Auch der Mars besaß einst eine dichte Atmosphäre. Warum sie verschwunden ist, darüber streiten die Wissenschaftler.
Einst umgab den Mars eine dichte Atmosphäre, und bis vor etwa 3,5 Milliarden Jahren war es so warm, dass auf der Oberfläche flüssiges Wasser existierte.
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Eine Aufnahme der europäischen Raumsonde 'Mars Express' zeigt ein gigantisches Urstromtal auf dem Roten Planeten. (© Foto: dpa/Esa/DLF/FU Berlin)
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Heute ist von der einstigen Lufthülle nur noch ein kläglicher Rest übriggeblieben. Auf welche Weise sie verschwunden ist, beschäftigt die Planetenforscher seit langem.
Eine der favorisierten Theorien widerlegte jetzt ein Team um Stas Barabash vom schwedischen Institut für Weltraumphysik in Kiruna.
Demnach war die Atmosphäre, nachdem das Magnetfeld des Roten Planeten abgeklungen war, schutzlos dem Sonnenwind ausgesetzt.
Der riss elektrisch geladene Atome und Moleküle (Ionen) aus der Hochatmosphäre mit sich und erodierte auf diese Weise im Laufe der Jahrmilliarden fast die gesamte Atmosphäre.
Messungen der russischen Marssonde Phobos 2 im Jahre 1989 unterstützten diese Theorie, doch offenbar waren sie zu ungenau. Wie Barabash und Kollegen in Science (Bd. 315, S. 501, 2007) berichten, konnten sie mit einem Instrument an Bord der Europäischen Sonde Mars Express das Entweichen der Ionen über zwei Jahre hinweg messen.
Das Ergebnis: Der Sonnenwind fegt pro Jahr 570 Tonnen an Kohlendioxid und Sauerstoff aus der Atmosphäre. Rechnet man dies mit einem Modell auf einen Zeitraum von 3,5 Milliarden Jahre hoch und berücksichtigt dabei vor allem die Treibhausgase Kohlendioxid und Wasserdampf, so kann der Mars auf diese Weise allenfalls ein Tausendstel seiner Uratmosphäre verloren haben.
Die Forscher müssen daher nach anderen Möglichkeiten suchen. Denkbar wäre, dass Gase in bislang unbekannten Reservoirs im Boden gespeichert sind oder gewaltige Meteoriteneinschläge zum Verlust der Atmosphäre beigetragen haben.
(SZ vom 26.1.2007)
Gysi gegen Lafontaine
Gesichert ist, dass der Rote Nachbar im Laufe der Jahrmillionen deutlich größere "Taumelbewegungen" um seine Achse als die Erde durchführte. Eine alternative Theorie beschreibt das Einfrieren und Auftauen eines großen Teils der Atmosphäre als Folge dieses Torkelns durch die damit verbundenen mittleren Temperaturdifferenzen.
Diese Theorie steht und fällt allerdings mit den für ~2010 geplanten Missionen, bei denen ausgedehnte Gebiete zur Probenentnahme genutzte werden können.