Österreich will den Millionenbetrag an das Europäische Physiklabor Cern bei Genf nicht mehr zahlen. Die Wissenschaftler protestieren heftig.
Österreich plant nach 50 Jahren seine Mitgliedschaft im Europäischen Physiklabor Cern bei Genf zu beenden. Heftige Proteste von Wissenschaftlern und hektische Konsultationen mit dem Management des Labors sind nun die Folge.
Die Maschine der Superlative am Cern in Genf: der Teilchenbeschleuniger. (© Foto:)
Anzeige
Die Beteiligung an dem Forschungszentrum solle Ende 2010 auslaufen, hatte Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) Ende vergangener Woche verkündet. Der Jahresbeitrag Österreichs zu der weltgrößten zivilen Forschungsanlage betrage 20 Millionen Euro, was 70 Prozent der Mittel ausmache, die das Land für internationale Forschungsorganisationen ausgebe, erklärte Hahn. Für neue Kooperationen sei daher kaum Geld da. Nachdem Österreich im Sommer 2008 der europäischen Südsternwarte Eso beigetreten ist, sei der Ausstieg aus Cern "notwendig und sinnvoll", um Forschern "Perspektiven eröffnen zu können".
Anfang der Woche traf sich der Minister mit Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer. Beide Seiten kamen aber nur überein, weiter über die "legitimen Interessen" zu sprechen. Zum Beispiel muss das Problem gelöst werden, wo die laut Ministerium 13 österreichischen Wissenschaftler weiter beschäftigt werden können, die am Cern gastieren. In dem Labor werden mit großen Beschleunigern Elementarteilchen aufeinander geschossen. Die Kollisionssplitter enthalten Informationen über die Frühzeit des Universums.
Österreichische Physiker sind entsetzt von dem Austritt: "Cern ist ein Sinnbild dafür, dass Europa alle Länder überflügeln kann, wenn es zusammenhält", sagte Walther Thirring, der von 1968 bis 1971 das Labor leitete. "Heute ist ein schwarzer Tag für die österreichische Forschung", ergänzt Christian Fabjan von der Akademie der Wissenschaften.
Österreich werde zu einem Cern-Nutzer zweiter Klasse degradiert. Die Österreichische Physikalische Gesellschaft hat eine Online-Petition gestartet, um den Vorstoß des Ministers im Parlament zu stoppen; am Dienstagnachmittag waren bereits mehr als 7700 Unterschriften zusammengekommen. Auch Forscher aus dem Ausland, darunter Nobelpreisträger für Physik, appellierten an die österreichische Regierung. "Es wäre ein großer Verlust für Österreich und ein Schlag für Europa", sagte Frank Wilczek vom MIT.
Eine Führungsposition würde Österreich auf jeden Fall verlieren: Austria, die englische Bezeichung des Landes, steht in der Liste der Mitgliedsstaaten am Cern noch an erster Stelle.
- LHC Frühestens 2010 auf vollen Touren 28.01.2009
- Einweihung des LHC Oliven statt Protonen 21.10.2008
- Teilchenbeschleuniger LHC Maschine der Superlative 08.09.2008
- Teilchenbeschleuniger LHC Peinliche Sicherheitslücke 13.09.2008
- Teilchenbeschleuniger LHC Alles auf Anfang 10.09.2008
(SZ vom 13.05.2009/beu)
Machtkampf in der Linken
@Kabumm:
Ich finde es immer interessant wenn Leute, die ihr Leben lang die "Verschwendung" von Geldern in moderne Physik angeprangert haben, von Krankheiten wie Krebs betroffen werden und sich mit Methoden wie MRT und PET untersuchen lassen. Sie sind totglücklich, dass es Medikamente(Radionuklide) zur Behandlung gibt und vergessen dabei warum es diese überhaupt gibt.
So oder ähnlich tritt dieses Phänomen in unserer Gesellschaft immer häufiger auf, dass man vergisst wie viel Grundlagenforschung hinter Erfindungen(MP3-Player, Kernkraft, Handy, SAT-TV, Internet ....) steckt und bemängelt zu hohe Forschunsetats.
PS:Man will im LHC keinen Urknall erzeugen sondern nur die physikalischen Zustände nachstellen ,um über den Ablauf der Bildung von Teilchen zu erfahren.
Direkt nichts, aber auch die physikalischen und chemischen Gesetze, die den Bau eines Verbrennungsmotors oder der Glühbirne ermöglicht haben, mussten erst entdeckt werden. Mein Lieblingsbeispiel hierzu: Die Quantenmechanik wurde in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von Physikern ausgearbeitet und keiner hatte eine Ahnung, wozu das gut sein würde. 1960 wurde der erste Laser fertiggestellt.
Die Quintessenz des ganzen Textes ist: Es kann dauern, bis Grundlagenforschung praktische Anwendungen hervorbringt. Aber Forschung bedeutet auch, dass man die Antworten nicht vorher kennt.
und was hat ein künstlich erzeugter Urknall mit Autofahren und Lampen zu tun ?
@Krise2007: Von welchem "Geheimnis" sprichst du ?
Dass Nächstenliebe und wohlwollendes Teilen wie es in der Bibel steht beim Mensch noch nie funktioniert hat, liegt in dessen Natur.
Unsere Kinder wollen mit einem Auto fahren und warmes, beleuchtetes Zuhause in dem sie sich sicher fühlen. Unterlassen wir Heute die Forschung, werden sie Morgen in einer dunklen Höhle leben.
Denkt mal drüber nach, warum wir jeden Tag die Lampen einschalten können und über Telefon mit unseren Bekannten in Kontakt bleiben.
@Krise2007: Pfffff an ganz falscher Stelle sparen und mit den Kindern argumentieren ist Kleingeistig. Wo sollen den die "Kinder" Arbeiten wenn sie zu Physikern Informatiker und Ingenieuren ausgebildet sind wenns sowas wie Cern nicht gibt? Oder wollen sie die alle zu Halbkreisingenieuren machen? Und der Urknall ist da nur ein Thema. Gravitation, Hyperkommunikation und freie Energy für alle gibts nur mit Cern in der zukunft.
@karlmeier: Fur Zukunftstechnologien setz ich mich immer ein!
Paging