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Autowerkstatt in Thailand:Geht nicht gibt's nicht

Nares Intawikul repariert seit mehr als 21 Jahren Autos, die in Deutschland längst in der Schrottpresse gelandet wären. Doch in seiner nordthailändischen Heimat sind Ersatzteile rar und kostbar.

"Neun Wochen. Aber für Sie schaffe ich es auch in fünf!" Es handelt sich nicht um den pragmatischen Chefingenieur Scotty des Raumschiffs Enterprise, sondern um den zuversichtlichen Nares Intawikul aus Thailand, der da spricht. Mit Blick auf einen völlig zerstörten blauen Isuzu Hilux am Rande seiner knapp 200 Quadratmeter großen Werkstatt wird schnell deutlich, dass der 35-Jährige das äußerst ernst meint. Für den blauen Schrotthaufen brauche er zwar noch gut fünf Wochen, aber nur, weil ihm noch ein Teil fehlt.

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Egal, ob kleiner Parkrempler oder Totalschaden - hier wird jedes Fahrzeug wieder fahrtüchtig gemacht.

(Foto: SOM)

Ein Teil? Das blaue Etwas, das, wenn es Türen hätte, in Deutschland nicht in tausend Jahren eine Visitenkarten vom Autohändler des Vertrauens verpasst bekommen würde, wäre in Europa längst zu einem kleinen Würfel gepresst worden. Doch in der nordthailändischen Stadt Chiang Rai ist jedes Teil kostbar. Nahezu jedes zweite verkaufte Fahrzeug ist ein kleiner Truck. Neben den Marktführern Isuzu und Toyota versucht sich seit wenigen Jahren auch Chevrolet zu behaupten. In der Werkstatt von Nares Intawikul stehen aktuell jedoch nur die beiden Topmarken des Landes.

Vom kleinen Parkrempler bis hin zum Totalschaden repariert der zweifache Vater alles, was ihm und seiner sechs Mann zählenden Crew auf den Hof gefahren wird. Und das an sechs Tagen in der Woche. Nares Intawikul ist ein wahrer Künstler am Chassis. Fehlt mal ein kleines Teil, wird es einfach selbst gezimmert. Auf die Frage, ob er so etwas wie eine Hebebühne hat, neigt er seinen Kopf zur Seite und deutet auf zwei Holzpfähle und vier Ketten.

Drei Reifen ersetzen die Hebebühne

Im Normalfall reichen ihm aber zwei oder drei Reifen vorn und hinten unter dem Unfallwagen, die ihm ein Arbeiten in unmittelbarer Nähe zum Auto ermöglichen. Er braucht nur 40 Zentimeter Platz. Seine Ersatzteile bestellt er bei Teilehändlern, die ihn, wenn es mal ein wenig billiger sein darf, auch mit gefälschten Teilen versorgen. "Bei deutschen Autos ist das nicht möglich, denn da muss die Qualität der Teile stimmen. Bei den Japanern ist das aber völlig egal", gibt der Werkstatt-Chef zu. Allerdings verirrt sich nur in den seltensten Fällen mal ein deutsches Fabrikat auf seinen Hof, auf dem er im Monat gut 20 Fahrzeuge wieder in Gang setzt.

Dass bei solch guter Auftragslage nur wenig Zeit für Urlaub bleibt, stört Nares Intawikul nicht, denn er war in seinem ganzen Leben noch nie weiter als zehn Kilometer von seiner Werkstatt entfernt. Die Frage, wo er und seine Familie wohnen ist nach einem kurzen Blick in den Hinterhof auch geklärt. Nun muss er aber wieder los, denn es rollt bereits der nächste Schrotthaufen auf den Hof. Zwar nicht in blau, aber dafür wenigstens noch auf eigener Achse.

© süddeutsche.de/pi/goro
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