Forschung und Finanzen Kritische Fragen

Doch die Betreiber der Crowdfunding-Plattformen müssen sich auch kritische Fragen gefallen lassen. Wie stellen sie sicher, dass die Projekte wissenschaftlichen Standards gerecht werden? Und wie verhindert man, dass die Spender nicht etwa eine Skiausrüstung finanzieren? Die Lösungsansätze sind verschieden.

Das Open Source Science Project nutzt das klassische Peer-Review-Verfahren: Experten begutachten zuvor die Vorhaben. Andere Projekte garantieren Seriosität durch institutionelle Anbindung: Cancer Research UK ist die weltweit größte unabhängige Stiftung zur Krebsforschung - auf ihrer Seite kann man individuelle Projekte unterstützen. Sciencestarter wiederum prüft die Vorschläge individuell: "Im Zweifelsfall wenden wir uns an eines der mit uns assoziierten Forschungsinstitute", sagt Witt. Andere schließlich hängen die Latte niedrig. Der Ökologe Jai Ranganathan, Mitgründer von SciFund, will nur sicherstellen, dass es sich um keinen offensichtlichen Betrug handelt.

Ein Problem jedoch ist unübersehbar. Die direkte Finanzierung fördert zwangsläufig populäre Vorhaben. So entstammen, was kaum überrascht, viele Projekte der Ökologie. Wer dagegen synthetische Polymere statt Pandas studiert, hat es deutlich schwerer, Spender für das Projekt zu begeistern. Plattformen wie Sciencestarter hoffen dennoch, dass es Forschern gelingt, selbst komplexe Spezialgebiete zu erklären und dafür Interesse zu wecken.

Das kann Arbeit und Geld kosten. So hat Perlstein vor seiner Kampagne für sein Amphetamin-Labor Seiten wie Kickstarter studiert. Er engagierte einen Regisseur für seinen Videoauftritt. Er polierte die Internetpräsenz seines Labors, bewarb das Projekt mit Twitter und Facebook und gab Interviews. Dieser Aufwand hat seine Begeisterung für sein eigentliches Vorhaben nicht geschmälert: "Wenn das Projekt beginnt, wissen wir dank radioaktiver Marker binnen drei Monaten, wo die Wirkstoffe im Gehirn landen. Dann können wir fragen, was dort im Detail geschieht." Dabei sieht ihm vielleicht ein Spender über die Schulter. Denn wer besonders großzügig gibt, darf das Labor in Princeton besuchen.