Power-Balance-Bänder Kauderwelsch aus Energie und Harmonie

Das klingt phantastisch, lässt sich aber leicht entzaubern. Mylar ist ein Markenname, unter dem Plastikfolie aus Polyethylenterephthalat (PET) verkauft wird. Mylar-Hologramm klingt aber besser als Polyethylenterephthalat-Hologramm, und so oder so handelt es sich nur um ein Bildchen auf einer Plastikfolie. Die Begriffe Frequenz und Energie gehören sowieso zum New-Age-Standard-Vokabular. "Mir ist kein einziges Esoterikprodukt bekannt, das nicht mit solchen pseudowissenschaftlichen Begriffen beworben wird", sagt Oberhummer.

Was mit schädlichen Frequenzen oder der Harmonisierung des natürlichen Energiefluss überhaupt gemeint ist, wird nicht erklärt. "Das soll nur geheimnisvoll klingen", sagt Oberhummer. Dahinter stecke sicher nicht mehr, als bei der mysteriösen Balance aus positiven und negativen Ionen, mit denen Andrew Park seine Q-Ray-Armreifen verhökerte.

Energie und Harmonie - dieses Kauderwelsch überzeugte zumindest Shaquille O'Neal. Der Superstar der amerikanischen Basketballliga NBA habe als erster bekannter Sportler ein Power-Balance-Band getragen, sagt Christian Huser, Inhaber der Vertriebsrechte für die Produkte in Deutschland. Für die Firma war das ein absoluter Glücksfall. Sie vermarktet die Bändchen seither vor allem als Produkt für Sportler und hat ihr Markenimage so aus der miefigen Esoterik-Ecke geholt. Zur Markenpflege ging Power Balance auch eine Kooperation mit dem Ovarian Cancer Research Fund ein, einer Organisation, die Geld für die Krebsforschung sammelt.

Der US-Fernsehsender CNBC kürte die Bändchen kürzlich zum Sportprodukt des Jahres 2010. "Die Bänder sind zum Modetrend geworden", sagt Huser. David Beckham trägt eins, und auch der Basketballer Kobe Bryant schwört darauf, sich von Power Balance die Frequenzen frisieren zu lassen. Cristiano Ronaldo, Arjen Robben, Demi Moore, Robert De Niro, Kate Middleton und zig andere Menschen, die man in Deutschland Promis nennt, tragen ebenfalls die magischen Armbänder. Das überzeugt viele Kunden - da ist es egal, dass Sportler nicht die besten Gewährsleute für Seriosität sind: Viele Profisportler haben einen ausgewiesenen Hang zum Aberglauben. Tennisspielerin Serena Williams tritt zum Beispiel gerne so lange mit dem gleichen Paar Socken an, bis ihre Siegesserie unterbrochen ist. Der Baseballer Jason Giambi erzählt, dass er gelegentlich einen Glücks-String-Tanga trage.

Formel-1-Fahrer Rubens Barrichello tritt als "Markenbotschafter" für Power Balance auf. Sein Bild hängt an den Verkaufsständen, die in vielen Kaufhäusern aufgebaut werden. Dort demonstrieren die Verkäufer mit einem Trick die vermeintliche Wirkung der Armbänder. Dabei handele es sich um einen "unsinnigen Muskeltest", der aus der ebenso unsinnigen angewandten Kinesiologie stamme, kritisiert Harriet Hall.

Dazu stellt sich der Proband auf ein Bein und streckt beide Arme aus. Dann drückt ihm der Verkäufer auf einen Arm, bis der Proband das Gleichgewicht verliert. Beim zweiten Versuch, bei dem die Kunden dann ein Power-Balance-Armband angelegt haben oder einen Hologramm-Aufkleber in der Hand tragen, können sie meist länger die Balance auf einem Bein halten.

Auf dem Video-Portal Youtube zeigen zahlreiche Filme die ungläubigen Reaktionen der Kunden. Andere Clips liefern die Erklärung für den Trick. Zum einen halten die Testpersonen beim zweiten Versuch allein deshalb länger das Gleichgewicht, weil sie wissen, was gleich passiert - ein simpler Trainingseffekt. Der australische Skeptiker Richard Saunders führt auf Youtube eine weitere Auflösung vor: Beim ersten Versuch drücken die Verkäufer den ausgestreckten Arm senkrecht nach unten. Beim zweiten Versuch geht der Druck hingegen diagonal Richtung Körper. Das verändert den Schwerpunkt, der Kunde fällt nicht um, spürt aber keinen Unterschied.

"Das ist Betrug", sagte John Porcari von der University of Wisconsin-La Crosse der Nachrichten-Agentur AP zu den Tests der Power-Balance-Armbänder, "der Effekt hat nichts mit den Armbändern zu tun. Das spielt sich alles im Kopf ab." Der Sportwissenschaftler unterzog 42 Athleten einem Test, der dem des Herstellers nachempfunden war. Das ganze wurde dann einmal mit Power-Balance-Armbändern ausgeführt und einmal mit irgendeinem Armband aus dem lokalen Supermarkt.

Das Ergebnis war offenbar immer gleich: Beim zweiten Mal blieben die Versuchspersonen länger stehen. Genauere Informationen über seine Studie, die er im Auftrag des American Council on Exercise (ACE) durchführte, will Porcari nicht geben. Denn als Resultat strenge das ACE derzeit ein Gerichtsverfahren gegen Power Balance an, teilt er per E-Mail mit.