Umstrittenes Megaprojekt Indien verknüpft seine Flüsse

Um die Wasserreserven des Landes gleichmäßiger zu verteilen, sollen in Indien 30 Kanäle 3000 Wasserspeicher entstehen. Dazu müssten einen halbe Million Menschen umziehen.

Von Robert Gast

Noch im Dezember will die indische Regierung die Umsetzung eines gigantischen Infrastruktur-Projekts vorantreiben. In den kommenden Jahren ist der Bau von 3000 Wasserspeichern und 30 Kanälen auf einer Länge von insgesamt 15 000 Kilometern geplant. So sollen 37 Flüsse auf dem Subkontinent miteinander verbunden werden.

Das gut 150 Milliarden Euro teure Vorhaben ist eine Reaktion darauf, dass es in einigen Regionen Indiens extrem viel regnet, während es in anderen oft extrem trocken ist. Der Westen und Norden des Landes kämpfen regelmäßig mit Überflutungen. Bundesstaaten im Osten und Süden des Subkontinents leiden hingegen immer wieder unter Dürre.

Seit mehr als zehn Jahren verfolgt Indien daher den Plan, die großen Flussbecken des Landes miteinander zu verbinden. Auch sollen vor allem im Himalaja Flüsse gestaut werden. So wollen Ingenieure überschüssiges Wasser speichern und bei Bedarf in trockene Landesteile leiten. 174 Billionen Liter sollen pro Jahr umgeleitet werden. Bauern könnten dann ihre Äcker auch in trockenen Zeiten bearbeiten, argumentiert die indische Behörde für Wasserentwicklung, die den Kanalbau vorantreibt. Daneben ist geplant, Wasserkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von 34 Gigawatt zu installieren.

Das Projekt stößt allerdings auf Widerstand in der Bevölkerung. Mehr als eine halbe Million Menschen müsste vermutlich umgesiedelt werden, schätzte Upali Amarasinghe vom International Water Management Institute 2008 in einer Studie.

Umweltschützer finden, das Projekt greife zu stark in die Natur ein. Zum Beispiel im Tigerreservat Panna. Im Rahmen des Kanal-Projekts ist nämlich geplant, den Fluss Ken zu stauen, und ihn über einen 230 Kilometer langen Kanal in den Betwa-Fluss zu leiten. Dadurch aber würden Teile des Nationalparks geflutet und 1600 Familien müssten weichen.

Zudem würden die 32 Tiger des Reservats von anderen Schutzgebieten abgeschnitten. Die indische Regierung ist dennoch entschlossen, das Projekt zu verwirklichen. Im September wurde bereits eine neue Wasserstraße zwischen den Flüssen Krishna und Godavari im Südwesten Indiens eingeweiht.