Auf der indonesischen Insel Bali hat die Internationale Klima-Konferenz begonnen, die den Weg für ein neues Klimaabkommen bereiten soll. Ein Erfolg ist nicht sicher.
Nusa Dua wird eine andere Welt sein, zwei Wochen lang. Zwei Wochen lang werden von diesem Montag an die Klimapolitiker das Retortendorf im Süden Balis bevölkern, 10.000 in Spitzenzeiten.
Nicht das Klima schützt dieser Sicherheitsbeamte, sondern die Teilnehmer der Klimakonferenz in Bali. (© Foto: AFP)
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Wo sich sonst Touristen vergnügen, werden sich Klimadiplomaten in ihren seltsamen Vokabeln und Abkürzungen austauschen; in schwüler Luft werden sie um Worte feilschen, deren Bedeutung nur sie selbst verstehen. Und vor allem: Sie werden entscheiden über die Zukunft des internationalen Klimaschutzes.
Der Erfolg wird am Ende aus wenigen Worten bestehen, vielleicht nur aus einem Satz. Darin würden sich die Staaten verabreden, Verhandlungen für ein neues Klimaabkommen aufzunehmen, womöglich mit einer Frist bis 2009, im Idealfall sogar schon mit Vorgaben, wie das neue Abkommen aussehen soll. Wenn Bali nicht scheitert.
Es wird eine schwierige Aufgabe für Rachmat Witolear. Der 66-jährige Architekt, als Umweltminister Indonesiens Gastgeber der Konferenz, wird die Verhandlungen leiten. Er muss Formulierungen finden, die möglichst hohe Ziele vorgeben.
Gleichzeitig dürfen sie nicht so hoch sein, dass Schlüsselstaaten wie die USA, China oder Indien nicht mitmachen. Von Witolears Geschick wird abhängen, welchen Weg der Klimaschutz nimmt - und ob er besser wird als mit dem bisherigen Kyoto-Abkommen.
Zehn Jahre ist es her, dass die Umweltminister in Kyoto ein globales Abkommen verabredeten. Die Industriestaaten verpflichteten sich, ihre Emissionen im Schnitt um 5,2 Prozent zu senken, die EU versprach acht Prozent - einzulösen bis 2012. Dann läuft das Kyoto-Protokoll aus.
Kyoto war das erste Mal, dass sich die Welt feste Ziele für den Klimaschutz verordnete. Doch das Abkommen hatte Makel. Schon seinerzeit war klar, dass fünf Prozent minus in Industriestaaten das Klima kaum retten. Erst recht nicht, wenn Länder wie China grenzenlos boomen. Zum anderen kehrte der größte CO2 -Verschmutzer, die USA, dem Abkommen den Rücken, Australien folgte.
Ehrgeizige Ziele
Das soll sich nicht wiederholen. Pünktlich zum 1. Januar 2013 soll ein neues Abkommen in Kraft treten, es soll weit ehrgeizigere Ziele enthalten, es soll die USA ebenso einbinden wie die großen Schwellenländer. Selten stand eine Klimakonferenz unter solchem Erfolgsdruck, selten war der Druck der Öffentlichkeit, die Last der Erkenntnis so groß wie diesmal.
Denn seit die Klimakonferenz in Nairobi vor einem Jahr nahezu ohne Ergebnis auseinanderging, hat sich viel getan. Eine Serie von Berichten des internationalen Wissenschaftler-Gremiums IPCC hat alle Klimasorgen bestätigt.
Die EU hat sich verpflichtet, bis 2020 ein Fünftel weniger zu emittieren als noch 1990 - und zwar bedingungslos. Auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm haben sogar die USA zugestimmt, innerhalb der Vereinten Nationen ein neues Abkommen auszuhandeln.
Und bei einer Sonderkonferenz der UN im September in New York unterstrichen mehr als 70 Staats- und Regierungschefs, dass sie in Bali einen Erfolg sehen möchten. "Dieses Treffen hat uns in eine neue Ära getragen", jubelte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach der Zusammenkunft. "Die Nationen sind bereit, Bali zu einem Erfolg zu machen."
Nur definiert auf Bali jeder den Erfolg anders. Die USA wollen zwar neuerdings auch ein Klimaabkommen, aber ohne fixe Minderungsziele für Treibhausgase. Lieber würden sie das Klima auf ihre Weise schützen, mit Vorgaben für einzelne Bereiche, für Öko-Energien, für Energieeffizienz. Wirkung: leider ungewiss. Große Schwellenländer wie China und Indien bekennen sich zunehmend zu ihrer Mitverantwortung für den Klimaschutz, wollen aber erst einmal ernsthafte Schritte der Industrieländer sehen.
Nur: Ganz ohne ihre Beteiligung wird es kein neues Abkommen geben. Einzig die Europäer preschen derzeit vor. Sie wollen feste Minderungsziele, weil sie auf weiche nicht vertrauen - und weil andernfalls ihr wirkungsvollstes Instrument, der Handel mit 2-Emissionsrechten, zusammenbräche. Die Lage ist diffus: Die Europäer definieren das Ziel, die Amerikaner den Weg. Und Chinesen und Inder wissen vor allem, was sie nicht wollen. Nur eins ist sicher: Die Sache drängt.
Hoffnungslos ist das Unterfangen am Indischen Ozean trotzdem nicht, dafür sorgt der Klimawandel schon selbst. Nie zuvor mussten sich die Staaten so sehr damit beschäftigen, wie sie mit seinen Folgen und Kosten zurecht kommen. Dazu dürfte auch Gastgeber Witolear einiges zu sagen haben. Auf 24 Eilande seines paradiesischen Inselreiches musste Indonesien schon verzichten. Sie sind weggeschwemmt.
(SZ vom 3.12.2007/mcs)
Demonstrationen in Hamburg
...ich dachte die Diskussion, ob es den Klimawandel gibt und ob dieser durch CO2 Emissionen verursacht wird, sei endgültig beendet.
Daher bin ich vom Kommentar des Herrn H. Thieme sehr irritiert.
Sogar die USA, die ewigen Leugner des vom Menschen verursachten Klimawandels, haben haben immerhin eingestanden das die CO2 Emissionen ursächlich für den Klimawandel sind, auch wenn sie noch nicht bereit sind viel dagegen zu tun.
Aber vielleicht wissen sie ja mehr als die führenden Klimaforscher??
Die Last der Erkenntnis ist leider nicht so, wie der Link in dem obigen Artikel es weismachen möchte. Wir wissen nichts über die Ursachen der in den Jahren 1976 bis 1998 festgestellten Erwärmung, wissen nichts, weshalb es seither nicht weiter wärmer geworden ist, wissen nichts, weshalb es in der Periode 1940 bis 1975 zu einer deutlichen Abkühlung kam, so dass schließlich 1976 der aktuelle Beginn einer neuen Eiszeit Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis war.
Plausibel erscheinen als mögliche Beeinflussungsfaktoren der klimatischen Verhältnisse auf unserer Erde die veränderte Bodennutzung, 6 Mrd. Menschen benötigen zur Ernährung mehr landwirtschaftliche Flächen als 4 Mrd., Folgen der veränderten Landnutzung durch biologisch verursachte Aerosole, die Beeinflussung des Wasserhaushaltes (Stauseen, künstliche Bewässerung) und urbane Veränderungen, die Siedlungsgebiete haben sich entsprechend des Bevölkerungszuwachses ausgeweitet. Keinerlei Plausibilität gibt es hingegen für die von der beim IPCC zu Wort kommenden Gruppe der CO2-Gläubigen verkündeten Idee, dass der Anstieg des CO2-Gehaltes der Luft ursächlich für die Erwärmung (letztlich nur im Zeitraum 1976 bis 1998) sei.
Hauptinteresse der CO2-Gäubigen dürfte wohl etwas sein, was im "Eulenspiegel" 12/07 (allerdings in völlig anderem Zusammenhang) zu finden ist: "Während Naturwissenschaftler mit ihren Forschungsgeldern Untersuchungen darüber anstellen, wie sie mehr Forschungsgelder bekommen können..."
Insofern wäre ein Scheitern der Bali-Konferenz ein Segen für die Weiterentwicklung der Menschheit, man müsste sich dann wieder auf die tatsächlichen Probleme konzentrieren.