Interview mit Aubrey de Grey "Altern ist auf jeden Fall ungesund"

Der Londoner Forscher will die Menschheit schon in 30 Jahren vor dem Altern bewahren. Das Problem: Es fehlt noch das Geld. Und die Ewigjungen müssten kinderlos bleiben.

Von Alexander Stirn

Cambridge, Bahnhofsnähe, ein Pub namens "Salisbury Arms". Aubrey de Grey fährt mit einem alten Rennrad vor. Auch an diesem warmen Tag trägt er eine selbst gestrickte Kappe, einen geflickten Pullover, Turnschuhe. Er bestellt erst einmal ein Bier. Soweit der Auftritt. Andererseits: Wenn dieser Mann zu Konferenzen ruft, kommen die wichtigsten Altersforscher nach Cambridge.

Süddeutsche Zeitung: Mister de Grey, Sie sind jetzt 43, die ersten Haare werden grau, die Falten tiefer. Wie viele Jahre haben Sie noch vor sich?

Aubrey de Grey: Schwer zu sagen. Wenn es dumm läuft, werde ich schon morgen von einem herabfallenden Klavier erschlagen.

SZ: Das wäre unerfreulich, schließlich wollen Sie ja den Tod abschaffen.

Aubrey de Grey: Schon, aber Unfälle wird es auch in Zukunft geben, dagegen lässt sich nichts machen. Außerdem, da muss ich Sie korrigieren, will ich nicht den Tod abschaffen, sondern das Altern.

SZ: Spitzfindig! Wo ist der Unterschied?

Aubrey de Grey: Altern ist lediglich eine von vielen möglichen Todesursachen. Auch wenn Sie nicht mehr alt werden, können Sie noch immer vor einen Lastwagen laufen.

SZ: Warum dann der ganze Aufwand?

Aubrey de Grey: Weil das Altern - trotz Klavier und Lastwagen - mit Abstand die häufigste Todesursache ist, zumindest in der entwickelten Welt. Gelingt es uns, diese Bedrohung auszuschalten, werden die Menschen im Schnitt 1000 Jahre alt. Mindestens.

SZ: Tausendjähriges Leben - viele lässt das schaudern. Was macht Sie so sicher, dass die Menschen so etwas überhaupt wollen?

Aubrey de Grey: Ich glaube gar nicht, dass die Menschen ewig leben wollen. Nur, siech und jämmerlich enden wollen sie erst recht nicht. Deshalb sehnen sie sich nach einem langen, gesunden Leben. Nach ewiger Jugend.

SZ: Für immer 20 oder 30, ist das auf Dauer nicht unheimlich langweilig?

Aubrey de Grey: Ein bisschen Frustration wird sicherlich aufkommen, zumal das eine oder andere Risiko in Zukunft gemieden werden sollte - auch wenn es Spaß macht.