Größte Rattenvernichtung weltweit geplant Es regnet Gift auf Südgeorgien

Südgeorgien kämpft mit einer Rattenplage, nun plant die Insel im Südatlantik die bislang größte Rattenvernichtung weltweit: Mit Gift aus Hubschraubern, sonst drohe die Situation noch weiter außer Kontrolle zu geraten.

Von Katrin Blawat

Ratte (Archiv): Größte Rattenvernichtung auf Südgeorgien geplant

(Foto: ddp)

Die neuen Bewohner kamen Ende des 18. Jahrhunderts nach Südgeorgien. Erst waren es nur einige wenige Ratten, die es von Walfangschiffen aus auf die lang gestreckte Insel im Südatlantik schafften. Etwa 1800 Kilometer von der Küste Südamerikas entfernt, ist sie für Menschen sehr unwirtlich. Die Ratten aber trafen auf Millionen Seevögel als lebender Nahrungsvorrat - und vermehrten sich rasant.

Wie viele Nager heute auf Südgeorgien leben, weiß niemand genau, es werden wohl Millionen sein. Zu viele jedenfalls, um sie noch ungestört zu lassen, befand vor einigen Jahren der South Georgia Heritage Trust (SGHT). Er will die Insel von den Nagern befreien. Damit steht die weltweit größte Rattenvernichtung vor dem Beginn der zweiten, entscheidenden Phase.

Von Februar oder März kommenden Jahres an wird es aus Hubschraubern Gift auf Teile der Insel regnen: zwei bis sechseinhalb Kilogramm Brodifacoum pro Hektar, versteckt in Getreideködern. Das Toxin tötet, indem es die Blutgerinnung hemmt und seine Opfer verbluten lässt. Zusätzlich macht es die Ratten lichtscheu, weshalb sie sich zum Sterben in Höhlen zurückziehen. Das erschwert es ihren noch lebenden Artgenossen, einen Zusammenhang zwischen Köder und Tod herzustellen und das Gift ihrerseits zu meiden.

Die Vernichtungsaktion wird Kollateralschäden mit sich bringen, das bezweifelt niemand. Einige Köder werden wohl im Wasser landen, schrieb auch der SGHT in einem Bericht 2010. Aasfressende Vögel wie die Südgeorgien-Spießente können sich an den Rattenkadavern vergiften. Dabei soll ausgerechnet die Spießente besonders stark profitieren, wenn die Insel einst rattenfrei ist, denn Südgeorgien ist ihr einziger Lebensraum. Das gilt auch für den einzigen Singvogel der Insel, den Südgeorgien-Pieper. Neben diesen beiden Arten leben zumindest zeitweise Millionen weiterer Vögel auf der Insel, darunter Albatrosse und mehrere Pinguinarten, außerdem Seeelefanten und -löwen. Vor allem die Vögel leiden unter den Ratten, die sich zum großen Teil von Küken und Eiern ernähren.

Nichts gegen die Nager zu unternehmen, sei daher keine Alternative, schreibt der SGHT. Dann nämlich drohe die Situation noch weiter außer Kontrolle zu geraten: wenn sich die Ratten auf der gesamten, fast 3800 Quadratkilometer großen Insel ausbreiten. Bislang halten sich die Nager vor allem an der Nordost-Küste auf. Gletscher teilen die Insel in mehrere Gebiete auf, die die Ratten bislang kaum wechseln können. So bleiben den Vögel einige Rückzugsorte. Noch - denn die Gletscher schrumpfen beständig und ermöglichen den Nagern vielleicht bald schon zusätzliche Passagen. Dabei hält es der SGHT schon jetzt für unmöglich, die Ratten-Population lediglich zu kontrollieren statt sie vollständig zu vernichten.