Von Volker Hasenauer

Vor drei Jahrzehnten war der Kormoran in Deutschland fast ausgestorben. Nun ist der Vogel zurück - und sorgt für Streit zwischen Fischern und Naturschützern.

Als er vor etwa 20 Jahren den ersten schwarzen Wasservogel erspähte, musste Berufsfischer Stefan Riebel noch im Bestimmungsbuch nachschlagen. Erst dann war er sicher, dass tatsächlich ein Kormoran an den Bodensee gekommen war.

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Etwa 25.000 Kormoran-Brutpaare gibt es derzeit an den deutschen Küsten und süddeutschen Seen. (© Foto: ddp)

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Heute kreisen die Vögel täglich über Riebels Netzen. Der Fischer bangt deshalb um seine berufliche Existenz. "Wenn die Kormorane in Schwärmen auf die Jagd gehen, kann ich nur hoffen, dass für mich noch etwas übrigbleibt."

Vor drei Jahrzehnten war der Kormoran in Deutschland fast ausgestorben. Nun ist er wieder da - nicht nur am Bodensee. Der Vogel hat sich im ganzen Land Lebensräume zurückerobert. Geschätzte 25.000 Brutpaare gibt es derzeit an den deutschen Küsten und süddeutschen Seen.

Halogenstrahler gegen brütende Vögel

Europaweit sind zwischen einer halben und 1,5 Millionen Exemplare des Fischjägers mit dem Hakenschnabel heimisch geworden. Vogelfreunde bejubeln den Erfolg der Tierschutzbemühungen und die Tatsache, dass einst gefährdete Großvögel zurückkehren.

Doch überall, wo der Kormoran in größerer Zahl auftaucht, entstehen Konflikte. Der Wasservogel gefährde die Fischerei, sei für den Rückgang von bedrohten Fischarten verantwortlich und zerstöre mit seinem täglichen Appetit von einem halben Kilo Fisch die ökologische Balance vieler Gewässer, führen Kritiker an. Der Ruf nach einer Reduzierung der Kormoranbestände wird immer lauter.

Verantwortlich für eine mögliche Dezimierung der Bestände des von der europäischen Vogelrichtlinie geschützten Kormorans wären die Bundesländer. Bislang gibt es jedoch kein Konzept, das die Interessen von Artenschützern und Fischern in Einklang bringt. Stattdessen versuchen mehrere Länderregierungen mit lokal begrenztem "Kormoranmanagement" die Bestände zu kontrollieren. Dabei setzen sie auf Vertreibungsmaßnahmen, lassen Nistbäume fällen oder erteilen Abschussgenehmigungen.

So darf der Kormoran in Bayern und Baden-Württemberg mittlerweile mit Sondererlaubnis außerhalb der Brutzeit gejagt werden - zur "Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden und zum Schutz der heimischen Tierwelt", wie es die bayerische Verordnung formuliert.

An den Küsten und am Bodensee gehen die Behörden nun auch gegen brütende Vögel vor. Anfang April rückten nachts erstmals staatliche Kormoranvertreiber mit starken Halogenstrahlern am Bodensee an, um die brütenden Vögel aufzuschrecken. Dann, so das Kalkül, würden bereits gelegte Eier auskühlen und weniger Jungtiere schlüpfen.

In Dänemark, dem Land mit den meisten Kormoranen in Europa, hat dieses Verfahren gut funktioniert. In Süddeutschland war der Einsatz der Halogenstrahler weniger effektiv. Dutzende Jungvögel sind in den 120 Kormoranhorsten am Bodensee geschlüpft. Offenbar war es in der Nacht der Vertreibungsaktion nicht kalt genug, und die behördlichen Kormoranaufscheucher gingen wegen der Proteste von Vogelschützern möglicherweise zu zögerlich vor.

Gutachten und Gegengutachten

"Ich finde es unglaublich, dass wir schon wieder eine Art verteidigen müssen, die bei uns nahezu ausgestorben war", sagt Hans-Günther Bauer vom Max-Planck-Institut für Ornithologie.

In einer Pionierstudie für den süddeutschen Raum hat der Vogelkundler Langzeitbeobachtungen des Artenvorkommens am Bodensee ausgewertet. Demnach wirken die seit den 1970er-Jahren getroffenen Schutzmaßnahmen für Großvögel und sorgen dafür, dass sich die Bestände von Arten wie Uhu, Seeadler oder Kormoran wieder erholen.

Aus Sicht des Biologen aber bleibt der traurige Hauptbefund der Studie, dass die Gesamtzahl der Vögel in den vergangenen Jahren aufgrund menschengemachter Natur- und Klimaveränderung dramatisch zurückgegangen sei, besonders bei den Singvögeln.

Eine Erfolgsgeschichte wie die Rückkehr des Kormorans gelte es daher zu verteidigen. Zudem stagnierten in einigen Regionen Deutschlands schon heute die Bestände wegen natürlicher Ursachen.

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