Gefährliche Süßstoffe Zurück zum Zucker

Süße Ersatzstoffe wie Sorbit schonen zwar die Zähne, aber keineswegs den restlichen Körper. Vor allem Kindern können sie gefährlich werden.

Von Christina Berndt

Auf der Packung stand eine Warnung: "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken". Aber dass das Kleingedruckte auf den geliebten Kaugummis der Beginn ihres Unglücks war, damit hatte die junge Frau nicht gerechnet, deren Leidensweg vor Kurzem Aufsehen erregte und "zuckerfreie" Leckereien in Verruf brachte.

"Der Süßhunger der Kinder wird durch den Ersatz nur größer."

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Berliner Mediziner berichteten im British Medical Journal über die junge Frau: Die 21-Jährige litt seit etwa acht Monaten unter Durchfall und Unterleibsschmerzen und hatte 22 Pfund verloren. Die Ärzte dachten, sie hätte eine Colitis entwickelt, eine entzündliche Darmerkrankung. Doch die Spezialisten der Berliner Charité um Herbert Lochs konnten im Darm nichts finden. Dafür fiel ihnen auf, dass die Patientin eine Menge Stuhlgang produzierte: 1,9 Kilogramm pro Tag. Normal wären 250 Gramm. Die Ursache: Die junge Frau kaute ständig zuckerfreie Kaugummis - 16 Stück pro Tag. Damit nahm sie etwa 20 Gramm von dem Zuckeraustauschstoff Sorbit zu sich - viel zu viel.

Weil der Dünndarm Stoffe wie Sorbit kaum aufnehmen kann, bleiben sie im Verdauungstrakt, binden dort Wasser und verflüssigen so den Stuhl. Das ständige Kauen verstärkt das Problem wahrscheinlich, denn dabei bilden sich eine große Menge Speichel und verdauungsfördernde Magensäure.

In Maßen gegessen, gilt der kulinarisch wenig beglückende Zuckerersatz als unbedenklich. Er hat sogar einen klaren Vorteil: Die Substanzen schmecken jenen Bakterien nicht, die Karies fördern. Deshalb mischt die Industrie sie in Kaugummis, Lutschbonbons, Zahnpasta für Kinder und kennzeichnet die "zuckerfreien" Produkte mit einem glücklichen Zahn unterm Regenschirm.

Für Kinder seien diese Süßungsmittel aber schon gar nicht empfehlenswert, betont Irmgard Lütticken von der Ernährungsberatung des Landes Rheinland-Pfalz, denn Kinder reagieren noch viel empfindlicher als Erwachsene. Die Großen sollten nicht mehr als zehn bis 15 Gramm Zuckerersatz zu sich nehmen, die Kleinen entsprechend weniger. Wie viel Bonbons oder Kaugummis das sind, lässt sich aber kaum sagen, da die Rezeptur leider meist nicht auf der Packung angegeben ist.

"Zuckeraustauschstoffe sind für gesunde Kinder überhaupt nicht nötig", sagt Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Eltern sollten Zucker als Genussmittel akzeptieren: "Zehn Prozent der Kalorien einer optimierten Mischkost für Kinder dürfen aus Süßigkeiten stammen. Und: Der Süßhunger der Kinder wird durch den Ersatz nur größer."

Nicht einmal Zuckerkranken empfehlen Ärzte heute noch, auf Sorbit, Fruktose & Co. auszuweichen. Zwar wird der Zuckerersatz ohne Insulinverbrauch abgebaut. Aber Zuckeraustauschstoffe erhöhen, was sich weder Eltern noch Ernährungsexperten wünschen: den Blutfettspiegel. Das Fazit der Experten: Zuckeraustauschstoffe sind überflüssig. Zuckeraustauschstoff

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