Sommerzeit Weniger Licht, mehr Heizung

Die Umstellung der Uhren auf Sommerzeit steigert oder senkt den Energieverbrauch - je nachdem wie man es betrachtet

Von A. Vrouwe und C. Schrader

Dass die Sommerzeit etwas mit Sparen zu tun habe, hat sich nur im Englischen erhalten. "Daylight saving time", heißt die umgestellte Zeit dort, sie soll also Tageslicht sparen.

Die Umstellung der Zeit hat verschiedene Effekte.

(Foto: Foto: AP)

Doch in den Köpfen vieler Bürger, die sich in den nächsten Tagen mit den körperlichen Folgen der Umstellung herumschlagen müssen, ist die Sommerzeit fest mit dem Energiesparen verknüpft. Ist sie nicht 1980 wegen der Ölkrise eingeführt worden? Hatte nicht schon Benjamin Franklin vorgerechnet, als er die Sommerzeit 1784 anregte, so ließen sich in einer Stadt wie Paris Millionen Pfund Kerzenwachs und -talg einsparen?

Aber so einfach ist es mit dem Sparen offenbar nicht. Wer auch immer bislang versucht hat, die Energiebilanz der Sommerzeit aufzudröseln, ist höchstens auf minimale Einsparungen gekommen.

Eine neue Studie aus den USA hat vor kurzem sogar belegt, dass die Umstellung der Uhren zwischen März und Oktober den Stromverbrauch ein wenig steigert.

Das Problem bei solchen Untersuchungen besteht nicht nur darin, dass das Wetter während der Umstellungsphasen in Frühling und Herbst den Energieverbrauch von Haushalten sowie Industrie- oder Bürogebäuden stark beeinflusst. Hinzu kommt, dass die verschiedenen Arten der Energie gegenläufige Entwicklungen zeigen.

Während beim Licht tatsächlich ein Benjamin-Franklin-Effekt eintritt, steigt der Bedarf an Heizenergie in den Morgenstunden in April und Oktober, wenn ohne Umstellung schon die Sonne aufgegangen wäre.

Schließlich verbrauchen die Menschen in den Abendstunden mit verlängertem Tageslicht Energie, wenn sie mit dem Auto zu Freizeitaktivitäten fahren. Es gibt immer wieder Studien, die berechnen, was unter dem Strich herauskommt. Ihr Ergebnis wird aber in hohem Maß von den zuvor getroffenen Annahmen bestimmt.

Darum greifen Regierungsstellen, wenn sie den Effekt der Sommerzeit bewerten sollen, oft zu schwammigen Formulierungen. Die EU-Kommission fasste im November 2007 zusammen: "Die tatsächlich erzielten Einsparungen sind schwer zu bestimmen und fallen allenfalls gering aus."

Die Bundesregierung antwortete 2005 auf eine Anfrage der FDP: "Im Hinblick auf den Energieverbrauch bietet die Umstellung auf die Sommerzeit keine Vorteile." Die Einsparung an Strom werde durch den vermehrten Heizbedarf überkompensiert.

Offenbar hängt der Spar-Effekt beim Energieverbrauch stark vom Klima und anderen regionalen Besonderheiten ab. Der niederländische Stromerzeugerverband Energiened schätzt, dass jeder Haushalt etwa 10 Euro durch die Sommerzeit an seiner Elektrizitätrechnung spare. Das entspreche 0,3 Prozent der jährlichen Ausgaben.

In Frankreich kam eine Simulationsrechnung zum Ergebnis, dass der Stromverbrauch der ganzen Nation um 0,014Prozent zurück gehe. Dagegen hatte die neue Studie aus den USA einen Mehrverbrauch von 0,45 Prozent ergeben.

Dafür analysierten die Forscher von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara drei Jahre lang den Stromverbrauch im Bundesstaat Indiana, wo im Jahr 2006 eine Reihe von Landkreisen die Sommerzeit eingeführt hatten. In den USA wird aber eher mit Strom geheizt als etwa in Deutschland oder Holland, zudem sind dort weitaus mehr Klimaanlagen in Privathäusern installiert als in Europa.

Trotz dieser unklaren Bilanz hat sich die Europäische Union erst im vergangenen Jahr auf unbefristete Zeit darauf festgelegt, jeweils im März und Oktober die Uhren umzustellen. Keines der 27 Länder hatte protestiert, keines wollte als Zeitinsel in Europa dastehen.

In vielen Ländern befürwortet auch eine Mehrheit der Bürger die Umstellung, weil sie die helleren Abende für ihre Freizeitgestaltung nutzen. Manche von ihnen dürften daher einen Vorstoß der belgischen Regierung begrüßen: Sie wollte die Sommerzeit auf das ganze Jahr ausdehnen.