In den USA sterben die Bienen - binnen Tagen verschwinden gesunde Völker spurlos. Jetzt instrumentalisieren deutsche Interessengruppen den rätselhaften Massentod für ihre eigenen politischen Ziele.
In den USA sterben die Bienen - seit vergangenem Herbst ist mehr als ein Viertel der 2,4 Millionen Völker zu Grunde gegangen. Das rätselhafte Sterben lässt scheinbar gesunde Völker binnen weniger Tage spurlos verschwinden. Tote Bienen finden sich im Stock kaum, sie haben ihn zum Sterben verlassen. Wissenschaftler können das Phänomen nur beschreiben, aber noch nicht erklären. Diese Ungewissheit nutzen deutsche Interessengruppen nun offensiv für ihre Zwecke.
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In den USA sterben die Bienen - in Deutschland (noch) nicht. (© Foto: dpa)
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Für Gentechnik-Gegner in Deutschland - wo das Bienensterben bisher nicht aufgetreten ist - steht bereits fest: Der Gen-Mais ist schuld, werde er doch in den USA in großen Mengen angebaut. "Wir fordern daher in Deutschland einen sofortigen Anbaustopp für gentechnisch veränderten Mais", sagt Steffi Ober vom Naturschutzbund. Sogenannter Bt-Mais enthält Gene des Bakteriums Bacillus thuringiensis (Bt). Damit können die Pflanzen ein Gift bilden, das Fraßinsekten abwehrt, indem es ihren Darm durchlöchert.
"Das im Bt-Mais enthaltene Insektengift schadet den Bienen", sagt Manfred Hederer vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund. Und überhaupt: Die Gefährdung sei von der Universität Jena bereits im Jahr 2004 "wissenschaftlich nachgewiesen worden", ergänzt Ober.
Gentechnik vermutlich unschuldig
Doch das glaubt nicht einmal der Autor der Studie: "Es gibt keinen Beweis für eine toxische Wirkung von Bt-Mais für Bienen", sagt Hans-Hinrich Kaatz, der mittlerweile an der Universität Halle forscht. Die Studie von 2004 wurde noch nicht veröffentlicht, da weitere Kontrollexperimente geplant sind. Kaatz fütterte zehn Bienenvölker vier Wochen lang mit Pollen von Bt-Mais in zehnfach höherer Konzentration als sie üblicherweise in der Nahrung der Insekten vorkommt.
Alle Bienenvölker starben - allerdings nicht am Pollen, sondern an einem Darmparasiten, mit dem die Bienen zufällig infiziert waren. Auffallend war, dass die Bienen, die den Bt-Pollen erhielten, vier Tage früher starben als die Bienen einer Kontrollgruppe, die eine normale Kost erhielten - damit argumentieren die Gentechnik-Gegner nun. Als der Forscher den Versuch jedoch wiederholte und die Bienen mit Antibiotika behandelte, gab es keinen Unterschied mehr. "Bt-Mais schadet gesunden Bienen selbst unter Extrembedingungen nicht", sagt Kaatz.
Weitere Indizien sprechen dagegen, dass die Gentechnik für das Bienensterben in den USA verantwortlich ist. In den US-Bundesstaaten Illinois und Indiana, die zu den Hauptanbaugebieten von Bt-Mais gehören, ist das Bienensterben bisher nicht aufgetreten.
Hingegen kommt es auch in solchen Regionen vor, in denen Maisanbau keine große Rolle spielt. Um sicherzugehen, überprüfte Michelle Marvier von der Santa Clara University in Kalifornien 42 Feldversuche mit Bt-Mais. Auf Äckern mit Bt-Mais überleben sogar mehr Honigbienen und Schmetterlinge als auf Feldern, auf denen Insektizide eingesetzt werden (Science, Bd.316, S.1475, 2007).
"Bienen sind nicht der Zielorganismus des Bt-Toxins", sagt Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. "Jede Interessengruppe sucht sich eine Erklärung für das Bienensterben aus, die für sie gerade passt." Man wolle wohl die bevorstehende Novelle des Gentechnik-Gesetzes beeinflussen. Zudem haben Imker in Bayern und Brandenburg Klage gegen den Anbau der Bt-Maissorte MON810 der Firma Monsanto eingebracht. Das amerikanische Bienensterben mit Eigeninteressen in Deutschland zu vermischen, sei "falsch", so Rosenkranz.
Industrielle Nutzung schwächt
Zuvor hatten Mobilfunk-Gegner bereits Elektrosmog als Grund für das rätselhafte Bienensterben angegeben: Die elektromagnetische Strahlung von Handys würde den Orientierungssinn der Insekten stören und die Bienen den Stock daher nicht mehr finden. Bienenforscher schließen Elektrosmog jedoch als Grund für das als "Colony Collapse Disorder" (CCD) bezeichnete Massensterben aus. "CCD tritt auch dort auf, wo Mobilfunkdienste gar nicht verfügbar sind", heißt es aus der CCD-Arbeitsgruppe der Pennsylvania State University.
Akribisch geht die Gruppe jedem möglichen Auslöser nach. Schließlich ist die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier nach Rind und Schwein. Ein Drittel der Nahrung des Menschen basiert auf Pflanzen, die von Bienen bestäubt werden. Diana Cox-Foster, Insektenforscherin an der Pennsylvania State University, hat daher tote Bienen aus dem ganzen Land untersucht: "Wir waren schockiert über die hohe Anzahl an Krankheitserregern, die wir in den Bienen gefunden haben."
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Haben Sie mal im Impressum gelesen, *wer* die von Ihnen zitierte Seite www.transgen.de finanziert? Da finden Sie ganz oben in der Liste folgende Namen:
Bayer CropScience, BASF, Dow Agro Sciences, Monsanto Agrar, Du Pont / Pioneer Hi-Bred International, Syngenta Agro.
Muss man dazu noch was sagen?
Wie stark die Lobbyisten in westlichen Ländern sind, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen? Wer wirklich regiert, das sind nicht die Parteien oder gar wir, das Volk, das sind nur noch die multinationalen Konzerne !
Im übrigen bleibt es Ihnen natürlich unbenommen, genveränderte Nahrung zu sich zu nehmen, wenn Sie glauben, dass es für Sie von Vorteil ist. Das entscheiden Sie ganz alleine.
Nur: Die gleiche Entscheidungsfreiheit pro oder contra genveränderte Nahrung möchte ich für mich und meine Familie auch in Anspruch nehmen. Und genau da liegt der feine Unterschied: Genau diese Entscheidungsfreiheit lässt man uns nicht. Das Zeug kommt nämlich allmählich überall hinein, klammheimlich, ohne dass es auf der Verpackung steht.
Man kann noch so oft die angebliche Giftigkeit von Gen-Pflanzen aller Art als "in Studien erwiesen" bezeichnen, es gibt eben auch die aktuelleren anderen Studien, die genau diese "Giftigkeit" wissenschaftlich NICHT belegen.
Mich wundert, dass hier ständig dem SZ-Autoren "Meinungsmache" etc unterstellt wird, dabei wird nur einmal eine "andere" Sicht auf die Dinge dargeboten. Die Meinungsmachung liegt ja noch immer trotzdem bei jedem der Leser selbst.
Wer sich wirklich auf Fakten in seiner Meinungsfindung stützen will, sollte - statt sich durch noch so interessante Foren zu dieser Thematik zu kämpfen, die ältere Argumente ständig wiederkäuen - zu diesen Seiten sich aufmachen:
www.transgen.de
www.biosicherheit.de
und, lustig: mach kann beim Bio-Bauern kaufen UND grüne Gentechnik für eine sinnvolle Technologie halten!
Ein Kommentator hier, der anscheinend in USA zuhause ist(zumindest benutzt er eine US-Tastatur ohne Umlaute) schreibt:
"in einem Kommentar wird festgestellt, dass der Anbau von GEN Mais in USA grossflaechig betrieben wird. Woher das Maerchen kommt weis ich nicht, hat aber nichts mit wissenschaftlichen Anbaudaten zu tun."
Tatsache ist, dass genveränderte Pflanzen weltweit massiv auf dem Vormarsch sind, vor allem in USA und Argentinien, aber z.B. auch in Deutschland: Auf mehr als 2000 Hektar wächst in Brandenburg Genmais der Sorte Mon-810, das ist fast fünfmal so viel wie noch im Vorjahr (2006) und entspricht fast 60 Prozent der gesamten deutschen Genmais-Anbaufläche. Gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen weltweit bereits auf über 90 Millionen Hektar Fläche - das ist die dreifache Gesamtfläche ganz Deutschlands. In den USA stieg der Anbau von Gen-Soja seit der Einführung 1996 auf über 80%, ähnlich ist die Situation bei Baumwolle. Erstmals wurde in den USA im letzten Jahr auch mehr Gen-Mais als konventioneller Mais geerntet.
Je öfter man den SZ-Artikel von Martin Kotynek liest, umso empörter wird man. Man fragt sich, ist der Mann nur schlecht informiert oder handelt es sich um bewusste Meinungsmache - sprich: Manipulation.
Durch geschickt eingestreute Hinweise (Zitat: "... überprüfte Michelle Marvier von der Santa Clara University in Kalifornien 42 Feldversuche mit Bt-Mais. Auf äckern mit Bt-Mais überleben sogar mehr Honigbienen und Schmetterlinge als auf Feldern, auf denen Insektizide eingesetzt werden ...") soll die angebliche Harmlosigkeit der genveränderten Pflanzen bewiesen werden.
Dabei lässt Kotynek auf der anderen Seite ganz wesentliche, aktuelle Informationen zur Gefährlichkeit des Gen-Mais weg. Kotynek will uns z.B. vergessen lassen, dass im März 2007 eine Studie unabhängiger französischer Wissenschaftler das potentielle Gesundheitsrisiko von gentechnisch verändertem Mais, durch das vom Mais MON863 produzierte Insektengift hervorgerufen, bereits an Ratten nachgewiesen hat. Bei den Nagern führte die Fütterung mit Gen-Mais zu Schäden an Leber und Nieren.
Geradezu unverschämt ist aber, die berechtigten Bedenken der auch wirtschaftlich betroffenen Imker umzumünzen (Zitat "Man wolle wohl die bevorstehende Novelle des Gentechnik-Gesetzes beeinflussen.").
Kotynek will nicht begreifen, dass es gar nicht nur um Bienen, sondern um den Verbraucherschutz geht. Warum sollte der Gen-Mais nicht auch für den Menschen gefährlich sein?
Wieviel würde der Verbraucherr noch bezahlen, wenn hier wegen dem Anbau von Mon 810 in den meisten Honigen Pollen derselben Marke zu finden sind.
Auf zum nächsten Selbstversuch. Na ja, falls mal was schief geht, erwischt es wenigstens nur die Schwachen, wie bei den Bienen.
Beim Landwirt Glöckner sind alle Kühe verreckt.
Pech gehabt. Fortschritt hat seinen Preis.
Sollte der Genmais und später Genraps etwas bewirken, dann ist es vor allem der Rückgang der Imkerei. Und damit ein nicht vorstellbarer Schaden für Umwelt und Volkswirtschaft.
Ich freue mich schon auf die freien Sonntage, die ich sonst an den Bienen arbeitete.
Manfred Gerber
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