Das Leben als Schwarzer in den USA ist teuer. Doch die meisten weißen US-Bürger machen sich völlig falsche Vorstellungen davon, was es kostet, ein Afroamerikaner zu sein.
Bevor Sie diesen Artikel lesen: Vielleicht haben Sie Lust, diese zwei Fragen zu beantworten?
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US-amerikanische Nachfahren von Sklaven fordern Reparationszahlungen von der Regierung. (© Foto: AP)
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Die Kosten der schwarzen Haut
Stellen Sie sich vor, Ihnen würde als Weißer Geld dafür geboten, ab sofort als Afroamerikaner in den USA zu leben. Für welche Summe wären Sie dazu bereit?
Nie wieder Fernsehen?
Wenn Ihnen jemand Geld dafür bieten würde, dass Sie den Rest Ihres Lebens ohne Fernseher auskommen - für welche Summe wären Sie dazu bereit?
"Wie viel Geld müsste man Ihnen geben, damit Sie Ihr Leben in Zukunft als Schwarzer führen würden?" Mit dieser Frage haben US-Forscher versucht, herauszufinden, wie weiße Amerikaner die Lebensumstände ihrer schwarzen Mitbürger einschätzen.
Und wie es aussieht, sind sich die wenigsten bewusst, um wieviel teurer das Leben von Schwarzen in den USA im Vergleich zu Weißen ist: Für weniger als 10.000 Dollar wären die meisten bereit gewesen, ihr Leben fortan mit dunkler Haut zu bestreiten.
Für die Entscheidung, in Zukunft den Fernseher ausgeschaltet zu lassen, hätten die Wissenschaftler den fast 1000 Studienteilnehmern dagegen erheblich mehr zahlen müssen. Eine Millionen Dollar wollten die meisten für den Verzicht auf die Glotze.
Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten weißen Amerikaner die Unterschiede zwischen den Umständen, unter denen sie und ihre schwarzen Landsleute leben, gar nicht realisieren, erklärt einer der Studienautoren, Philip Mazzocco von der Ohio State University. "Dabei ist gut dokumentiert, was es in unserer Gesellschaft kostet, schwarz zu sein."
Ein Unterschied von 150.000 Dollar
Trotz aller Fortschritte im Kampf gegen die Ungleichbehandlung verschiedener Ethnien: Schwarze haben im Vergleich zu Weißen im Schnitt unter anderem ein niedrigeres Einkommen, sie sind häufiger arm und ihre Lebenserwartung ist geringer. Ein durchschnittlicher weißer US-Haushalt verfügt über 150.000 Dollar mehr als eine typische schwarze Familie, berichten die Wissenschaftler (Du Bois Review der Harvard University).
Wenn also weißen Amerikanern 10.000 Dollar als Motivation reichen, um in Zukunft als Schwarze zu leben, dann haben sie nicht verstanden, in welchem Ausmaß Afroamerikaner noch immer benachteiligt werden, so der Schluss der Forscher.
Die Wissenschaftler hatten den Studienteilnehmern auch eine Reihe weiterer Fragen gestellt, um zu überprüfen, wieviel Bedeutung sie verschiedenen Veränderungen in ihrem Leben überhaupt beimessen. Ein Vergleich mit den Antworten auf diese Fragen zeigte, dass der Wechsel der Rassenzugehörigkeit von den Probanden als relativ belanglos eingeordnet wurde. Dafür verlangten sie ungefähr soviel Geld wie für den Umzug in einen anderen Bundesstaat.
Ein Fernsehverzicht dagegen wurde als erheblich weitergehende Veränderung betrachtet.
Wie Mahzarin Banaji von der Harvard University, eine Ko-Autorin der Studie, erklärt, lässt sich angesichts der Ergebnisse auch begreifen, warum mehr als 90 Prozent der weißen Amerikaner gegen Wiedergutmachungszahlungen an die Nachfahren der schwarzen Sklaven sind.
"Unsere Daten deuten darauf, dass dieser Widerstand nicht daher rührt, dass weiße Amerikaner gemein und gefühllos, unmoralisch und unethisch sind", so Banaji. "Sie leiden an einer eklatanten Ignoranz gegenüber der Benachteiligung schwarzer Amerikaner."
Das bestätigte ein weiterer Test der Wissenschaftler: Hier sollten die Teilnehmer angeben, für welche Summe sie bei einer Wiedergeburt statt als Weißer als Schwarzer zur Welt zu kommen bereit wären. Wieder forderten die Probanden relativ wenig Geld.
Jene Teilnehmer aber, die zuvor über die höheren Belastungen von Schwarzen in den USA informiert worden waren, wollten nun etwa 500.000 Dollar für die Geburt als Afroamerikaner.
Und sollten die befragten Weißen entscheiden, ob sie der Minderheit oder der Mehrheit in dem fiktionalen Land Atria angehören wollten, so waren sie bereit, die Nachteile der Minderheit in Kauf zu nehmen - wenn man ihnen dafür eine Millionen Dollar zahlen würde. Diese Nachteile aber stellten exakt jene dar, unter denen schwarze Amerikaner tatsächlich leiden.
So gravierend wie der Verzicht auf den Fernseher
Das, so interpretieren die Wissenschaftler, zeigt besonders deutlich, welche Illusionen sich die Weißen in den USA über das Leben ihrer schwarzen Mitbürger machen. Aus dem Schwarz-Weiß-Kontext herausgenommen erscheinen den weißen Amerikanern die Nachteile der Minderheit plötzlich ähnlich gravierend wie der Verzicht auf den Fernseher.
Und dahinter stecke kein Rassismus, betonen die Wissenschaftler. Studienteilnehmer, die in vorangehenden Tests eine Tendenz zu Vorurteilen gegen andere Rassen gezeigt hatten, antworteten nicht signifikant anders als alle übrigen Probanden.
Zwar gebe es bereits Fortschritte im Kampf gegen die Benachteiligung verschiedener Ethnien in den USA, schließen die Forscher. "Aber es gibt eindeutig noch eine Menge zu tun."
Wenn die Weißen das Ausmaß der unterschiedlichen Behandlung verschiedener Menschengruppen in den USA begreifen würden, dann wären wahrscheinlich mehr von ihnen für Wiedergutmachung, vermuten Mazzocco und Banaji.
Darauf deute auch die Beobachtung, dass jene, die am meisten Geld für die Veränderung der Hautfarbe gefordert hatten, Wiedergutmachungen am häufigsten unterstützen würden.
Mit einem einfachen Trick gelang es den Wissenschaftler übrigens, Versuchsteilnehmer für die Idee der Wiedergutmachung - zumindest im Prinzip - zu erwärmen.
Die Probanden sollten sich vorstellen, ihr Ur-Ur-Opa sei ein wohlhabender Schiffseigner gewesen. Seine Entführung und eine hohe Lösegeldzahlung hätte ihn jedoch ruiniert. Die Entführer dagegen wären in der Lage gewesen, mit dem Geld eine erfolgreiche Firma zu gründen, die heute 100 Millionen Dollar wert wäre.
Dann wurden die Studienteilnehmer gefragt, ob sie sich an einer Klage gegen die heute noch existierende Firma beteiligen würden, die jedem Nachfahren etwa 5000 Dollar einbringen würde.
61 Prozent der Probanden stimmten zu. Und das entspricht etwa dem Anteil der schwarzen Bevölkerung in den USA, der Wiedergutmachungszahlungen für die Sklaverei fordert.
Auch weiße Amerikaner sind demnach durchaus für Wiedergutmachung - wenn es um ihre eigene Familie geht. Vielleicht, so hofft Mazzocco, ist es hilfreich, wenn man "diese aufgeheizte und emotionale Angelegenheit durch die wissenschaftliche Linse betrachtet".
Nachgefragt
Und? Würden Sie bei der anfänglich gestellten Frage nun wieder genauso abstimmen oder lagen Sie bei Ihrer Geldforderung zu niedrig?
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(sueddeutsche.de)
Union debattiert über Familienpolitik
Also ich bin nicht sicher, ob sie vielleicht Ignoranz und Rassismus ausversehen in einen Topf geworfen haben. Wenn man von diesen Ergebnissen auf Rassismus schließt, wäre das kaum nachzuvollziehen. Aber Ignoranz ist ja sehr wohl ein Anzeichen für die in der Studie offensichtlichen Tendenz.
Entlang dieser Linie habe ich auch gedacht: die verhaetlnismaessig geringeren 'geforderten Kosten fuer das Wechseln zur anderen Hautfarbe' in der Umfrage koennte eben nicht nur, wie im Artikel gefolgert, aus Ignoranz gegenueber den Lebenskosten von Schwarzen sein (wobei das, trotz ungenauer Fragestellung der Umfrage, wohl auch der Fall ist), sondern eben, dass es vielen Amerikanern eher egal ist, ob sie schwarz oder weiss sind.
Muss mich marmotils Logik anschliessen: wenn jemand rassistisch veranlagt waere, wuerde er/sie sich doch den Hautfarbenwechsel viel mehr kosten lassen.
Rassismusfrei sind die USA natuerlich nicht, aber ich glaube, dass dort ueber weite Bevoelkerungsteile hinweg, in Alltagsberufen, Hautfarbe nicht mehr soviel ausmacht.
Ich würde einmal sagen, dass die Bereitschaft, für wenig Geld zur Minderheit zu wechseln, ganz anders zu interpretieren ist. Das bedeutet für mich, die Diskriminierung nimmt ab.
Folgt man der Logik im Artikel, sollte man mal in den Kreisen der Rechtsradikalen bei uns fragen, für wieviel Geld sie bereit wären, ihre überlegene Rasse einzutauschen. Und dann stellt man fest: Das würden sie nicht gern tun, denn offensichtlich sind sie viel aufgeklärter über die Nachteile, zur Minderheit zu gehören.
Ach schade, dass die weißen Amerikaner nicht so schlau sind wie unsere Neonazis.
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Neger ist ein rassistisches Schimpfwort für dunkelhäutige Menschen, das sollte auch der Letzte in Deutschland endlich kapiert haben!
Scheinbar war die Entnazifizierung bei manchen doch nicht so gründlich!
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