Mit der Begründung von Altruismus haben die Nachfolger Darwins ihre Probleme. Ein Forscher behauptet nun: Blutige Kämpfe haben selbstlosem Verhalten den Weg geebnet.
Wenn man Samuel Bowles glaubt, waren Bogen, Keulen und Äxte, mit denen sich Steinzeitkrieger bekämpften, Instrumente der Menschlichkeit. Die bewaffnete Gewalt zwischen Gruppen früher Menschen habe dem selbstlosen Verhalten zum Durchbruch verholfen, sagt der Ökonom vom Santa Fe Institute im US-Staat New Mexiko. Er nennt blutige Konflikte "Hebammen des Altruismus".
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"Hebamme des Altruismus": Wer für eine Gemeinschaft kämpft, handelt auch selbstlos - denn er begibt sich für seine Gruppe in Lebensgefahr. (© Foto: Getty)
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Seine gewagte These untermauert der Forscher mit Computersimulationen und einer komplizierten mathematischen Berechnung, in der er die Mechanismen der Evolution theoretisch nachvollzieht (Science, Bd.324, S.1293, 2009).
Damit versucht er, einen Widerspruch aufzuklären, denn mit Altruismus haben die Nachfolger Charles Darwins ihre liebe Mühe: Wer etwas selbstlos tut, verringert damit in harscher Umgebung seine eigenen Überlebenschancen.
Dennoch sind "inspirierender öffentlicher Einsatz, Mut und Großzügigkeit typisch für Menschen", hat Bowles in einem früheren Aufsatz in Nature geschrieben. Wie also hat sich die Anlage dazu in der Abfolge der Generationen verbreiten können?
Laut Bowles hat sich diese Menschlichkeit aus dem Verhalten von Kriegern entwickelt, die ihren Gegnern die Köpfe einschlugen. Sie waren schließlich insofern selbstlos, als sie unter Gefahr für das eigene Leben die Gruppe verteidigten.
Gewalt war weit verbreitet, wie archäologische Funde und ethnologische Beobachtungen an Völkern zeigen, die als Jäger und Sammler lebten. Etwa ein Siebtel aller Todesfälle von Erwachsenen ging dort auf bewaffnete Konflikte zurück.
Drastische Vereinfachung
Laut Bowles' Computersimulationen stärken solche Konflikte den Zusammenhalt der eigenen Gruppe und begünstigen Feindseligkeit gegenüber Fremden. Dann aber brauchte die Menschenhorde auch Krieger, die ihr Leben für sie riskierten.
Damit der Vorteil für die Gruppe den Nachteil des Einzelnen überwiegt, durfte die Gefahr für die Kämpfer nicht zu groß werden. Sie misst sich wie immer in der Evolutionsforschung nicht am Überleben, sondern an der Fortpflanzungsfähigkeit der Krieger.
Die Zahl ihrer Kinder durfte laut Bowles um nicht mehr als drei Prozent unter den Wert jener Stammesgenossen sinken, die sich nicht für die Gruppe opfern würden. Ansonsten könne die Evolution die Neigung zum Altruismus nicht belohnen. Dabei lässt der Ökonom offen, ob die Selbstlosigkeit durch genetische oder kulturelle Eigenheiten der Gruppe befördert wird.
Ob die Drei-Prozent-Bedingung in der Geschichte der Menschheit erfüllt war, kann Bowles mangels Daten aber nicht beantworten. Er versteht die Zahl auch eher als Abschätzung, ob seine These von der Gewalt als Geburtshelfer der Menschlichkeit überhaupt stimmen kann.
Für Ruth Mace vom University College London gehört Bowles' Erklärung für den Altruismus auf die Liste der ernstzunehmenden Hypothesen. Allerdings vereinfacht er die Verhältnisse drastisch, wie die Anthropologin in einem Kommentar in Science bemerkt. Zum Beispiel setze Bowles voraus, dass eine Gruppe nach dem Verlust eines Kampfes vollkommen ausgelöscht wurde.
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In diesem Artikel erörtert Rav Dr. Michael Laitman Altruismus als Naturgesetz und stellt sein Konzept vor: Wir können Altruismus als Quelle vollkommenen und unbegrenzten Genusses enthüllen, wenn wir unsere sozialen Werte ändern und Altruismus wertschätzen.
Auszug aus dem Artikel:
Wenn die Gesellschaft eine Person einzig wegen seiner oder ihrer Hingabe an die Gesellschaft schätzt, werden wir alle notwendigerweise danach streben, zum Wohle der Gesellschaft zu handeln. Wenn wir die Auszeichnungen weglassen, die wir für persönliche Leistungen geben und Menschen einzig wegen ihrer Sorge für die Gesellschaft schätzen, wenn Kinder ihre Eltern nach diesen Grundsätzen beurteilen, wenn Freunde, Verwandte und Kollegen uns nur daran prüfen, wie gut wir uns zu anderen verhalten, werden wir allen anderen Gutes tun wollen, um die Anerkennung der Gesellschaft zu gewinnen.....weiter unter
http://www.kabbalahblog.de/die-notwendige-veraenderung-im-menschlichen-bewusstsein-altruistische-werte/
Celine Polo
Derartige Versuche, Einzelaspekte im komplexen Verhalten des Menschen darwinistisch zu erklären, halte ich für bar jeder rationalen Grundlage. Sie verletzt elementare logische Grundbedingungen.
Die Selektionstheorie nach Darwin kann ENTWEDER alleine auf vererbbare Merkmale einer Population angewandt werden. Dann muss die Vererbarkeit durch eine andere Wissenschaftsdisziplin, etwa der Genetik erwiesen sein. Dies ist bei dem (im Übrigen kaum mit dem naturwissenschaftlichen Begriffsapparat definierbaren) Begriff Altruismus wohl prinzipiell, sicherlich aber momentan, nicht der Fall.
ODER sie kann als Beleg dienen, dass ein Merkmal innerhalb einer Population vererbt wird, aber NUR indem sie z.B. diese Population über viele Generationen beobachtet, also: einen historischen Verlauf dokumentiert.
Statt dessen beobachtet, besser: mutmaßt Bowles folgende Eigenschaft
"inspirierender öffentlicher Einsatz, Mut und Großzügigkeit",
als etwas 'Typisches' beim HEUTIGEN Menschen, OHNE historische Betrachtung der Entwicklung - wie wollte er diese auch beobachten? Statt dessen kreiert er ein Computerprogramm, welches die Annahme einer solchen Entwicklung enthalten muss, sonst ließen sich keine Ergebnisse erzeugen.
Noch einmal: Bowles stellt eine kaum naturwissenschaftlich definierbare Frage (warum hat sich Altruismus als etwas Typisches durchgesetzt?), deren ebenfals kaum fixierbare, jedenfalls heute nicht belegbare Annahme (Altruismus ist vererbar) er in ein Computerprogramm steckt, welches dann Ergebnisse produziert, die offenbar tatsächlich in der Wissenschaftswelt Beachtung finden.
Was soll dieser Aufwand, wenn schon prinzipiell SO nichts von Inhalt ausgesagt werden kann? - Ein nutzloses Suhlen in Universitätsmoden und ein Beleg, dass auch Wissenschaftler nicht vor irrationalen Glaubenssystemen gefeit sind.
Wie die Forscher im Krieger eine Quelle des Altruismus finden können, ist ziemlich suspekt. Ist doch das Bild vom archaischen Krieger immer auch mit Ehre und Anerkennung verbunden bzw. mit Macht - Null Altruismus also. Wenn man Altruismus evolutionsbiologisch erklären möchte (er überhaupt existiert), erschiene ein Rückgriff auf die Frau in ihrer Mutter-Kind-Beziehung plausibler, da Kinder mit einer fürsorglichen Mutter ganz klar bessere Überlebenschancen haben, ja sogar absolut darauf angewiesen sind. So gesehen könnte es sich hier um einen Fall einseitig männlicher Wissenschaft handeln - ein Statement einer patriarchalischen Kultur ebend, die der Westen teilweise immernoch ist.