Der Physiker Martin Bojowald hat in die Zeit vor dem Urknall geblickt - mit Hilfe der Mathematik.
Der Deutsche Martin Bojowald gilt trotz seines Alters von nur 36 Jahren als einer der wichtigsten Theoretischen Physiker. Mit seiner Theorie der Quantenschleifen-Gravitation versucht er die Quantenmechanik mit der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein zu verknüpfen. Bojowald hat als Erster mit mathematischen Methoden die Anfangsphase des heutigen Universums durchleuchtet und gezeigt, dass es schon vor dem Urknall ein Universum gegeben haben muss. Bojowald arbeitet an der Pennsylvania State University.
Martin Bojowald forscht an der Pennsylvania State University in den USA. (© Foto: Silke Weinsheimer)
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SZ: Sie haben in die Zeit vor dem Urknall geblickt. Was haben Sie gesehen?
Bojowald: Wir können jetzt zum ersten Mal mathematische Gleichungen befragen, um zu erfahren, was vor dem Urknall gewesen sein könnte. Wir sehen zumindest, dass es auch vorher ein Universum gab und dass es schrumpfte. Es zog sich auf engsten Raum zusammen, kam dann in eine heiße und dichte Phase, bis die Raumzeit wieder anfing zu wachsen. Das Entscheidende ist, dass man überhaupt Gleichungen benutzen kann, um etwas vor dem Urknall auszurechnen. In der Allgemeinen Relativitätstheorie funktionierte das bislang überhaupt nicht. Wenn wir dort rückwärts durch die Zeit blickten, schrumpfte das Universum am Zeitpunkt Null zu einem einzelnen Punkt. Mathematisch gesprochen nennt man das eine Singularität. Hier brachen die Gleichungen zusammen, und die Physik ergab keinen Sinn mehr.
SZ: Es gab also gar keinen Urknall?
Bojowald: Der Urknall war zumindest nicht der Anfang des Universums, es existierte davor schon etwas. Im Übergang vom "Davor" zum "Jetzt" gab es eine Phase, in der die Materie stark konzentriert war. Die Eigenschaften dieser Phase kann man noch am Aufbau des Universums, an der Hintergrundstrahlung, den Sternen und Galaxien ablesen. Das Universum war aber nie in einem Punkt mit - physikalisch sinnloser - unendlich hoher Dichte konzentriert, wie die konventionelle Vorstellung vom Urknall besagt.
SZ: Das heißt, wer vom Urknall spricht, hat eine mathematische Fiktion als physikalische Realität fehlgedeutet?
Bojowald: Wenn man den Urknall als den Anfang des Universums ansieht, dann ist es eine Fehldeutung.
SZ: Was setzen Sie an die Stelle des schönen Bildes vom Urknall?
Bojowald: Die Theorie der Quantenschleifen-Gravitation, die wir schon seit einiger Zeit entwickeln, versucht die Allgemeine Relativitätstheorie mit Eigenschaften der Quantentheorie zu kombinieren. Dabei ist die Raumzeit nicht mehr eine gleichmäßige, lückenlose Folie, sondern sie ist quantisiert, sie hat auf sehr kleinen Längenskalen eine gestückelte Struktur. Raum und Zeit bestehen also aus winzigen Bausteinen, sozusagen aus Raumzeit-Atomen. Deren Größe ist weit geringer als alles, was mit modernen Teilchenbeschleunigern untersucht werden kann. Diese Gitterstruktur spielte in der Phase eine entscheidende Rolle, als das gesamte Universum selbst extrem klein und dicht war, wie es während des Urknalls gewesen sein muss. Die Gitterstruktur bewirkt, dass die Raumzeit nicht beliebig schrumpfen kann. Wenn es eng wird, wirkt die Gravitation nicht mehr nur anziehend, sondern kann auch abstoßend wirken. So können wir die mathematische Schwierigkeit eines unendlich dichten Universums vermeiden.
SZ: Inwieweit kann man Ihre mathematische Lösung als physikalische Realität betrachten?
Bojowald: Das neue Bild aus der Quantenschleifen-Gravitation ist auf jeden Fall besser als die Singularität des Urknalls, weil alle Größen, die man ausrechnen kann, endlich sind und physikalisch sinnvoll. Trotzdem ist Ihre Frage berechtigt. Es ist alles nur Mathematik, und wir versuchen das zu interpretieren und auf das Universum anzuwenden. Ob das wirkliche Universum und die Natur dem entsprechen, ist eine andere Frage. Theorien können immer falsch sein.
SZ: Wie könnte man Ihre Theorie experimentell beweisen?
Bojowald: Wir möchten in Aufnahmen vom frühen Universum indirekte Hinweise auf die Quantelung der Raumzeit suchen. Wir versuchen darum schon seit einiger Zeit auszurechnen, was sich in den Satelliten-Bildern zeigen müsste, wenn es dieses feine Raster im Universum gibt. Im Alltag würden wir davon wenig merken, es hat ja auch sehr lange gedauert, bis Physiker nachgewiesen haben, dass die Materie aus Atomen besteht.
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Konsequenz der Loveparade-Katastrophe
Auf der Suche nach neuen Gebieten
Die Forschung hat den Menschen zu neuen Kontinenten und weit entfernten Planeten geführt. Nun versucht man mittels eines gigantischen Teilchenbeschleunigers den tiefsten Geheimnissen des Universums auf den Grund zu gehen. Die Jackpot Frage ist: Wird es gelingen oder das Ende der Wissenschaften, so wie wir sie kennen, bedeuten?
weiter unter ....http://www.kabbalahblog.de/?s=urknall
Celine Polo
"Vorhersagen die in absehbarer Zeit nicht ueberprueft werden koennen sind obsolet."
Nein. Obsolet sind Vorhersagen, die sich als unzutreffend herausgestellt haben. Vorhersagen, die in absehbarer Zeit nicht überprüft werden können, sind lediglich Vorhersagen, die nicht in absehbarer Zeit überprüft werden können. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
"Die Theorie sollte jedoch erst dann fuer weitere Untersuchungen benutzt werden, wenn sie experimentell bestaetigt ist."
Wieso denn? Vielleicht sind es ja gerade erst die weiteren Untersuchungen, die zu einer experimentellen Bestätigung führen. Ansonsten verweise ich auf das von EinBuerger ausführlich dargestellte.
"Falsch! "besser" = "zutreffend" Sie scheinen "besser" mit "aesthetischer" zu verwechseln."
Nicht falsch, denn "besser" heißt eben nicht "zutreffend". Besser heißt: "erklärt mehr als bisher" oder "bietet eine Lösung für ein bisher ungelöstes Problem".
"Wie sollte denn ein Sachverhalt von einer unzutreffenden Theorie besser beschrieben werden als von einer zutreffenden?"
Vollkommen richtig. Nur daß Sie soeben "noch nicht bestätigt" mit "unzutreffend" verwechselt haben.
"Die Theorie sollte jedoch erst dann fuer weitere Untersuchungen benutzt werden, wenn sie experimentell bestaetigt ist. "
Das spiegelt lediglich ihre persönliche Ansicht wieder.
""Ad acta gelegt kann eine Theorie erst dann werden, wenn sie widerlegt worden ist."
Eben nicht. Es ist genau anders herum. Erst wenn die Theorie sich als richtig erwiesen hat, dann darf man sie benutzen um damit zu arbeiten."
Sie zeigen mit dieser Aussage deutlich, dass Sie nicht den leisesten Hauch von Wissenschaftstheorie und wissenschaftlichem Arbeiten haben.
Die Mathematik ist die einzige Wissenschaft, in der ein Beweis angetreten werden kann.
In den Naturwissenschaften spricht man lediglich von bewährten Theorien. Und zwar so lange, bis sie falsifiziert wurden. Man kann auch sagen bis sie mit ihren Vorhersagen an der Wirklichkeit gescheitert sind. Ob das heute, morgen oder in 5000 Jahren geschieht ist wissenschaftlich betrachtet völlig irrelevant. Einen Beweis für naturwissenschaftliche Theorien gibt es streng wissenschaftlich nicht.
Ein gutes Beispiel dafür ist Newtons Gravitationstheorie, die man in ihren Grundaussagen zur Erklärung der Planetenbewegung noch immer als bewährt, aber in bestimmten Teilen als unvollständig betrachten kann. Erst durch die Vorhersage der gekrümmten Raumzeit durch Einstein konnte die Bewegung der Planeten exakt beschrieben werden. Und selbst diese ist unvollständig.
Ich empfehle Ihnen sehr sich einmal mit der Wissenschaftstheorie von Karl Popper zu beschäftigen.
de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper
Zitat daraus:
"Popper schlägt stattdessen vor, dass Theorien (abstrakt betrachtet) frei erfunden werden dürfen. Im Nachhinein werden dann Experimente angestellt, deren Ausgang als Basissätze konventionell festgelegt werden. (Popper selbst verwendet sogar das Wort willkürlich, um zu verdeutlichen, dass diese Basissätze selbst nicht rational zu rechtfertigen sind.) Durch diese Basissätze können dann die Theorien widerlegt (falsifiziert) werden, wenn die Folgerungen, die aus ihnen deduziert werden, sich im Experiment nicht bestätigen. In einem evolutionsartigen Selektionsprozess setzen sich so diejenigen Theorien durch, deren Widerlegung misslingt. [...] Durch dieses Aussieben falscher Theorien kommt man, so Popper, der Wahrheit immer näher, ohne jedoch jemals den Anspruch auf Sicherheit oder auch nur Wahrscheinlichkeit erheben zu können. [...]."
Ich habe das Gefuehl, wir koennten diese Diskussion noch tagelang fortsetzen! Darum mein vorerst letzter Beitrag.
Nach meinem Kenntnisstand und meines Kollegen gibt es bisher KEINE handfesten Vorhersagen. Und noch einmal ganz streng und engstirnig: Vorhersagen die in absehbarer Zeit nicht ueberprueft werden koennen sind obsolet.
Sie haben schon richtig erkannt, offensichtlich meinen wir mit "arbeiten/benutzen" etwas anderes. Natuerlich ist es absolut legetim mit jeder Theorie zu rechnen - um daraus Vorhersagen abzuleiten. Die Theorie sollte jedoch erst dann fuer weitere Untersuchungen benutzt werden, wenn sie experimentell bestaetigt ist. Andernfalls wuerde Ihnen sowieso niemand glauben und eventuell ist Ihre Theorie falsch und Sie haben sich die ganze Muehe umsonst gemacht! Niemand verbietet Ihnen es trotzdem zu tun, allerdings verschwenden Sie dabei vielleicht ihre Zeit und gefaehrden ihren Ruf wenn Sie es publizieren.
Bei Einstein war es auch nicht anders! Er hat aus seiner Theorie Vorhersagen abgeleitet - die dann uebrigens relativ rasch experimentell bestaetigt wurden.
"Insofern ist die Quantenschleifen-Gravitation "besser". Ob sie zutreffend ist, ist doch eine ganz andere Frage"
Falsch! "besser" = "zutreffend" Sie scheinen "besser" mit "aesthetischer" zu verwechseln. Wie sollte denn ein Sachverhalt von einer unzutreffenden Theorie besser beschrieben werden als von einer zutreffenden?
Die meisten Wissenschaftler zögern, wenn es darum geht, die eigenen Resultate möglichst allgemein verständlich darzustellen. Je mehr Forscher das nicht nur den Presseabteilungen überlassen, sondern selbst diesen Weg gehen, desto besser. Unterschiedliche Perspektiven helfen immer.
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Das gilt auch in anderen Bereichen des Lebens....
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