Škoda Felicia Geheimtip im Westen

Überarbeitetes Kompaktmodell wird in 70 Ländern verkauft

(SZ vom 27.05.1998) Der Markterfolg des tschechischen Traditionsunternehmens Škoda wird von zwei Modellen getragen. Ungewöhnlich ist dabei die interne Kräfteverteilung. Nicht die attraktive Mittelklasse-Limousine Octavia, über die oft und lobend berichtet wird, ist der Bestseller des Hauses, sondern der unauffällige Felicia: Von den gut 357 000 Fahrzeugen, die 1997 in Mladá Boleslav produziert wurden, gehörten 297 000 der kompakten Baureihe an. Sie wird in rund 70 Ländern rund um den Globus verkauft; in Barbados ist sie ebenso anzutreffen wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kolumbien und Weißrußland, und demnächst wird die Marke auch in Thailand und Oman vertreten sein.

Nach Deutschland hat Škoda im vergangenen Jahr rund 21 000 Felicia und obendrein knapp 8000 Octavia geliefert. Der wichtigste Exportmarkt der Tschechen präsentiert sich dabei zweigeteilt: Preisbewußte Autofahrer im Osten wissen, was sie an einem Škoda haben, während sich im Westen nur schwer ein Händler findet. Gerade diese Unausgewogenheit läßt Škoda Deutschland von einem baldigen Nachfrageschub träumen. Als Geheimtip gehandelt zu werden, findet Geschäftsführer Dieter Sitz zwar ehrenvoll, doch lieber wäre ihm der Ausbau des Marktanteils von derzeit 0,83 auf zwei bis drei Prozent, mit dem Resultat, "daß sich die Existenz von Škoda-Fahrzeugen auf deutschen Straßen einfach nicht mehr geheimhalten läßt".

Ein derartiges Wachstum ist, wie Geschäftsführer Sitz einräumt, mit zwei Baureihen nur schwer zu schaffen. Deshalb wird es mit Sicherheit weitere geben, doch zunächst werden die vorhandenen Modellfamilien aufgewertet.

Zu erkennen ist der neu gestylte Felicia am chromumrahmten Kühlergrill à la Octavia, am neugestalteten Namenszug und an der hochgesetzten dritten Bremsleuchte. Die weiteren Veränderungen erschließen sich nicht unbedingt auf den ersten Blick. Das gilt für die neuen Breitband-Halogenscheinwerfer ebenso wie für die leichter zu öffnenden Türgriffe und eine Reihe zusätzlicher Lackfarben von Himbeerrot bis Pacificgrün. Nur mit dem Metermaß ist festzustellen, daß der Vorderwagen 2,8 Zentimeter zugelegt hat, weshalb die Limousine jetzt 3,88 und der Kombi 4,24 Meter lang ist.

Im Fahrzeuginneren zeigt sich die Überarbeitung in Gestalt eines hellgrauen Instrumententrägers, der jetzt grundsätzlich mit Drehzahlmesser und Digitaluhr bestückt ist. Wer sich für die höherwertige Ausstattungsvarianten GLX und Fun entscheidet, findet statt eines Handschuhfachs auf der Beifahrerseite, das dem Airbag weichen mußte, eine kleine Box unterhalb des Radios vor, die sich herausnehmen und am Plastik-Henkel herumtragen läßt.

Weniger erfreut dürfte die preisbewußte Kundschaft zur Kenntnis nehmen, daß die Verbesserungen teilweise heftig auf die Preise durchschlagen. Das Einstiegsmodell mit 40 kW (54 PS) starkem 1,3-Liter-Vierzylinder kostet seither 16 990 Mark, 1000 Mark mehr als früher, obwohl es noch immer keinen Beifahrerairbag und keine Servolenkung aufweist. Um 1370 auf 19 990 Mark hat sich gar die reichhaltiger und mit zwei Airbags ausgestattete GLXi-Variante verteuert, die von einem 1,3-Liter-Motor mit 50 kW (68 PS) angetrieben wird.

Den Wiederverkaufswert steigern

Kommen statt der bewährten Škoda-Motoren Aggregate aus VW-Beständen zum Einsatz, erreichen die Preise durchaus mitteleuropäisches Niveau. Das gilt vor allem dann, wenn der Käufer die Sicherheitsausstattung wiederverkaufswerterhöhend komplettiert: Nur wer den Grundpreis von 20 990 Mark um 1180 Mark aufstockt, findet im GLX mit 55 kW- (75 PS-) Motor auch ein ABS vor, und ein vergleichbarer Felicia mit 47 kW (64 PS) starkem 1,9-Liter-Diesel ist nicht unter 23 170 Mark zu haben. Wer glaubt, daß sich die Investitionen lohnen, kann mit dem Felicia sogar in die 30 000-Mark-Region vorstoßen. Dazu genügt es, die Limousine mit Fun-Ausstattung und lederbezogenen Sitzen zu 28 530 Mark um eine Klimaanlage (1765 Mark) zu bereichern.

Preiswert geblieben sind hingegen die Kombi-Modelle: Die LXi-Basisversion mit 50 kW (68 PS), in der Beifahrerairbag und Servolenkung fehlen, ist trotz einprozentigem Mehrwertsteueraufschlag noch 30 Mark günstiger als der Vorgänger, und beim GLX mit 55 kW (75 PS) spart der Kunde mindestens 360 Mark. Nur beim Diesel hat Škoda die Preise erhöht. Ohne Fahrerairbag kostet die einfachste Ausgabe 22 690 Mark, für zwei Airbags, ABS und noch einige Annehmlichkeiten sind 25 170 Mark zu zahlen.

Von Gerlinde Fröhlich-Merz