Von Christopher Schrader

Forscher belegen mit drastischen Zahlen, wie genau sie den globalen Wandel vorhersagen können.

Dies war der Tag der klaren Worte. "Es ist keine Frage, dass die Zunahme des Treibhausgases auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist", sagte Susan Solomon vom Weltklimarat IPCC am Freitag in Paris.

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Voraussichtlicher Temperaturanstieg der Erdoberfläche. (© Grafik: SZ)

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"Die Debatte muss ab heute zu Ende sein, und die Politik muss mit dem Handeln beginnen", forderte der Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner.

Die Voraussetzungen dafür sind zumindest gut, denn die 21-seitige "Zusammenfassung für Politiker" des neuen IPCC-Berichts genieße "die Akzeptanz aller Regierungen der Welt", sagte IPCC-Präsident Rajendra Pachauri.

Mit "sehr hoher Sicherheit", so der jetzt veröffentlichte Text, habe die Menschheit durch ihre Emissionen und die Veränderungen bei der Landnutzung die Erde erwärmt. Das wisse man heute genauer als beim bisher letzten Report 2001. Die bereits eingetretene Erwärmung sei beispiellos, und das sei "sehr wahrscheinlich" auf die Freisetzung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid oder Methan zurückzuführen. Als Folge sei es "praktisch sicher", dass die meisten Länder im 21. Jahrhundert mehr heiße Tage und Nächte erleben werden und weniger Frostperioden. All das hatte der Bericht 2001 weniger scharf formuliert.

Mit höherer Sicherheit als zuvor könne die Wissenschaft zudem vorhersagen, so Susan Solomon, dass Länder in subtropischen Regionen weniger Niederschläge bekommen werden, die in hohen nördlichen Breiten mehr. Eine Zunahme von Hitzewellen und schweren Regenfällen sei "sehr wahrscheinlich", heißt es im Report, die Ausweitung von Dürreregionen und die Verstärkung von tropischen Stürmen wie Hurrikanen immerhin "wahrscheinlich". Diese Abstufungen beruhen auf einer einheitlichen Sprachregelung, die das IPCC seinen Autoren auferlegt hat.

"Es gibt kaum noch Zweifel am menschengemachten Klimawandel"

"Sehr wahrscheinlich" dürfen sie nur schreiben, wenn die berechnete Wahrscheinlichkeit über 90 Prozent liegt. Deutsche Klimaforscher bekräftigten angesichts dieser Zahlen die zentrale Botschaft des IPCC-Reports. "Der Bericht stellt ganz klar fest, dass der Mensch überwiegend an der globalen Erwärmung Schuld hat. Natürliche Faktoren spielen eine völlig untergeordnete Rolle", sagte Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Martin Claußen, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, ergänzte: "Es gibt kaum noch Zweifel am menschengemachten Klimawandel." Dies mache der Bericht "so deutlich wie nie zuvor".

Seit Montag hatten Forscher und Regierungsvertreter in der französischen Hauptstadt gerungen, um der Zusammenfassung den letzten Schliff zu geben. Dabei hatten manche Beobachter befürchtet, Politiker könnten den Text verwässern, hier ein "womöglich" einfügen, dort die Formulierung einer Wahrscheinlichkeit verändern. Doch das ist überwiegend nicht geschehen. Wer den nun veröffentlichten Text mit den beiden letzten internen Entwürfen vergleicht, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, findet eher eine Zuspitzung der Botschaft. Einschränkungen sind verschwunden, bekräftigende Sätze eingefügt, und die erwarteten Werte für die globale Erwärmung noch einmal angestiegen.

Das IPCC sieht nun eine Temperaturzunahme bis zum Jahr 2100 um 1,1 bis 6,4 Grad Celsius voraus, verglichen mit dem Durchschnittswert der Jahre 1980 bis 1999. Im letzten Entwurf des neuen Berichts standen noch Zahlen, die 0,1 Grad niedriger waren (SZ, 1.2.). Die breite Spanne erklärt sich aus zwei Faktoren.

Zum einen hat der Weltklimarat sechs verschiedenen Szenarien zugrundegelegt, wie sich die Welt in der Zukunft entwickeln könnte. Sie beginnen beim Szenario B1, sozusagen der heilen, der vernünftigen Welt, die sich auf Maßnahmen gegen den Klimawandel einigt und Energiespartechnik nutzt. Am anderen Ende des Spektrums steht das Szenario A1Fl, bei dem mit der Wirtschaft auch der Verbrauch von fossilen Brennstoffen wie Erdöl oder Kohle wächst, die große Mengen Treibhausgase freisetzen.

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