weil ich im elterlichen Montagebetrieb ausgebildet wurde und viel auf auswärtigen Einsatzstellen tätig war, durfte ich bereits mit 17 Jahren meinen Führerschein machen. Mein erstes Auto war eine Dauphine von Renault, Jahrgang 1955", erinnert sich Rainer Merbach (Renaultfrak).

Geschont wurde der kleine Viertürer nicht, unter anderem musste er in seinem Frontkofferraum ständig zwei große Werkzeugkisten transportieren. Die positiven Erfahrungen mit seinem ersten Auto prägten Merbach nachhaltig. "Seit dieser Zeit habe ich immer eine Dauphine besessen - und sie normalerweise auch im Alltag genutzt. Und bis auf eine Ausnahme in den sechziger Jahren bin ich der Marke mit der Raute immer treu geblieben." Begeistert war er von jeher vom Platzangebot, den vier serienmäßigen Türen und dem geringen Verbrauch des Franzosen. Auch die Fahrleistungen gingen für ihn angesichts der recht geringen Leistung von 26,5 PS in Ordnung: "110 km/h auf der Autobahn waren immer drin!"

Die aktuelle "Thronfolgerin" (denn nichts anderes heißt Dauphine auf deutsch) von Rainer Merbach ist von Gordini veredelt - und damit die heißeste Version, die damals beim Händler zu bekommen war. Der kompakte Franzose mit dem Kraftzentrum im Heck brachte immerhin 34 PS auf die Straße, die er aus rund 850 ccm mobilisierte. "Dieses Exemplar war damals die letzte Dauphine, die noch im Großraum Augsburg unterwegs war", erinnert sich Merbach an die Zeit vor fast 30 Jahren. "Sie wurde in erster Hand von einer Dame bewegt - bis die das Auto irgendwann vor eine Mauer gesetzt hatte."

So was von treu

Der Renault-Fan machte die Eigentümerin ausfindig, als er die Dauphine in diesem traurigen Zustand am Straßenrand sah, aber die konnte sich seinerzeit zu einem Verkauf nicht durchringen. "Sie hat sich aber meine Telefonnummer notiert, für alle Fälle - und ein Jahr später kam dann der Anruf!" freut sich Merbach noch immer. Wenn er das Auto nach wie vor haben wolle, könne er es abholen - kostenlos!

Der immer noch verunfallte Renault war hinter einer Gaststätte abgestellt, und dort war er offenbar Vandalen zum Opfer gefallen: "Die Sitze waren aufgeschlitzt, sämtliche Kabel unter dem Armaturenbrett offenbar mit einem Messer einfach durchtrennt - er sah übel aus!" erzählt Rainer Merbach. Dennoch war dem handwerklich begabten Dauphinisten klar: "Die wird wieder!" An Stelle des eigentlich geplanten dreiwöchigen Erholungsurlaubs war Schrauben angesagt, was die Angetraute nur Stirn runzelnd zur Kenntnis nahm.

Doch in dieser vergleichsweise kurzen Zeitspanne gelang es dem Augsburger, die kleine viertürige Limousine nicht nur wieder verkehrstauglich, sondern auch fit für die Zukunft zu machen: "Seit dieser Kurzrestauration im Sommer 1980 hat die Dauphine nur noch die üblichen Wartungsarbeiten gebraucht. Der Motor zum Beispiel ist bis heute in ungeöffnetem Originalzustand. Und das soll auch so bleiben, denn gerade von den Gordini-Triebwerken ist bekannt, dass sie nach einer Überholung nie mehr so perfekt laufen wie zuvor."

So was von treu

Hinweis

carsablanca.de
Dieser Artikel basiert auf einer Kooperation von sueddeutsche.de mit carsablanca.de.

Auch der Lack ist teilweise noch original, obwohl der Gatte der Erstbesitzerin eine Todsünde begangen hatte: "Er hat den Wagen komplett mit Felgensilber übersprüht - lackiert konnte man das beim besten Willen nicht nennen! Zum Glück konnte ich das Zeug mit Nitroverdünnung herunter waschen, und der weiße Originallack darunter war noch in gutem Zustand. Da war es mit Aufpolieren getan."

Die von Gordini "heiß gemachte" Dauphine erwies sich in den vergangenen drei Jahrzehnten als zuverlässiges Gefährt, mit dem Rainer Merbach nie liegen geblieben ist. Im Gegenteil, wie er erzählt: "Ich fahre den Wagen so, wie er gemeint ist, nämlich sportlich. Der Motor will Drehzahl, ab 3500 Touren läuft der Gordini am besten. Tempo 160 sind auch heute noch drin. Andererseits ist ein Verbrauch von fünf bis sechs Litern ist die Regel, wenn man ihn nicht allzu sehr fordert. Nicht schlecht für ein 45 Jahre altes Auto, oder?"

Wie sportlich der Gordini bis heute ist, hat Merbach in der letzten Saison bewiesen. Modifiziert lediglich mit breiteren Reifen auf Alufelgen und einer "Renntüte" als Auspuff, traten Fahrer und Auto im Rahmen der "World Series by Renault"-Rallye am Nürburgring an - und holten den ersten Platz in ihrer Klasse! Wie das unschuldige Gesicht der Dauphine mit ihrer Knubbelnase und den Kulleraugen-Scheinwerfern doch täuschen kann ...

Renault Dauphine Gordini: Bauzeit 1958-1968; Zylinder: 4; Hubraum: 850 ccm; Leistung: 34 PS; Höchstgeschwindigkeit 160 km/h; Verbrauch: 5-6 Liter/100 km

© sueddeutsche.de/gf
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