Größte Rattenvernichtung weltweit geplant Ein mögliches neues ökologisches Problem

"Aus Naturschutz-fachlicher Sicht finde ich es in Ordnung, für eine solche Aktion Geld auszugeben," sagt Stefan Ziegler, Artenschutzreferent beim WWF. "Die Frage ist, ob sie Erfolg hat. Es muss nur eine einzige trächtige Ratte überleben, damit man in ein paar Jahren wieder genau die gleiche Situation hat." Das weiß auch das Team um Tony Martin von der University of Dundee, der das Projekt leitet. Als erfolgreich werten die Forscher ihre Aktion deshalb erst, wenn sie die Insel zwei Jahre lang frei von jedem Anzeichen einer Rattenexistenz halten können.

Hoffnungsvoll sind Martin und sein Team, dass dies zumindest im kleineren Maßstab auf Südgeorgien bereits funktioniert hat. Vergangenes Jahr warfen sie Gift über 130 Quadratkilometern ab, und bisher sei auf diesem Gebiet nichts von Ratten zu bemerken. Optimistisch dürfte die Mitarbeiter des South Georgia Heritage Trust auch die Statistik der Weltnaturschutzunion IUCN stimmen. Deren Datenbank listet insgesamt 1182 erfolgreiche Vernichtungsprogramme auf 762 Inseln auf, die sich gegen Nager, aber auch Kühe, Schafe, Esel, Spatzen, Hirsche, Igel und viele andere Tiere richteten.

Besonders viel Erfahrung mit der Eliminierung von Ratten haben australische und neuseeländische Inseln. So galt die Vernichtungsaktion auf der neuseeländischen Insel Campbell bislang als die größte ihrer Art. Schätzungsweise 200.000 der Nager lebten auf dem 112 Quadratkilometer großen Eiland - bis dieses nach einem zweijährigen Projekt im Jahr 2003 für rattenfrei erklärt wurde.

In Südgeorgien allerdings könnten zwei andere Tierarten den Erfolg der Aktion gefährden. Zum einen Mäuse, die ebenfalls auf Teilen der Insel leben - bisher jedoch offenbar nur dort, wo es keine Ratten gibt. Sollten beide Nager aber doch irgendwo auf der Insel gemeinsam vorkommen, könnte dort der Tod der Ratten den Aufstieg der Mäuse bedeuten - und den Beginn eines neuen ökologischen Problems.

Zum anderen rechnen die SGHT-Mitarbeiter damit, dass ihre Giftköder auch den mehr als 2000 Rentieren schmecken werden, die seit gut 100 Jahren auf Südgeorgien leben. Ihre Vorfahren wurden einst als lebender Fleischvorrat für Walfänger auf die Insel gebracht. Zwar lieben Touristen den Anblick der Tiere, die sich ihren Weg durch Vogelkolonien bahnen. Das nützt den Rentieren nun aber nichts mehr: Um die Ratten vernichten zu können, sollen auch die Rentiere eingefangen und getötet werden.