Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner hat gute Gründe, den Anbau von Genmais zu stoppen. Denn solange der Nutzen der Gentechnik nicht feststeht, gibt es keinen Anlass, ihre Risiken in Kauf zu nehmen.
"Endlich", werden die Gegner der Gentechnik sagen. Endlich hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner ein Einsehen. Am Dienstag verbot die CSU-Politikerin die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais. Da dies die einzige Pflanze ist, die bislang in der EU für den kommerziellen Anbau erlaubt ist, werden die Felder der deutschen Bauern in diesem Jahr also - anders als in den drei Jahren zuvor - gentechnikfrei bleiben. Dafür gibt es gute Gründe.
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Umweltschützer und Biobauern dürfen sich über einen Riesenerfolg freuen. Für Industrie und Forschung aber ist das Verbot eine schwere Niederlage. Zwar wurde der Gen-Mais nur auf sehr wenigen Feldern angebaut, doch von dem Verbot geht ein Signal aus: Die Industrie fragt sich jetzt, ob die Grüne Gentechnik in Deutschland generell eine Zukunft hat. Lohnen sich Investitionen überhaupt noch? Aigner muss sich den Vorwurf gefallen lassen, eine rein politische Entscheidung getroffen zu haben. Es gebe keine seriösen Studien, die belegten, dass von dem Mais eine Gefahr ausgeht, sagen die Befürworter. Doch wer so argumentiert, zeigt damit nur, dass er das Problem nicht verstanden hat.
Wie groß die mit dem Mais verbundenen Risiken sind, kann derzeit niemand mit Gewissheit sagen. Das geben sogar die meisten Umweltschützer zu. Sie behaupten nicht, Beweise zu haben für die Gefährlichkeit. Aber sie haben Indizien, genau wie Ilse Aigner. Die Ministerin stützt ihr Verbot auf neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Eigentlich sollte das Gift in dem Mais nur einen ganz bestimmten Schädling bekämpfen. Doch womöglich ist es auch eine Gefahr für die Larven von Marienkäfern und für Organismen in Gewässern. Und vielleicht wirkt es sich schädlich auf Bienen aus.
Die Gentechnik-Befürworter haben natürlich recht, wenn sie sagen: Ein "womöglich" und ein "vielleicht" sind keine Beweise für die Gefährlichkeit. Aber, und das ist entscheidend: Sie sind auch kein Beweis für die Ungefährlichkeit. Deshalb hat Aigner verantwortungsvoll gehandelt. Dass sie sich damit zugleich bei den Wahlen ein paar zusätzliche Stimmen für die CSU erhofft, ist sehr wahrscheinlich - aber bei dieser Sachlage völlig nebensächlich.
Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt diese Technik ab. Sicher stecken hinter der Ablehnung nicht nur rationale Gründe, vieles ist Glaubenssache. Das gilt jedoch auch für die Befürworter. Wo sind denn all die Wunderpflanzen, die Dürren und Überschwemmungen widerstehen? Noch ist die Forschung den Beweis schuldig geblieben, dass Grüne Gentechnik den Hunger in der Welt bekämpfen kann. Wenn ihr das gelänge, hätte sie sicher auch in Deutschland eine Zukunft. Solange aber der Nutzen nicht feststeht, gibt es keinen Grund, die Risiken beim Anbau in Kauf zu nehmen.
Aigner musste ein Verbot aussprechen, das war sie den Bürgern schuldig. Alles andere wäre ein riesiger Freilandversuch mit unabsehbaren Folgen.
- Landwirtschaft Deutschland verbietet Anbau von Genmais 13.05.2009
- Genmais-Verbot "Halbwahrheiten und Ängste" 14.04.2009
- Genmais-Verbot US-Hersteller von Genmais will Klage prüfen 14.04.2009
- Hintergrund Weltweit 23 Prozent der Maispflanzen genmanipuliert 14.04.2009
- Gentechnik Keine Genmais-Spuren in Kuhmilch 26.03.2009
(SZ vom 15.4.2009/beu)
Griechenland in der Schuldenkrise
"Blockade des freien Marktzugangs, o.ä. weil das Produkt ja in anderen Ländern zugelassen ist."
Äh.. das kann aber ja kein Argument sein! Es gibt eine ganze Reihe von Produkten, die in manchen Staaten nunmal verboten sind, in anderen ganz legal erhältlich. Beispiel: Holland und manche Drogen, die meines Wissens überall sonst in Europa verboten sind... Oder derzeit aktuell: Waffen mit Führerschein im Laden kaufen (USA), hierzulande strikt reglementiert. Da könnte ja die Waffenlobby auch mit "Wettbewerbsnachteilen" klagen :-). Neenee, die müssen schon was handfesteres bringen als nur Verkaufsnachteile.
Gegen die Entscheidung von Staaten, etwas zu verbieten, kommt kaum ein Konzern wirklich an, wenns hart auf hart kommt. Und wenn, was ich hoffe, die EU sich endlich durchringt, in Übereinstimmung mit der überwiegenden Mehrzahl ihrer Bürger diesen genmanipulierten Schrott zu verbieten, dann ist eh Sense!
Blockade des freien Marktzugangs, o.ä. weil das Produkt ja in anderen Ländern zugelassen ist.
Grundsätzlich kann ich mir ja durchaus vorstellen, dass Gentechnik positive Effekte haben kann, - auch angesichts eines Klimawandels. Da allerdings einmal in die Wege geleitete Veränderungen schwer oder gar nicht reversibel sind, sollte generell die Auflage gelten, dass eine Unbedenklichkeit nachgewiesen werden muss, und nicht eine konkrete Gefährdung. Das gilt insbesondere, da Nahrungsmittelkonzerne tatsächlich nur am Profit interessiert sind, und nicht an der vorgeschobenen Welternährung. Offensichtlich braucht Mon810 fruchtbare und nicht karge Böden, und (zumindest Mais-typisch) sehr viel Wasser. Wie das helfen soll, die Welternährung bei nachgewiesen steigendem Wassermangel sicherzustellen wäre schon interessant zu wissen. Hier geht es faktisch nur um Sicherung von Pfründen über Patente. (Sollte nicht jüngst eine Kartoffelsorte, die sich allgemein großer Beliebtheit erfreut, vom Markt genommen werden, weil die Rechte-Inhaberin ihr neues Produkt zwangsweise an die Verbraucher bringen wollte?) Da geht m.E. das Gemeinwohl vor Firmenrechte. Zumal - nach großflächiger Markteinführung - die Firma ziemlich exklusiv den Preis gestalten kann, aber für evtl. später aufkommende Probleme nicht sie, sondern die Allgemeinheit haftet.
Und unsere sog. Entwicklungshilfe über günstige Lebensmittel-Lieferungen führen regelmäßig dazu, dass die einheimischen Bauern mit ihren Produkten vom Markt verdrängt werden, also letztendlich alteingesessene und ans dortige Klima gewöhnte Pflanzen vom Markt verschwinden. Dies hilft ganz sicher nicht bei der Lösung des Welt-Hungerproblems.
Die Perversion des Ganzen sind dann Produkte, wie es sie ebenfalls schon gibt, denen gentechnisch eine Herbizid-Resistenz angezüchtet wird, damit man sowohl das Saatgut, wie das Spritzmittel verkaufen kann.
Der Gedanke hinter Mon810 mag nicht grundsätzlich falsch sein, aber die Verträglichkeit mit der Natur müsste zweifelsfrei nachgewiesen sein. Hier sollten mindestens dieselben Standards gelten, wie bei der Medikamentenzulassung, was m.W. nicht der Fall ist.
Und die Beweislast liegt beim Staat denn erstens hat er das letzte Wort und zweitens liefe es auf behoerdliche Willkuer raus wenn der Massstab "hm, schaut unbedenklich aus aber genau wissen wir es (noch) nicht, also erst mal verbieten" waere.
jetzt noch mal zum richtigen verstaendnis, denn ich bin mir nicht sicher, was genau ihre aussage ist, oder ob wir aneinander vorbeireden (was ja fast noch wuenschenswert waere) - oder
meinen sie tatsaechlich mit ihrer aussage, dass nicht nur (irrwitzigerweise) dieses prinzip fuer genetisch manipulierte organismen gelten soll, sondern auch fuer medikamente? sie sind der meinung, man soll erstmal mal schauen, was dabei rauskommt, und bei tatsaechlichen negativen auswirkungen kann man dann ja immer noch verbieten, d.h. wenn endich der beweis erbracht worden ist?? im anderen falle handele es sich um behoerdliche willkuer?
so oder so, im falle der maissorte MON810 wurde allerdings doch mal etwas genauer untersucht (was bei der komplexitaet im uebrigen extrem schwierig und aufwendig ist), und es scheint wohl so, dass es es doch gar nicht unbedenklich ausschaut, wie viele leute glauben moegen. ich empfehle hier mal folgenden detaillierten bericht:
www.campact.de/img/gentec/docs/Studie_Verbot_MON810.pdf
Was mich in dem Zusammenhang derzeit am meisten interessieren würde: wie will Monsanto die Klage denn überhaupt begründen???
"Oder anders gefragt: Wie oft passiert es wohl auf natürlichem Wege, dass sich Gene zweier unterschiedl. Arten kreuzen?"
OK, die Wahrscheinlichkeit der Genübertragung ist sehr gering, da gebe ich Ihnen recht;
Aber erinnern sie sich, meine Zahl hatte auch viele Nullen.
Außerdem ist die Transpopulationsübertragung von Genen nicht so unwahrscheinlich, wie sie hier darstellen.
Vektoren und vor allem Viren, Bakterien etc. haben sich schon vielfach ins Genom der Menschheit verewigt, wie wir an ihren fossilen Genresten erkennen können. Liest sich wie ein Gipfelbuch; wer schon alles Mal da war.
Der Transport von Genen über die Arten hinweg ist also nicht so abwegig, manchmal schafft es doch ein Genfragment aus der Nahrungskette in eine Keimzelle; selten aber nicht unmöglich.
Und selbst wenn ein gesamtes Gen zu übertragen eine neue Qualität hat wie einzelne Mutationen.
Na und; was hat das mit der Kritik an Gentechnik zu tun?
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