Ökobilanz Wie der Bus zum Klimafrevler wird

Flieger sind für die Umwelt schädlich, Züge und Busse dagegen löblich? Ganz so einfach ist die Rechnung nicht, wie zwei US-Umweltforscher zeigen.

Busse und Bahnen gelten als klimaschonende Verkehrsmittel, Flugzeuge und Autos als Klimakiller. Eine Studie der beiden Umweltforscher Mikhail Chester und Arpad Horvath von der University of California in Berkeley (Environmental Research Letters, 4/2009, online) legt aber nun am Beispiel der USA nahe, dass dies so pauschal nicht behauptet werden kann.

Chester und Horvath haben in aufwendigen Berechnungen nicht nur kalkuliert, wie viel Energie beim Transport von Menschen pro Kilometer und Person verbraucht wird. Sie haben dabei auch den Energieaufwand eingerechnet, der durch Errichtung und Unterhalt des jeweiligen Verkehrssystems entsteht - beispielsweise durch den Bau von Schienen und Bahnhöfen oder von Rollbahnen und Abfertigungsgebäuden. Des Weiteren wurde auch der Energieeinsatz ermittelt, der durch die Beschaffung der Rohstoffe entsteht, so zum Beispiel für den Stahl, aus dem Autokarosserien oder Waggons hergestellt werden oder für Beton.

Bei dieser Gesamtbetrachtung schneidet die Bahn schlechter ab als erwartet. Der Aufwand, das System zu errichten und zu betreiben, ist bei diesem Verkehrsmittel erheblich höher als der, die Züge in Bewegung zu bringen. Insgesamt steigt durch die integrierte Betrachtungsweise die Menge des Treibhausgases CO2, die auf das Konto der Bahn geht, um mehr als das Doppelte.

Eine große Rolle spielt dabei auch, wie ausgelastet die Verkehrsmittel sind. Wer mit einem fast leeren Nachtbus durch die Stadt fährt, schadet der Umwelt demnach mehr, als würde er einen als Benzinfresser verschrienen Geländewagen steuern. Andererseits kann man sich der Studie zufolge nicht klimaschonender chauffieren lassen als in einem vollbesetzten Bus.

Autos - berechnet wurden ein normaler PKW, ein Geländewagen und ein Pickup-Fahrzeug - haben durchweg eine ziemlich schlechte CO2-Bilanz. Der Pickup-Truck beispielsweise verbraucht pro Personenkilometer knapp fünf Megajoule Energie - nur der leere Bus (5,4) ist noch gefräßiger. Eine Boeing 747 dagegen konsumiert nur 1,8 Megajoule.

Da bei nahezu allen Verkehrsmitteln die meisten Emissionen beim Betrieb selbst entstünden, raten die Berkeley-Forscher dazu, technische Verbesserungen zu nutzen und strengere Abgaskontrollen einzuführen oder Strom aus erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind und Sonnenlicht zu gewinnen. Die überraschendste Erkenntnis haben die Forscher für die Betreiber des Bahnnetzes parat. Die Energiebilanz der Bahn wäre demnach deutlich besser, würde man auf den Einsatz von Beton für den Bau von Bahnhöfen verzichten.

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