Sternenhimmel im November Sag mir, wo die Sterne sind

Die Zukunft der Astronomen sieht ganz schön schwarz aus - Schuld daran ist die trübe Luft.

Von Helmut Hornung

Die Astronomen sind auf der Flucht. Forschten sie früher mitten unter uns - in Großstädten wie Berlin, London oder Paris -, so haben sie sich heute in die entlegensten Winkel der Erde zurückgezogen: auf die Gipfel hoher Berge, in die Wüste oder gar in die Antarktis. Von dort spähen sie mit mächtigen Maschinen in den klaren Himmel.

Aber wie lange werden diese Biotope der Astronomen noch geschützt sein vor der zunehmenden Licht- und Luftverschmutzung der irdischen Atmosphäre?

Wer von seinem Wohnort ein wirklich dunkles Firmament genießen und etwa das hauchzarte Band der Milchstraße bis zum Horizont verfolgen möchte, hat kaum eine Chance.

Etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung können keinen ungestörten Nachthimmel mehr erleben. Und einer Emnid-Umfrage zufolge haben ein Drittel der Deutschen die Milchstraße überhaupt noch nie gesehen.

Der steigende Energiebedarf erfordert mehr Kraftwerke, deren Emissionen die Menge an Treibhausgasen und Schwebeteilchen (Aerosolen) in der Atmosphäre erhöhen. Das führt nicht nur zu globaler Erwärmung, sondern zu einer deutlichen Eintrübung. Die Luftteilchen wiederum streuen das Licht aus irdischen Quellen - der Nachthimmel hellt sich auf, schwache Sterne verblassen.

Allein in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die Amateurastronomen in Mitteleuropa und den USA drastisch an Durchblick verloren: Studien zeigen, dass in den Ballungszentren nur noch helle bis sehr helle Sterne sichtbar sind.

Vor einigen Jahren hatten Wiener Astronomen die Bevölkerung aufgerufen, bei klarem und mondlosem Himmel mit bloßem Auge alle Sterne in der Figur Kleiner Wagen zu zählen. Wer den Test selbst nachmachen will: Unter normalen Bedingungen müssten alle sieben Lichtpünktchen des Hauptbilds problemlos zu sehen sein. Die meisten Beobachter in den Städten werden neben dem vergleichsweise hellen Polarstern allerdings nur noch einen oder zwei weitere Sterne erblicken.

Lichtsmog ist nicht nur ein Thema für die Astronomen. Biologische Uhren, die durch den Wechsel von hell und dunkel synchronisiert werden, steuern den Organismus von Menschen und Tieren. Indem wir die Nacht zum Tag machen, stören wir solche circardiane Rhythmen - auch die von Insekten, Fledermäusen oder Vögeln.

Kampf gegen die Lichtverschmutzung

Überall auf der Welt ziehen inzwischen Wissenschaftler und Amateure gegen die zunehmende Lichtverschmutzung zu Felde, in Deutschland etwa die Fachgruppe "Dark Sky" innerhalb der Vereinigung der Sternfreunde (www.lichtverschmutzung.de). Das Szenario der Fachleute birgt trübe Aussichten: In ein paar Jahrzehnten könnten die Sterne vollständig vom irdischen Firmament verschwunden sein.

Am 5. November dürften erfahrene Planetenbeobachter den flinken Merkur zum letzten Mal am Osthimmel in der Morgendämmerung ausmachen; nach diesem Datum überstrahlt ihn die Sonne. Venus baut ihre Rolle als glänzender "Star" auf der abendlichen Himmelsbühne weiter aus und leuchtet in der Dämmerung im Südwesten.

Während Mars unbeobachtbar bleibt, zeigt sich Jupiter am frühen Abend im Südwesten - gemeinsam mit Venus bildet der Riesenplanet dort ein hübsches strahlendes Duo. Saturn wird im Lauf des Monats zum Objekt der zweiten Nachthälfte.

Uranus steht im Wassermann, Neptun im Steinbock. Beide Planeten erspäht man in den Abendstunden. In der Nacht zum 18. November flitzen dann die Leoniden über das Firmament; nach Jahren erhöhter Aktivität erwarten die Astronomen dieses Mal nur an die 50 Sternschnuppen pro Stunde.

Der Fahrplan des Erdbegleiters: Erstes Viertel am 6., Vollmond am 13., Letztes Viertel am 19. und Neumond am 27. November.