Hypnosetherapie Wie Hypnose hilft

Lässt man den Therapeuten aber einmal in den Kopf, kann der dort weitreichende Umbauten vornehmen, einem Ängste und Süchte austreiben. Großen Vergleichsstudien zufolge sind etwa zehn Prozent aller Menschen sehr gut hypnotisierbar, und zwar nicht besonders Leichtgläubige, sondern vor allem Leute mit lebhafter Vorstellungskraft. Ebenso viele sprechen nur schwer oder gar nicht auf Hypnose an, die meisten aber liegen im Mittelmaß - und das reicht für eine Behandlung aus.

Hundephobiker zum Beispiel lasse er in Trance zunächst noch einmal Momente erleben, in denen sie Mut bewiesen haben, "das kann etwa eine Sportsituation sein, die mir der Patient im Vorgespräch berichtet hat", erklärt Hans-Christian Kossak.

Langwieriger Prozess

"Die erzähle ich dem Hypnotisierten in allen sinnlichen Einzelheiten. Anschließend kann ich dem Patienten ebenso detailreich schildern, wie er mit derselben mutigen Einstellung einen Hund sieht, wie er sich ihm langsam nähert und am Ende das Tier sogar streichelt."

Dabei vollzieht sich im Gehirn des Klienten eine Veränderung - und zwar unter anderem im ACC: Die Schnittstelle bewertet unter kognitiver Fremdregie den Anblick eines Hundes nicht mehr negativ. Und im Idealfall überträgt sich diese neue Erfahrung auch auf reale Begegnungen mit Hunden.

"So einfach und mechanisch läuft das aber natürlich nicht ab", sagt Kossak, "oft ist eine Hypnotherapie ein wochen- oder monatelanger Prozess. Weil sie aber die Qualität realen Erlebens aufweist, ist die Hypnose oft wirkungsvoller als bloße Ratschläge oder Gespräche."

Allerdings ist sie auch angesichts der vertrauensvollen Selbstauslieferung an den Therapeuten potenziell furchterregender als jedes Gespräch. Zumal die Hypnose auch nicht nur Erfolgsgeschichten schreibt.

Abkehr von autoritären Hypnoseverfahren

So berichtet der Hypnotherapeut Burkhard Peter vom Fall eines Studenten mit Prüfungsangst, dem erfolgreich Entspannung in Testsituationen suggeriert worden war, woraufhin er in den folgenden Prüfungen nicht mehr genügend Energie aufbrachte und erneut versagte. Zudem wird Hypnose bis heute landläufig mit Macht über willenlose Menschen assoziiert - ein Image, zu dem vor allem gruselige Bühnenshows beitrugen.

"Meist sind deren Teilnehmer aber gar nicht in wirklicher Trance", sagt der Hypnotherapeut Walter Bongartz. Show-Hypnotiseure suchten sich bloß diejenigen aus dem Publikum heraus, "die sehr willig ihren Anweisungen folgen und gern im Rampenlicht stehen - auch wenn sie sich lächerlich machen."

Dazu passten die autoritären Hypnoseverfahren, nach denen selbst ernsthafte Therapeuten noch bis in die Siebzigerjahre hinein arbeiteten. Ohne individuelle Erlebnisse und Bilder des Patienten zu erfragen und zu nutzen, verfuhren sie bei allen Klienten nach demselben Schema - führten sie in Trance und gaben dann Handlungsanweisungen: "Du hast keine Angst mehr vor Hunden!" oder: "Du lässt das Rauchen sein!"

Dass dieses gebieterische Vorgehen heute fast verschwunden ist, verdanken Patienten dem amerikanischen Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980), der als Jugendlicher an Kinderlähmung erkrankt war und sich mit mentalen Kräften selbst wieder auf die Beine geholfen hatte: Stundenlang starrte er auf seinen unbeweglichen Arm und stellte sich vor, wie es sich anfühlt, eine Heugabel zu halten.

Bald konnte er wieder greifen. Nach demselben Prinzip verfuhr er mit seinen Beinen und konnte schließlich ohne Hilfsmittel wieder gehen. Nach seiner therapeutischen Lehre sind die individuellen Innenwelten der Patienten wichtig für die Behandlung, aus ihnen selbst soll die Lösung kommen.

Kein Gefühl von Fremdbestimmung

Dazu gehört nicht nur, dass sich heutige Hypnotherapeuten "zurücknehmen und auf Augenhöhe mit dem Patienten zusammenarbeiten", wie Burkhard Peter betont, sondern auch, dass sie dem Patienten "seine inneren Stärken bewusst machen".

Kaum haben sich die Hände der Journalistin in Ortwin Meiss' Hamburger Praxis scheinbar ohne ihr eigenes Zutun berührt, zeigt der Psychologe ihr diese Stärke: "Nun wird die eine Hand allmählich leichter und die andere schwerer. Und die leichtere Hand steigt ganz von selbst hoch, und die schwerere Hand sinkt hinab", sagt er langsam - während sich fast augenblicklich die linke Hand der Probandin bis zu ihrer Stirn hebt, die rechte aber absackt.

Es fühlt sich gar nicht fremdbestimmt an. Es fühlt sich an, als sei irgendwo im Körper eine ungeahnte Kraft erwacht und strebe an die Oberfläche - ein Eindruck, der gewollt ist.

"Ein Patient, der sich als hilflos empfindet, erlebt durch hypnotische Rituale wie die Arm-Levitation, dass er in sich große Ressourcen hat", erklärt Burkhard Peter. Für diese Reserven benutzen Hypnotherapeuten meist die Metapher des "Unbewussten". Der unpräzise Begriff soll den Patienten entlasten, denn Unbewusstes kann man nicht steuern, aber es gehört dennoch zu einem selbst.

Es ist nichts Fremdes, sondern "der personifizierte Teil des Patienten, der zur Überwindung der Symptome geeignet ist", sagt Burkhard Peter: tief verinnerlichte Bilder, vergessene aber prägende Erfahrungen. Dass man diese eigenen Kräfte, Vorstellungen, sind sie einmal in Hypnose mobilisiert, auch selbst nutzen kann, ist ein heilsamer Effekt vieler Sitzungen.