Wurden die Probanden am Rücken mit einem Stab berührt - was sie über die Brillen beobachten konnten -, kam es zu so genannten Out-of-Body-Erfahrungen. Ihrer Wahrnehmung zufolge befand sich ihr Ich hinter ihrem physischen Körper.

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... was die Kamera an der Schaufensterpuppe zeigt. (© Foto: PlosOne/Petkova)

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Die Wissenschaftler um Olaf Blanke vom Polytechnikum Lausanne und Thomas Metzinger von der Universität Mainz hatten ihren Probanden auch Videoaufnahmen einer Schaufensterpuppe gezeigt, die gleichzeitig mit ihnen berührt wurde. Und bereits hier hatten die Versuchsteilnehmer erklärt, es hätte sich "angefühlt, als sei die virtuelle Figur mein eigener Körper".

"Der Unterschied zwischen diesen Studien hängt mit der visuellen Perspektive zusammen", erklärte Ehrsson der Süddeutschen Zeitung. "Wir untersuchen, wie jemand seinen eigenen Körper aus der Erste-Person-Perspektive wahrnimmt. Blanke und seine Kollegen untersuchen, wie ein Körper aus der Dritte-Person-Perspektive fälschlicherweise als der eigene wahrgenommen wird. "

Ehrsson und Petkova gehen davon aus, dass ihre aktuellen Ergebnisse helfen, grundlegende Fragen zu verstehen: "Wie kommen wir zu der Wahrnehmung, dass wir unseren eigenen Körper besitzen und warum haben wir immer das Gefühl, uns darin zu befinden?"

Dazu reiche es offenbar aus, in der "Erste-Person-Perspektive" die passenden Informationen über die Augen und über Berührungen zu erhalten. Das aber "steht im Gegensatz zu den Lehrbuch-Weisheiten, denen zufolge die Körperwahrnehmung eine direkte Folge der Verarbeitung der Signale von Muskeln, Gelenken und Haut ist".

Dass die Illusion des Körperwechsels so leicht entsteht, hängt ihrer Einschätzung nach gerade damit zusammen, dass der menschliche Geist so effektiv arbeitet und wie wir die Welt unter normalen Umständen wahrnehmen: "durch Augen, die an einer bestimmten Stelle am Schädel fixiert sind".

"Die Illusion rührt daher, dass das Gehirn versucht, den eigenen Körper so schnell wie möglich zu identifizieren und seine Position festzustellen", sagt Ehrsson. "Die große Geschwindigkeit geht dabei auf Kosten der Genauigkeit."

Unser Denkorgan, erklärt der Forscher weiter, greife auf Erinnerungen und Erfahrungen zurück, wie der Körper normalerweise aussieht. "In den meisten Fällen funktioniert das gut, aber wenn ein Wissenschaftler einen Ersatzkörper präsentiert, lässt sich das Gehirn leicht austricksen."

Mit anderen Worten: Scheinen wir uns selbst zu sehen und beobachten und spüren zugleich, wie wir berührt werden ... so schließt unser Gehirn daraus, dass wir uns auch dort befinden müssen, wo in der Umwelt wir uns gerade wahrnehmen.

Die schwedischen Forscher gehen davon aus, dass ihre Ergebnisse "bahnbrechende Bedeutung für Industrie und Medizin besitzen könnten". So hoffen sie, dass ihre Arbeit hilft, Körperschema-Störungen wie Ess-Brechsucht oder Magersucht oder verzerrte Selbstwahrnehmungen zu erforschen.

Auch werden Erfahrungen in der Virtuellen Realität realistischer sein, wenn es gelingt, einen simulierten Körper tatsächlich als den eigenen wahrzunehmen. Dies wieder könnte den so genannten Proteus-Effekt verstärken.

So bezeichnen Wissenschaftler der amerikaniscen Stanford University ihre Beobachtung, dass Menschen sich mit einem künstliches Gesicht auf einem Bildschirm ein Stück weit identifizieren, wenn sich dessen Augen wie ihre eigenen bewegen. Mit interessanten Konsequenzen. So nehmen Weiße, die sich eine Weile mit einem schwarzen Computer-Spiegelbild identifiziert haben, anschließend Rassenunterschiede nicht mehr so wichtig.

Schließlich, so vermuten Ehrsson und Petkova, seien ihre Erkenntnisse auch wichtig für die alte Frage nach dem Verhältnis zwischen dem Bewusstsein des Menschen und seinem Körper - einer Frage, die bereits seit Jahrhunderten von Philosophen, Psychologen und Theologen diskutiert wird.

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(sueddeutsche.de/H.Charisius/als)