Sie sollen uns helfen, doch manchmal bringen Medikamente uns um. Gesundheitsministerin Schmidt will die Risiken zugelassener Arzneimittel nun eindämmen.
Regelmäßig werden durch Pillen erkrankte Menschen mit Blaulicht in die Notfallaufnahmen gebracht. Viele müssen auf Intensivstationen behandelt werden. Viele sterben. Der Grund: Auch rund 50 Jahre nach dem Contergan-Skandal ist die Sicherheit von Medikamenten in Deutschland mangelhaft - sagen Experten.
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Doch während ein ARD-Zweiteiler den größten Arzneimittelskandal der Bundesrepublik neu in den Fokus gerückt hat, erregt das Schicksal von jährlich zehntausenden Nebenwirkungs-Geschädigten kaum größere Aufmerksamkeit.
Seit wenigen Jahren untersuchen Spezialisten in Kliniken in Greifswald, Jena, Rostock und Weimar die neu eingelieferten Patienten auf Arzneimittel als Ursache der Krankheiten. Aufgrund dieser Erfahrungen schätzt die Wuppertaler Pharmakologin Petra Thürmann, dass rund fünf Prozent aller Aufnahmen in innere Abteilungen auf Nebenwirkungen zurückgehen.
"Mit jeder Pille kann man sich Nebenwirkungen einhandeln"
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bestätigt die Größenordnung. Das wären bis zu 300.000 Fälle im Jahr. Nach Einschätzung des Bremer Gesundheitsforschers Gerd Glaeske werden jährlich 16.000 bis 25.000 Todesfälle durch Neben- und Wechselwirkungen verursacht. Exakte Zahlen gibt es nicht.
"Mit jeder Pille, die man nimmt, kann man sich neue Nebenwirkungen einhandeln", sagt Thürmann. Nieren- oder Leberschäden seien dabei vergleichsweise selten. Bei zwei Drittel aller Fälle in den Kliniken handele es sich um Magenblutungen und -geschwüre im Zusammenhang mit Schmerzmitteln, zu starke Unterzuckerung durch Medikamente gegen Diabetes oder teils schwere Schäden durch Herz-Kreislauf-Mittel. Allein bei einer bestimmten Form der Herzschwäche bekämen 70 bis 80 Prozent der Patienten durch die Behandlung zusätzliche Probleme.
"Die Hälfte aller Fälle schwerer Nebenwirkungen könnte man verhindern", meint Glaeske. Die Zulassungsstudien der Pharmahersteller kritisiert der Forscher als "sehr selektiv". "Teilnehmer sollen möglichst nicht älter als 40 Jahre sein. Trotz Verbesserungen ist auch der Anteil der Frauen zu gering."
In den Fokus rückt auch eine bessere Erforschung von Nebenwirkungen nach der Marktzulassung. "Das darf nicht dem Zufall überlassen werden", sagt Peter T. Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.
Sawicki und Glaeske sind überzeugt: Hier gibt es heute zu wenig Daten. So wurden zum Beispiel der Blutfettsenker Lipobay oder das Rheumamittel Vioxx erst nach Bekanntwerden von Nebenwirkungen vom Markt genommen. Jüngster Fall: Das Bayer-Mittel Trasylol gegen Blutungen bei Herz- Operationen wurde erst Jahre nach der Zulassung gestoppt.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will die Risiken zugelassener Arzneimittel nun eindämmen und forderte die Koalitionsfraktionen auf, bei den laufenden Haushaltsverhandlungen dafür Steuermittel von bis zu 3,4 Millionen Euro freizumachen. Insgesamt gibt es bundesweit sechs kleinere, an Kliniken angesiedelte Einrichtungen, die die Sicherheit zugelassener Mitteln überwachen.
Einen Fall wie Contergan hält das Bundesinstitut für Arzneimittel wegen weit besserer Medikamenten-Überwachung heute für "wahrscheinlich ausgeschlossen". Aber bei 574 Millionen Verordnungen, 2734 neuen Arzneimittel und 27 neuen Wirkstoffe im vergangenen Jahr fällt Praxisärzten der Überblick oft schwer.
Bei den Älteren steigen die Risiken erheblich an, sagt Thürmann, viele bekommen weit mehr als eine einzige Tablette. "Es gibt kein Handwerkszeug für pragmatische Hausärzte, bestimmte Mittel wegzulassen." Medizinische Fachgesellschaften sollten Ärzte mehr Anleitung geben, wie sie mit Senioren umgehen sollen, die etwa hohe Cholesterinwerte, hohen Blutdruck und Alzheimer gleichzeitig haben.
(dpa/Basil Wegener/mcs)
Großprojekte in Berlin
Dies beweist nicht nur die Unwissenschaftlichkeit der Tierversuche, sondern auch, dass jedes neu in den Handel gebrachte Medikament ein völlig unkalkulierbares gesundheitliches Risiko - man nennt es im Pharma-Jargon verharmlosenderweise "Restrisiko" - für den Konsumenten darstellt. Daher wundert es nicht, dass in der BRD mehr Menschen an Arzneimittelnebenwirkungen sterben als im Straßenverkehr - nach zuverlässigen Schätzungen etwa 30.000 pro Jahr. Trotz der masslosen überproduktion von Arzneimitteln, von denen bereits 72.000 auf dem deutschen Markt existieren, sind wir insgesamt nicht gesünder, sondern nur medikamentenabhängiger geworden. 800.000 Medikamentensüchtige sprechen eine deutliche Sprache.
300.000 offiziell bestätigte Krankenhauseinlieferungen aufgrund wissenschaftlich geprüfter und zugelassener Pharmazeutika, 16.000 bis 25.000 Tote. In Deutschland. Und ein Herr Goldner durfte sich in wiet mehr als 20 Artikeln über die Gefahren alternativer Heilmethoden auslassen, auf dem Boden der These: Wenn es nicht wissenschaftlich geprüft ist, taugt es auch nichts.
Ob die "Alternativen" auch so eine hohe "Nebenwirkungszahl" aufweisen? Selbst wenn man die Fälle hinzunimmt, die bei der herkömmlichen Medizin besser aufgehoben gewesen wären?
Die größte Gefahr für die Gesundheit ist immer noch der Glaube, dass irgendein System - wissenschaftlich oder nicht - es besser wüsste.
kann man zum - sehr guten - Kommentar von W. Bartens keine Kommentare schreiben, deshalb hier.
Es ist ja nicht so, dass diese 'Pharma-Skandale' aus heiterem Himmel kommen, es gibt auch in Deutschland unabhängige Bewerter, wie z.B. das Arznei-Telegramm, die teilweise schon seit vielen Jahren gewarnt haben. Leider nur geht in D und der EU offensichtlich das Wohl der Pharma-Firmen vor und die Patienten müssen ihrem Namen gerecht werden und leiden. In manchen Ländern, wie zB USA und auch England sind die Behörden deutlich strenger und diverse Medikamente die sich auf dem deutschen Markt tummeln sind dort gar nicht zugelassen.
Gewinnstreben ist ja nicht per se verwerflich, aber man sollte dran denken, dass Pharme-Firmen - auch wenn sie es anders darstellen - nicht von Ethik gesteuert werden, sondern von Monetik. So geben sie z.B. deutlich mehr Geld für Pharma-Werbung aus als für Forschung und besonders im Internet findet man immer mehr die - eigentlich verbotene - Laienwerbung.
Jedes Jahr wird also die Bevölkerung einer Kleinstadt ausgerottet. Und wen kümmert's?
Dafür jagen die Politiker harmlose Bürger als vermeintliche Terroristen.