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Audi R8:Fast der pure Genuss

Eine Ausfahrt im Audi R8 beschert Erlebnisse der eher unerwarteten Art.

Saft & Kraft Da steht er nun. Und plötzlich kommt man sich richtig groß vor - so tief unten liegt das Dach der Audi-Flunder. Gerade 1,25 Meter hoch ist der Bolide. Und es überrascht, wie zierlich er wirkt - ganz im Gegensatz zu den vielen Aufnahmen, die im Umlauf sind und die allzuoft seine gierige Schnauze groß ins Bild heben. Und dieses klare Weiß! Wären da nicht die schwarzen Lufteinlässe vorne, das Karbon allüberall - man könnte ihn glatt für eine Unschuld vom Lande halten.

Audi R8: So elegant kann Sportlichkeit sein.

(Foto: Foto: Audi)

Allerdings nur, bis der Zündschlüssel gedreht ist. Ein böses Fauchen entweicht dem Motor, als 420 PS zum Leben erwachen. Kurz rüttelt sich der R8, dann bollert er leise vor sich hin. Noch ist das Wissen nur Theorie: in 4,6 Sekunden auf Tempo 100, ein Drehmoment von 430 Newtonmetern bei 4500 bis 6000 U/min, eine Höchstgeschwindigkeit von 301 km/h. Leider auch: ein CO2-Ausstoß von 349 g/km (nach Audi-Angaben) und ein kräftiger Appetit auf teures Super Plus.

Stuss & Genuss Ampelstopp mitten in der Stadt, ein Porsche Turbo hält neben dem Audi. Tiefschwarze Farbe, Niederquerschnittsreifen, sehr spezielle Felgen. Die Fensterscheibe gleitet nach unten, ein lächelndes Gesicht taucht auf und eine Hand reicht eine Visitenkarte rüber: "Rufen Sie mich doch mal an!" meint die Marketingmanagerin und lächelt gewinnbringend.

Gibt es einen überfüllteren Stadtteil als Schwabing in München? Die enervierende Parkplatzsuche beginnt, Block um Block wird umkurvt. Und noch bevor die obligate Frage "Fahren Sie weg?" gestellt werden kann, blickt die Besitzerin eines VW-Busses, den sie gerade vom Schnee befreit, überrascht auf den R8: "Wenn ich dieses Auto und Sie so sehe, dann beeile ich mich doch glatt!" Man beachte die Reihenfolge.

Am nächsten Abend ein ähnliches Spiel: Zwei Autos rangeln um die gerade frei gewordene Parklücke. Doch mit einer einladenden Geste wird dem R8 und seinem Fahrer der Vortritt gelassen. Wie sich die Autowelt doch ändern kann.

Das gilt auch auf der Autobahn. Hat man in einem Porsche ständig das Gefühl, bewusst und auch meist ein wenig aggressiv ausgebremst zu werden, ist auf der Überholspur plötzlich Platz in Hülle und Fülle. Willig und schnell wird zur Seite gefahren, um den weißen Blitz vorbeizulassen. Wann gab's das schon mal?

Was weniger gefällt: das zähe Schalten des Automatikgetriebes bei schleichender Stadtfahrt. Unfreiwilliges Kopfnicken ist die Folge, und das Gefühl, in einem zähen Brotteig zu rühren. Schnell geht's erst im Sportmodus. Noch besser ist's, manuell zu schalten.