Alfa Romeo Spider:Und immer wieder jung

Überarbeitete Optik und neues Basismodell mit 1,8-Liter-Motor

(SZ vom 10.06.1998) Er trat vor drei Jahren die Nachfolge eines Klassikers an, und viele Alfisti schüttelten ratlos die Köpfe, als sie im Sommer 1995 vor der Neuauflage des Alfa Romeo Spider standen. 27 Jahre lang hatte man die rundlichen Formen gekannt und geliebt, und nun schickten die Italiener einen Roadster mit markanter Optik und ausgeprägter Keilform über die Alpen. Ob das gutgehen würde?

Die Zeit hat diese Frage inzwischen beantwortet und die Verkaufszahlen sprechen für Alfa: 2300 Spider fanden im vergangen Jahr bei uns ihre Käufer, wobei 1800 Mal die 2,0-Liter-Variante geordert wurde und 500 Mal das Topmodell mit dem 3,0-Liter-V6-Motor.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, und vor allem kleine, relativ preiswerte Cabrios erfreuen sich steigender Beliebtheit. Um auch diese Klientel dem Spider zuzuführen, hat Alfa Romeo jetzt ein neues Einstiegsmodell aufgelegt und dem Spider insgesamt eine Frischzellenkur verordnet. Als Basismotorisierung wird nun unter die Haube ein 1,8-Liter-Twin-Spark-Motor eingebaut, dessen technische Besonderheit zwei Zündkerzen pro Zylinder sind. 106 kW (144 PS) leistet dieses Aggregat, elf PS weniger als der Spider 2. 0.

Leichte Konditionsschwächen

Bei einer ersten Begegnung zeigte sich, daß die italienischen Kicker bei der Fußballweltmeisterschaft in Paris vermutlich mehr Temperament an den Tag legen werden als dieser Spider, der - eigentlich untypisch für Alfa - etwas bummelig zu Werke geht. Ihm deswegen aber gleich Konditionsschwächen zu bescheinigen, wie Bundestrainer Bertold Vogts dies bei Lothar Matthäus tat, dürfte aber zu weitgehen. So wie Berti Lothar noch auf Trab bringen will, läßt sich auch der Spider 1. 8 durchaus flott bewegen, wenn man gerne und fleißig den Schalthebel bedient. Denn die Papierwerte sind nicht von Pappe: Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 205 km/h, und es dauert bei optimaler Beschleunigung 9,3 Sekunden, bis die sehr schön gestaltete Tachonadel über die 100-km/h-Marke hinweggleitet.

Über den Kraftstoffverbrauch liegen noch keine eigenen Erfahrungen vor, Alfa beziffert ihn auf 8,9 Liter Super auf 100 Kilometer. Der Preis liegt mit 45 900 Mark im grünen Bereich, die Aufpreisstrecke bis zum 2,0-Liter ist 2350 Mark lang. Beim genießerischen Dahingleiten auf Landstraßen ist der kleinste Spider in seinem Element, dann trabt er so brav über die Straße wie Lothar über das Rasenrechteck. Optisch verfügen jetzt alle Spider über einen mit Chrom eingefaßten Kühlergrill, was die Tradition des Hauses aufnimmt, und Seitenschweller, die in der Wagenfarbe lackiert sind. Die bisherigen schwarzen Beplankungen hatten Puristen immer wieder bemängelt.

GTV mit Sechsgang-Getriebe

Neues gibt es auch vom geschlossenen Bruder des Spider, vom GTV, zu vermelden. Hier hat man sich neben den optischen Retouchen darauf besonnen, endlich die Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h zu steigern. Dafür ist kein neuer Motor notwendig, die 162 kW (220 PS) des V6-Motors mit 3,0 Liter Hubraum reichen dazu völlig, wenn sie mit dem neuen Sechsgang-Schaltgetriebe und dem Aerodynamik-Kit kombiniert werden. Das ist zwar ein schöner Name für eine Spoiler-Orgie, aber der GTV sieht vor allem mit dem übergroßen Heckspoiler aus wie ein Halbstarker - diese Optik hat dieses Auto nicht verdient. Wer will, kann den Spoiler aber abbestellen.

Die Fahreigenschaften sind durch die neue Getriebeabstufung noch deutlich agiler geworden, der GTV 3. 0 V6 24V entwickelt seine Beschleunigung nahezu rennwagenähnlich. Das Fahrwerk ist auf Härte getrimmt und somit dem Leistungspotential des Autos angemessen. Geblieben ist der Kritikpunkt, daß die Raumausnutzung mit den beiden Notsitzen, die eher als Aktenkofferablage dienen sollten, immer noch nicht besser geworden ist.

Freunde großer Limousinen warten bereits sehnsüchtig auf den Nachfolger des Alfa 164, der die Typenbezeichnung 166 tragen wird. Er debütiert am 20. Oktober in Deutschland und wird vorher auf dem Pariser Automobilsalon Weltpremiere feiern. Freudenstimmung herrscht zur Zeit bei Alfa Deutschland: Die Nachfrage nach dem 156er ist so groß, daß auf bestimmte Varianten Lieferzeiten bis zu einem Jahr bestehen. Und die Verkaufszahlen schnellen weiter in die Höhe: Waren es 1995 noch 8000 verkaufte Alfa, stieg die Zahl 1996 auf 10 000 und im vergangenen Jahr auf 12 500. Heuer will man gar 16 500 Autos absetzen.

Von Otto Fritscher

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