Tierschutz ohne Ausnahme Verstümmelung von Haifischen bald EU-weit verboten

Vorstoß für mehr Tierschutz: Bald soll es in der gesamten EU verboten sein, verstümmelte Raubfische lebend zurück ins Meer zu werfen. Ausnahmen gibt es keine mehr, Kontrollen werden verstärkt. Portugal und Spanien hatten sich gegen die neue Regelung gewehrt, die vor allem Haien einen qualvollen Tod ersparen soll.

Bald EU-weit verboten: Finning, das Abschneiden von Flossen wie hier in Lampulo, Indonesien.

(Foto: dpa)

Das Abtrennen von Flossen an lebenden Haifischen wird in der gesamten Europäischen Union künftig verboten. Eine entsprechende Verordnung hat das Europaparlament in Straßburg verabschiedet. Demnach dürfen Fischer nicht mehr auf hoher See Haifischen die Flossen abschneiden und die verstümmelten Tiere anschließend ins Meer werfen, wo sie verbluten. Die EU-Regierungen hatten den Vorschlag der EU-Kommission gegen die Stimmen Spaniens und Portugals bereits gebilligt.

In der EU wird das sogenannte "Finning" vor allem von spanischen und portugiesischen Fischern praktiziert. Sie behalten so nur die Flossen an Bord, die vor allem in Asien eine begehrte und teure Delikatesse sind. Anschließend werfen sie die Tiere ins Meer, um auf ihren Booten Platz zu schaffen. Die Tiere sterben eines grausamen Todes: Ohne Flossen können sie nicht mehr schwimmen, sinken zu Boden, wo sie qualvoll ersticken oder von anderen Raubfischen gefressen werden.

Eigentlich ist diese von Tierschützern seit langem angeprangerte Praxis bereits seit 2003 EU-weit verboten, doch Spanien und Portugal nutzen Ausnahmeregelungen. In Zukunft müssen gefangene Haifische unversehrt an Land gebracht werden. Dort dürfen die Flossen nur von toten Tieren abgeschnitten werden.

Durch die Verordnung würden gesetzliche Schlupflöcher geschlossen, die dieser "abscheulichen und verschwenderischen Praxis" nun ein Ende setzten, betonte die Ko-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Rebecca Harms. "Nach der heutigen Abstimmung wird ein unmissverständliches Finning-Verbot endlich Realität."

"Viele Haifischarten sind überfischt, einige sogar in ihrem Bestand gefährdet", betonte die SPD-Abgeordnete Ulrike Rodust. Deshalb könne es nicht angehen, dass die EU bislang das Finning zwar auf dem Papier verbiete, die Einhaltung des Verbots aber nicht effizient kontrolliert werden könne. Nach Angaben des spanischen Grünen Raül Romeva i Rueda werden weltweit jährlich mehr als hundert Millionen Haie nur ihrer Flossen wegen getötet.