Kupfer-Lagerstätte Der Schatz unter der Lausitz

Schon seit Jahrzehnten wissen Geologen von den rund zwei Millionen Tonnen Kupfer im Boden bei Cottbus. Nun soll das Metall aus Tausenden Stollen gefördert werden.

Von Axel Bojanowski

Die Schatzkarte existiert seit langem. Dennoch hat niemand versucht, die Kostbarkeit im Boden der Lausitz zu heben. Zu tief im Boden ist sie versteckt. Rund zwei Millionen Tonnen Kupfer haben Geologen vor Jahrzehnten in der Nähe von Cottbus in bis zu 1500 Meter Tiefe entdeckt.

Kupfer-Lagerstätte

Bislang wird in Deutschland kein Kupfer abgebaut.

(Foto: Foto: dpa)

Nun soll der Schatz gehoben werden. Drei Unternehmen haben sich beworben, das Lausitz-Kupfer zu heben. Die Firma Minera hat nun die Erlaubnis erhalten, die Lagerstätte nahe der Ortschaft Spremberg zu erkunden. Die beiden unterlegenen Bewerber können zwar bis 20. Mai gegen die Entscheidung klagen. Weil sie mit Widersprüchen aber bereits zweimal gescheitert sind, sind ihre Chancen jedoch gering.

Acht Millionen Tonnen Gestein sollen in der Lausitz pro Jahr gefördert werden. Daraus ließen sich 100.000 Tonnen Kupfer gewinnen, sagt Eike von der Linden, Geschäftsführer der Betreiberfirma Kupferschiefer Lausitz, ein Tochterunternehmen von Minera.

In Deutschland wird bislang kein Kupfer abgebaut. Durch die Lagerstätten in Spremberg könnte das Land aber zu einem der zwanzig wichtigsten Kupfer-Produzenten weltweit werden. Kupfer ist einer der begehrtesten Rohstoffe. Das Metall wird zum Beispiel für Autos, Handys oder elektrische Leitungen benötigt. Der Preis für Kupfer hat sich in den vergangenen fünf Jahren verfünffacht. Nun könnte es sich lohnen, selbst schwer zugängliche Reserven wie jene in der Lausitz auszubeuten.

Das Kupfererz erstreckt sich als schwarze, kontinentgroße Platte von Großbritannien bis nach Polen. Es liegt überall in unterschiedlicher Tiefe, weil tektonische Kräfte die Schicht gefaltet haben. Die Kupfer-Platte ist nur etwa einen Meter dick.

Dabei handelt es sich um urzeitlichen Meeresboden. In der Frühzeit der Erde bedeckte das Zechstein-Meer das heutige Deutschland. Auf seinem Grund sammelten sich die Kadaver von Algen. Sie verwesten nicht, weil es am Grund des Urmeeres keinen Sauerstoff gab. Mit der Zeit lagerten sich die Sedimente nachfolgender Erdzeitalter ab. Sie pressten den Algenschlamm zu Schiefergestein.

Jahrmillionen später brodelte ein unterirdischer Vulkan in Mitteleuropa und trieb das Kupfer in den Schiefer. Aus seiner Magmakammer quoll heißes Wasser empor, das Kupferteilchen aus dem Erdinneren enthielt. Die Schieferplatte trennte das Kupfer aus dem Wasser, denn Schiefer wirkt wie ein Kohlefilter - es bindet Metalle. Der Kupfergehalt im Schiefer-Gestein schwankt von Ort zu Ort, je nachdem wie metallhaltig das Vulkanwasser war.

Bohnen im Gestein

Im Erdmittelalter geriet Europa in die Zange mehrerer Erdplatten. Gebirge türmten sich auf, an manchen Orten wurde die Kupferschicht an die Oberfläche gedrückt. Andernorts hoben aufquellende Salzstöcke den urzeitlichen Meeresboden. Dort, wo das Kupfer nahe der Oberfläche liegt, wurde es spätestens im Mittelalter abgebaut, etwa in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Polen.

Anfang der 1950er Jahre entdeckten Geologen die Lagerstätte in der Lausitz. Seit 1954 erkundeten Wissenschaftler der DDR das Reservoir mit Bohrungen und Schallwellen. Die Daten lieferten eine geologische Schatzkarte. Das Kupfer-Vorkommen befindet sich demnach in 800 bis 1500 Meter Tiefe.

Die Bohrungen beförderten Proben des urzeitlichen Meeresbodens zutage. Aber erst unter dem Mikroskop entdeckten Mineralogen den begehrten Rohstoff im Schiefergestein. Bohnenförmige, rot-goldene Kupferkristalle. Ihr Anteil am Gestein beträgt zwar nur 1,5 Prozent, die große Ausdehnung der Schieferschicht macht das Reservoir dennoch attraktiv.

Entsprechend groß muss das unterirdische Bergwerk werden. Auf 15 Kilometer Länge und drei Kilometer Breite soll der Untergrund in rund 1000 Meter Tiefe ausgeschachtet werden. Tausende Stollen werden gegraben. Jeder einzelne Stollen werde aber nach der Bergung des Erzes sofort mit Beton verfüllt, so dass das darüberliegende Gestein nicht absacken könne, sagt Eike von der Linden. Etwa 700 Kumpel sollen in der Mine arbeiten. In zwei Schächten gelangen sie an ihren Arbeitsplatz. Übertage würden für den Betrieb weitere 300 Arbeiter benötigt.

Die Förderung könnte 2013 beginnen. Doch bevor man mit dem Abbau anfängt, muss der Untergrund genauer untersucht werden. Mit weiteren Bohrungen und Schallwellen sollen bis nächstes Jahr die besten Förderplätze erkundet werden. In den Bau des Bergwerks würden danach 700 Millionen Euro investiert, sagt von der Linden.

Die Betreiberfirma hofft, 20 Jahre lang Kupfer im Wert von wenigstens 300 Millionen Euro jährlich zu fördern. Das Erz aus der Lausitz soll in der Norddeutschen Affinerie in Hamburg verarbeitet werden. Aus dem schwarzen Geröll entstehen dort glänzende Metallplatten. Esstischgroße Kupferbleche, jedes schwerer als 100 Kilogramm, werden schließlich an die Industrie verkauft.