Zerstörung durch Treibhauseffekt Meeresspiegel könnte sechs Meter steigen

Die Eisdecken in Grönland und der Antarktis schmelzen offenbar schneller als bislang gedacht. Vom steigenden Meeresspiegel wären etliche Küstenstädte massiv bedroht.

Die Eisdecken in Grönland und in der Antarktis schmelzen offenbar schneller als bislang gedacht. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die US-Forscher im Fachjournal Science (Bd. 311, S. 1747 und S. 1751) veröffentlicht haben.

Wenn die gegenwärtige Veränderung des Klimas anhält, müssen wir demnach mit einer Erhöhung der Temperatur auf der Erde um mindestens 2,22 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 rechnen, warnen Wissenschaftler.

Dies werde voraussichtlich zu einem Anstieg des Meeresspiegel von vier bis sechs Metern führen. Dies würde die Küstenlinien gravierend verändern - viele Städte würden untergehen.

Die zwei Studien setzten erstmals die Schmelzprozesse in der Arktis und der Antarktis während der vergangenen Zwischeneiszeit vor 129.000 bis 116.000 Jahren in Beziehung.

Situation wie vor 130.000 Jahren

Die Forscher der Universität Arizona und des National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Colorado zeigten, dass die arktischen Sommer im Jahr 2100 möglicherweise so warm sein werden wie vor fast 130.000 Jahren. Damals sei der Meeresspiegel sechs Meter höher gewesen als heute.

"Obwohl der Fokus unserer Arbeit auf die Pole ausgerichtet ist, sind die Auswirkungen global", sagte Bette Otto-Bliesner, Wissenschaftlerin am NCAR.

"Diese Eisdecken sind zuvor geschmolzen und die Meeresspiegel gestiegen. Die Wärme, die dafür nötig war, ist nicht viel größer als unter gegenwärtigen Bedingungen."

Weil die Zerstörung der Eisschichten und der folgende Anstieg des Meeresspiegels erst mit zeitlicher Verzögerung erfolgten, werde der Prozess irgendwann in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts unumkehrbar sein, sagte der Forscher Jonathan Overpeck von der Universität Arizona.

"Ernsthafte Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen müssen innerhalb des nächsten Jahrzehnts beginnen.

Wenn wir nicht bald etwas unternehmen, sind wir einem Anstieg des Meeresspiegels von vier bis sechs Meter ausgeliefert", sagte Overpeck in Science.

In den vergangenen Jahren habe sich der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt. Zudem habe sich die Erwärmung in der letzten Zwischeneiszeit hauptsächlich in der Arktis und nur im Sommer abgespielt. Heute erwärme sich die Erde an beiden Polen und während des gesamtes Jahres.