Zelltherapie Gelähmte Hunde können wieder gehen

Forschern ist es gelungen, querschnittsgelähmten Hunden mit einer Zelltherapie zu helfen. Es ist der erste derartige Erfolg bei größeren Tieren. Und er weckt die Hoffnung, dass die Technik in Zukunft auch gelähmten Menschen nutzen könnte.

Von Christina Berndt

Wissenschaft Zelltherapie lässt gelähmten Dackel wieder gehen

Das Video der Universität von Cambridge zeigt den Fortschritt des querschnittsgelähmten Hundes Jasper im Lauf seiner Zelltherapie.

(Video: Medical Research Council, Cambridge University)

Jasper war ein armer Hund. Sein Frauchen musste ihn in einer Karre Gassi schieben oder sein Hinterteil in einem Tuch tragen, seit er seine Hinterbeine nicht mehr bewegen konnte. Doch dann hat der zehnjährige Dackel eine Zelltherapie erhalten. "Seine Beine waren nutzlos", erzählt seine Besitzerin May Hay. "Jetzt flitzt er wieder um Haus und Garten und kann auch mit anderen Hunden mithalten. Es ist total irre!"

In der Studie hatten Wissenschaftler von der Universität Cambridge 23 querschnittsgelähmten Hunden sogenannte Olfaktorische Hüllzellen aus der Nasenschleimhaut injiziert. Von ihren Ergebnissen berichten die Forscher um Nicolas Granger und Robin Franklin jetzt im Fachblatt Brain.

Von den Olfaktorischen Hüllzellen ist bekannt, dass sie Nervenfasern beim Wachsen unterstützen. "Wir sind zuversichtlich, dass die Technik menschlichen Patienten mit Rückenmarkverletzungen etwas Bewegung zurückbringen kann", so Franklin. Das sei aber noch Zukunftsmusik und bedeute auch nicht, dass die Patienten alle verlorenen Funktionen wie die Kontrolle über ihre Blase oder ihre sexuelle Aktivität wiedererlangen würden.

In früheren Studien waren Mäuse und Ratten bereits mit verschiedenen Techniken zum Laufen oder Schwimmen gebracht worden, nachdem ihnen Forscher absichtlich das Rückenmark durchtrennt hatten.

Doch diese Studie ist die erste, die größere Tiere untersucht, die zudem Monate zuvor eine echte Verletzung erlitten hatten.

Vielen der 23 Hunde ging es nach der Behandlung erheblich besser. Sie konnten mit Hilfe eines Geschirrs auf einem Laufband laufen. Bei elf weiteren Hunden, die nur eine Lösung ohne Zellen bekommen hatten, ließen sich nach der Behandlung dagegen keine Fortschritte erkennen - obwohl die Forscher nicht wussten, welche Tiere wirklich Zellen bekommen hatten.

Offenbar haben die transplantierten Zellen die Nervenfasern entlang der verletzten Region des Rückenmarks regeneriert. Über weite Strecken bis zum Gehirn, wie dies bei der Behandlung von Menschen nötig wäre, reichte der Effekt allerdings nicht. Zudem litten zwei Hunde - einer aus jeder Gruppe - nach der Behandlung erkennbar unter Schmerzen.

Aber auch wenn es noch ein langer Weg hin zu ähnlichen Versuchen an Menschen sei: "Dies ist der ermutigendste Fortschritt seit Jahren", freut sich Geoffrey Raisman vom University College London, der 1985 die in den Versuchen verwendeten Hüllzellen aus der Nase entdeckt hat. Ein wesentlicher Schritt sei getan.