SZ: Gibt es einen konkreten Nutzen Ihrer Forschung für die Menschheit?
Martin Bojowalds Theorien zufolge könnten Galaxien wie der Andromeda-Nebel nur Zwischenprodukte eines pulsierenden Universums sein. In diesem Fall wäre auch der Urknall nicht der Anfang von allem. (© Foto: dpa)
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Bojowald: Direkte Versprechungen sollte man nicht machen. Aber all das, was in modernen CD-Spielern und GPS-Empfängern eine entscheidende Rolle spielt, gäbe es ohne die Quantentheorie und die Allgemeine Relativitätstheorie nicht. Dabei wurden diese Theorien zunächst nur erdacht, um die Welt besser zu verstehen. Nach mehreren Jahrzehnten haben sich dann technische Anwendungen ergeben. Man kann so etwas natürlich nie voraussehen oder planen, aber man kann auch nicht ausschließen, dass sich aus der Physik auch in Zukunft etwas Entscheidendes ergeben wird.
SZ: Manche Kritiker sagen, die moderne Physik entwickle sich zu einer Art Esoterik. Für Experimente braucht man gigantische Teilchenbeschleuniger oder Satelliten. Und die liefern dann oft Daten, die Theoretiker zwingen, von vorne anzufangen. Wie realitätsnah ist das noch?
Bojowald: Es gibt durchaus konkrete Bereiche in der Physik, etwa die Festkörperphysik, die sehr erfolgreich ist, und die Astrophysik, da ist noch alles überschaubar. Und auch in den anderen Teildisziplinen tut sich viel: Was wir in der Kosmologie aus Messungen über die Struktur des Universums gelernt haben, wäre vor zehn Jahren unvorstellbar gewesen. Aber natürlich ist die Arbeit in der Teilchenphysik und in manchen Bereichen der Kosmologie kompliziert. Da sind sehr große Gruppen von Experimentatoren beteiligt. Die Versuche können auch nicht unbedingt wiederholt werden, weil es manchmal nur eine genügend große Anlage gibt. Die Forschung dringt zu immer kleineren Längenskalen und größeren Energien vor und entfernt sich dabei von den Größenordnungen, die kleine Forschergruppen stemmen können. Das liegt in der Natur der Sache.
SZ: Ist das auch ein Grund dafür, dass die Physik ihren im 20. Jahrhundert erlangten Status als Leitwissenschaft heute an die Biologie verloren hat?
Bojowald: Das hat nicht so sehr mit den Möglichkeiten und Einstellungen der Physiker zu tun, sondern ist ein Resultat des Erfolgs der Biologen. Vor allem in der Biotechnik und der Molekularbiologie gab es viele neue Methoden. Damit konnte man neue Fragen detailliert beantworten, und plötzlich waren kommerziell interessante Anwendungen möglich. So kann es zur Dominanz kommen. Die Dinge ändern sich, die Interessenlagen ändern sich. Außerdem haben sich in der Biologie neue Berufsfelder in der Industrie eröffnet. Das führt natürlich zu einem größerer Bedarf an Studenten.
SZ: Was bedeutet es für ein Gebiet wie Ihres, dass nur noch wenige Spezialisten die Theorien überhaupt verstehen?
Bojowald: Es sind ja auch in einem kleinen Feld wie meinem immerhin noch rund 100 Leute, die die Details verstehen und überprüfen könnten. Das ist ein gute Zahl - da braucht man sich keine Sorgen zu machen.
SZ: Hat der Verstand der meisten Menschen deshalb Probleme mit der Relativitätstheorie oder Quantentheorie, weil sie erst in Größenordnungen ihre Kraft entfalten, die unserer Wahrnehmung unzugänglich sind?
Bojowald: Wenn ein Physiker ausgebildet wird, hat er ja zunächst einmal die gleichen Probleme. Die Sinne genügen nicht mehr, darum werden die Phänomene mathematisch erschlossen. Irgendwann gewöhnt man sich an die komplizierten und unanschaulichen Sachverhalte - so ähnlich wie man sich ja auch keine Gedanken mehr darüber macht, wie man sieht. Auf ähnliche Weise muss es auch für Nicht-Physiker geschehen. Je mehr Darstellungen von unterschiedlichen Blickwinkeln es gibt, die allgemein verständlich sind, umso mehr sollte sich auch die Allgemeinheit daran gewöhnen.
SZ: In Ihrem Buch sagen sie, Physiker könnten eigentlich erst dann behaupten, etwas verstanden zu haben, wenn sie es auch jemandem erklären können, der nicht Physik studiert hat. Können sie diesem Anspruch gerecht werden?
Bojowald: Ich habe es mit dem Buch versucht. Die meisten Wissenschaftler zögern, wenn es darum geht, die eigenen Resultate möglichst allgemein verständlich darzustellen. Je mehr Forscher das nicht nur den Presseabteilungen überlassen, sondern selbst diesen Weg gehen, desto besser. Unterschiedliche Perspektiven helfen immer.
SZ: Sie sind jetzt so weit, dass Sie über den Urknall hinaus rechnen können. Gibt es noch Grenzen der Erkenntnis?
Bojowald: Was war denn nun wirklich der Anfang des Universums? Das ist, denke ich, eine Frage, die man in der Kosmologie nicht wird beantworten können. Es war nicht der Urknall, aber dadurch verschieben wir den Anfang sozusagen zurück. Wann und wie er war, das ist derzeit nicht absehbar - vielleicht noch nicht einmal vorstellbar.
Von Bojowald ist soeben das Buch "Zurück vor den Urknall" erschienen. (Verlag S. Fischer, 343 Seiten, 19,95 Euro).
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(SZ vom 11.04.2009/beu)
Machtkampf in der Linken
Auf der Suche nach neuen Gebieten
Die Forschung hat den Menschen zu neuen Kontinenten und weit entfernten Planeten geführt. Nun versucht man mittels eines gigantischen Teilchenbeschleunigers den tiefsten Geheimnissen des Universums auf den Grund zu gehen. Die Jackpot Frage ist: Wird es gelingen oder das Ende der Wissenschaften, so wie wir sie kennen, bedeuten?
weiter unter ....http://www.kabbalahblog.de/?s=urknall
Celine Polo
"Vorhersagen die in absehbarer Zeit nicht ueberprueft werden koennen sind obsolet."
Nein. Obsolet sind Vorhersagen, die sich als unzutreffend herausgestellt haben. Vorhersagen, die in absehbarer Zeit nicht überprüft werden können, sind lediglich Vorhersagen, die nicht in absehbarer Zeit überprüft werden können. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
"Die Theorie sollte jedoch erst dann fuer weitere Untersuchungen benutzt werden, wenn sie experimentell bestaetigt ist."
Wieso denn? Vielleicht sind es ja gerade erst die weiteren Untersuchungen, die zu einer experimentellen Bestätigung führen. Ansonsten verweise ich auf das von EinBuerger ausführlich dargestellte.
"Falsch! "besser" = "zutreffend" Sie scheinen "besser" mit "aesthetischer" zu verwechseln."
Nicht falsch, denn "besser" heißt eben nicht "zutreffend". Besser heißt: "erklärt mehr als bisher" oder "bietet eine Lösung für ein bisher ungelöstes Problem".
"Wie sollte denn ein Sachverhalt von einer unzutreffenden Theorie besser beschrieben werden als von einer zutreffenden?"
Vollkommen richtig. Nur daß Sie soeben "noch nicht bestätigt" mit "unzutreffend" verwechselt haben.
"Die Theorie sollte jedoch erst dann fuer weitere Untersuchungen benutzt werden, wenn sie experimentell bestaetigt ist. "
Das spiegelt lediglich ihre persönliche Ansicht wieder.
""Ad acta gelegt kann eine Theorie erst dann werden, wenn sie widerlegt worden ist."
Eben nicht. Es ist genau anders herum. Erst wenn die Theorie sich als richtig erwiesen hat, dann darf man sie benutzen um damit zu arbeiten."
Sie zeigen mit dieser Aussage deutlich, dass Sie nicht den leisesten Hauch von Wissenschaftstheorie und wissenschaftlichem Arbeiten haben.
Die Mathematik ist die einzige Wissenschaft, in der ein Beweis angetreten werden kann.
In den Naturwissenschaften spricht man lediglich von bewährten Theorien. Und zwar so lange, bis sie falsifiziert wurden. Man kann auch sagen bis sie mit ihren Vorhersagen an der Wirklichkeit gescheitert sind. Ob das heute, morgen oder in 5000 Jahren geschieht ist wissenschaftlich betrachtet völlig irrelevant. Einen Beweis für naturwissenschaftliche Theorien gibt es streng wissenschaftlich nicht.
Ein gutes Beispiel dafür ist Newtons Gravitationstheorie, die man in ihren Grundaussagen zur Erklärung der Planetenbewegung noch immer als bewährt, aber in bestimmten Teilen als unvollständig betrachten kann. Erst durch die Vorhersage der gekrümmten Raumzeit durch Einstein konnte die Bewegung der Planeten exakt beschrieben werden. Und selbst diese ist unvollständig.
Ich empfehle Ihnen sehr sich einmal mit der Wissenschaftstheorie von Karl Popper zu beschäftigen.
de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper
Zitat daraus:
"Popper schlägt stattdessen vor, dass Theorien (abstrakt betrachtet) frei erfunden werden dürfen. Im Nachhinein werden dann Experimente angestellt, deren Ausgang als Basissätze konventionell festgelegt werden. (Popper selbst verwendet sogar das Wort willkürlich, um zu verdeutlichen, dass diese Basissätze selbst nicht rational zu rechtfertigen sind.) Durch diese Basissätze können dann die Theorien widerlegt (falsifiziert) werden, wenn die Folgerungen, die aus ihnen deduziert werden, sich im Experiment nicht bestätigen. In einem evolutionsartigen Selektionsprozess setzen sich so diejenigen Theorien durch, deren Widerlegung misslingt. [...] Durch dieses Aussieben falscher Theorien kommt man, so Popper, der Wahrheit immer näher, ohne jedoch jemals den Anspruch auf Sicherheit oder auch nur Wahrscheinlichkeit erheben zu können. [...]."
Ich habe das Gefuehl, wir koennten diese Diskussion noch tagelang fortsetzen! Darum mein vorerst letzter Beitrag.
Nach meinem Kenntnisstand und meines Kollegen gibt es bisher KEINE handfesten Vorhersagen. Und noch einmal ganz streng und engstirnig: Vorhersagen die in absehbarer Zeit nicht ueberprueft werden koennen sind obsolet.
Sie haben schon richtig erkannt, offensichtlich meinen wir mit "arbeiten/benutzen" etwas anderes. Natuerlich ist es absolut legetim mit jeder Theorie zu rechnen - um daraus Vorhersagen abzuleiten. Die Theorie sollte jedoch erst dann fuer weitere Untersuchungen benutzt werden, wenn sie experimentell bestaetigt ist. Andernfalls wuerde Ihnen sowieso niemand glauben und eventuell ist Ihre Theorie falsch und Sie haben sich die ganze Muehe umsonst gemacht! Niemand verbietet Ihnen es trotzdem zu tun, allerdings verschwenden Sie dabei vielleicht ihre Zeit und gefaehrden ihren Ruf wenn Sie es publizieren.
Bei Einstein war es auch nicht anders! Er hat aus seiner Theorie Vorhersagen abgeleitet - die dann uebrigens relativ rasch experimentell bestaetigt wurden.
"Insofern ist die Quantenschleifen-Gravitation "besser". Ob sie zutreffend ist, ist doch eine ganz andere Frage"
Falsch! "besser" = "zutreffend" Sie scheinen "besser" mit "aesthetischer" zu verwechseln. Wie sollte denn ein Sachverhalt von einer unzutreffenden Theorie besser beschrieben werden als von einer zutreffenden?
Die meisten Wissenschaftler zögern, wenn es darum geht, die eigenen Resultate möglichst allgemein verständlich darzustellen. Je mehr Forscher das nicht nur den Presseabteilungen überlassen, sondern selbst diesen Weg gehen, desto besser. Unterschiedliche Perspektiven helfen immer.
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Das gilt auch in anderen Bereichen des Lebens....
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