Berühmte Marken: Alfa Romeo Herz-Massage

Alfa Romeo war in den achtziger und neunziger Jahren zumindest scheintot - biedere Pflicht, enttäuschende Kür, eine Existenz am Tropf und ohne Perspektive. Mittlerweile geht es mit viel Elan in neue Höhen - auch mit Juniorpartner Maserati.

Von Georg Kacher

Ob eine Marke wirklich lebt, das merkt man vor allem an den großen und kleinen Extravaganzen, für die sich selbst bei leerer Kasse am Ende noch ein Budget findet.

Ein Alfa 8C Monza bei einem Rennen mit Oldtimern bis Baujahr 1940.

(Foto: Foto: dpa)

Alfa Romeo war in den achtziger und neunziger Jahren zumindest scheintot - biedere Pflicht, enttäuschende Kür, eine Existenz am Tropf und ohne Perspektive. Produktmäßig wurde die Wende mit den Modellen 147 und 156 eingeläutet, doch die pure Lust am aufkeimenden Erfolg verdeutlichte erst das viel beachtete Tourenwagen-Engagement.

Seit Sergio Marchionne bei Fiat Auto das Sagen hat, werden jene Entscheidungen Zug um Zug in die Tat umgesetzt, die vom Interims-Chef der Marken Alfa und Maserati, dem ex-BMW-Manager Karlheinz Kalbfell, vorbereitet worden waren.

Comeback der Sternschnuppen

Plötzlich lässt das Unternehmen wieder Sternschnuppen steigen, wie wir sie seit dem Montreal V8 und den GTA von Autodelta nicht mehr erlebt haben. So demonstriert der überzeugende 8C Competizione neben einem gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein auch eine für Italien untypische Pragmatik, die aus dem beiläufigen Nebeneinander von Alfa und Maserati eine starke Allianz schmieden will.

Als Nachfolger von Walter de Silva, der zur VW-Gruppe gewechselt ist, leitet jetzt der gebürtige Allgäuer Wolfgang Egger die Alfa-Designabteilung. Die Studios sind neben dem Museum die einzigen Gebäudekomplexe im alten Werk in Arese bei Mailand, wo heute noch gearbeitet wird.

Als die Firma vor vier Jahren rund 4,5 Millionen Euro Verlust machte - pro Tag wohlgemerkt -, wurde die Automobilfertigung in Arese eingestellt. Die Produktion übernahmen andere Standorte, die Verwaltung zog um nach Turin.

Unverwechselbares Gesicht

Wolfgang Eggers Reich wirkt anno 2006 wie eine vergessene Kulisse aus einem späten Fellini-Film: Die Sekretärin könnte es mit Anita Ekberg aufnehmen, ein Modelleur sieht Roberto Benigni wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich. An den Wänden hängen Konstruktionszeichnungen der ersten Giulia, auf kleinen Podesten stehen zwischen Ledersesseln namenlose Holz- und Tonmodelle von Sportwagen, die nie gebaut wurden.

"Der 8C ist ein ganz wichtiges Lebenszeichen für uns", weiß Wolfgang Egger und steckt sich die vierte Marlboro an. "Das Auto verbindet klassische Alfa-Technik mit zeitlosem Design. Wie alle unsere Modelle hat auch dieser Sportwagen ein absolut unverwechselbares Gesicht: zwei Scheinwerfer als Augen, die baffi genannten Schnurrbärte als horizontale Lufteinlässe, dazwischen der Scudetto-Wappengrill."

Alfa Romeo Brera

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