Im ältesten Sonnenobservatorium der Welt wurde vor 7000 Jahren auch die Walpurgisnacht gefeiert. Womöglich wurden dabei nicht nur Tiere, sondern auch Menschen geopfert.

"Wir haben jetzt einen Opferkalender entdeckt", sagt der Astronom Wolfhard Schlosser von der Ruhr Universität in Bochum. "In den Holzpalisaden der Kreisanlage gibt es spezielle Aussparungen, so genannte Zeitmarken, durch die an ganz bestimmten Tagen im Jahr die Sonnenstrahlen fallen. Dazu gehören 9. April, 1. Mai, 1. August, 4. September." An diesen Tagen versammelten sich die Menschen schon vor Tausenden von Jahren zu besonderen Festen nach uralten Riten.

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"Ihnen war klar, dass die Sonne am Himmel eine bestimmte Bahn immer wiederkehrend durchläuft. Danach haben sie ihre zyklische Zeiteinteilung aufgebaut", erläutert Schlosser. Der Astronom geht davon aus, das sich einige Details dieser Feste sogar bis in unsere Zeit erhalten haben. "Es ist auffällig, dass das gruselige Fest Walpurgisnacht, die Nacht zum 1. Mai, bereits vor 7000 Jahren auf dem Opferkalender in Goseck stand", sagt der Experte.

Menschliche Knochen in der Opfergrube

"Das waren Bauern, die einer Fruchtbarkeitsreligion mit Schamanismus huldigten", sagt der leitende Archäologe Francois Bertemes von der Martin-Luther Universität in Halle.

"Die Anlage in Goseck nutzten sie als Bauernkalender zu genauen Bestimmung von Aussaat und Ernte und zugleich als Ritualkalender zur Festlegung ihrer Opfertage."

Auf dem 1991 wiederentdeckten rund 6000 Quadratmeter großen Areal in Goseck legten die Archäologen zahlreiche Opfergruben frei. In den Gruben loderte einst nachweislich starke Feuer. Zudem steckten dort hunderte Tonscherben, Rinderknochen und mehrere Pfeilspitzen. Das Rind galt in der Steinzeit als Opfertier. In zwei der Opfergruben entdeckten die Archäologen auch menschliche Skelettteile in einer unnatürlichen Lage.

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