"Geruchsabdruck" Einzigartiger Mief

Was selbst die feinste Menschennase nicht erkennt, haben Forscher nun belegt: Der Schweiß des Menschen ist einzigartig wie sein Fingerabdruck.

Von Philipp Berens

Polizeihunde können mit ihren Nasen Verdächtige verfolgen oder Vermisste finden. Menschliche Nasen sind im Allgemeinen weniger empfindlich und geruchliche Einzigartigkeit bleibt den meisten verborgen.

Biologen vom Konrad-Lorenz-Institut für Ethologie in Wien konnten aber diese Woche im Journal of the Royal Society Interface (online) erstmals belegen, dass jeder Mensch seinen ureigenen Geruch hat.

In der Studie untersuchte das Team um Dustin Penn 197 Erwachsene und zeigte, dass sich die chemische Zusammensetzung des Schweißes von Mensch zu Mensch unterscheidet. Außerdem wiesen sie generelle Unterschiede zwischen dem Geruch von Männer und Frauen jetzt auch chemisch exakt nach.

Die Wissenschaftler nahmen innerhalb von zehn Wochen jeweils fünf Proben vom Achselschweiß der Probanden. Mit Hilfe eines Massenspektrometers gelang es ihnen, über tausend unterschiedliche Substanzen zu identifizieren.

Dabei werden die Proben verdampft und durch ein starkes Magnetfeld gesprüht. Je nach Gewicht und elektrischer Ladung werden die Komponenten unterschiedlich abgelenkt und ein Sensor erlaubt Rückschlüsse auf die Identität der Stoffe zu ziehen.

Biometrische Identifikation möglich

Fast 400 verschiedene Verbindungen fanden die Forscher immer wieder. "Wir fragten uns: Variiert die Zusammensetzung zwischen Individuen stärker als bei einem Menschen mit der Zeit?", sagt Dustin Penn. Er verglich die Konzentrationen der 400 Stoffe, und es gelang ihm, für jede Versuchsperson ein einzigartiges Geruchsprofil zu erstellen.

Die Zusammensetzung des Schweißes könnte möglicherweise genetisch bestimmt sein und bei der Partnerwahl eine große Rolle spielen. Lässt man Frauen an T-Shirts riechen, bevorzugen sie den Geruch der Hemden, die Männer mit einer anderen genetischen Ausstattung sogenannter MHC-Gene getragen haben.

Die MHC-Moleküle machen das Immunsystem jedes Menschen einzigartig. Verschiedenheit bei den MHC-Genen der Eltern verspricht ein robustes Immunsystem für die Kinder.

Menschen können also am Geruch die immunogenetische Ausstattung ihres Gegenübers erkennen und unbewusst Partner suchen, die ihr eigenes Erbgut ergänzen.

"Es ist aber nicht klar, ob sich bevorzugte Gerüche tatsächlich auf die Partnerwahl auswirken", schränkt Dustin Penn ein. Nur wenn einige der gefundenen Substanzen von MHC-Genen reguliert werden würden, wäre dies ein starker Hinweis für die Verknüpfung von Immunsystem, Geruch und Partnerwahl.

Auch zur biometrischen Identifikation ließe sich der "Geruchsabdruck" nutzen: Eine Sensorsystem, ähnlich einer elektronischen Nase, könnte ein Geruchsprofil erstellen und es wie Irisscans oder Fingerabdrücke mit einer Datenbank vergleichen.

"Da Geruchsstoffe in niedriger Konzentration vorliegen, ist das mit heute verfügbaren Geräten aber noch nicht möglich", sagt Nikos Papamichail, der am Institut für Physikalische Chemie der Universität Tübingen solche Sensorsysteme entwickelt. Dennoch hält er die Idee im Prinzip für realisierbar. Ob allerdings die alltägliche Schweißproduktion ausreicht ist offen - falls nicht, könnten sich Reisende auf Gymnastik am Zoll einstellen.