Forschung Einfach mal wieder lächeln

Was die Wissenschaft darüber verrät, wie man ein glückliches neues Jahr verleben kann.

Ob er ein glücklicher Mann sei, hat ein Reporter einmal Charles de Gaulle gefragt. "Für was für einen Narren halten Sie mich?", entgegnete der General. Viele Menschen, aber auch die Wissenschaft teilt die pessimistische Haltung de Gaulles nicht. Forscher halten das Glücklichsein für einen höchst gesunden Zustand - und haben sogar handfeste Hinweise parat, wie man im neuen Jahr ein zufriedenerer Mensch werden kann.

Denn von "Glück" sprechen Wissenschaftler selten. Sie bevorzugen die Begriffe "Lebenszufriedenheit" oder "subjektives Wohlbefinden" und haben sich Fragebögen ausgedacht, wie sie diesen Zustand messen wollen. Die Fragen sind recht einfach und gehen nicht weit über das alltagsübliche "Wie geht es Ihnen?" hinaus. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler David Blanchflower aus den USA und Andrew Oswald aus Großbritannien werteten sogar nur die Antworten auf eine einzige Frage aus: "Alles zusammengenommen, würden Sie sagen, dass Sie im Moment a) sehr glücklich, b) ziemlich glücklich oder c) nicht besonders glücklich sind?"

Ein Ergebnis überraschte die Forscher besonders: Geld macht doch glücklich. Blanchflower und Oswald hatten die Antworten von tausenden Briten und Amerikanern aus den Jahren 1972 bis 1998 gesammelt und sie mit dem Einkommen in Beziehung gesetzt. Auch wollten sie wissen, wer verheiratet, geschieden oder verwitwet war. Es stellte sich heraus, dass die Personen mit höherem Einkommen im Schnitt zufriedener mit ihrem Leben waren. Allerdings spielte dabei eine entscheidende Rolle, wie viel die anderen verdienen: Geld trägt offenbar vor allem dann zum Glück bei, wenn man mehr hat als seine Mitmenschen. Und, so warnt der Psychologe Ed Diener von der University of Illinois: Menschen, die besonders viel Wert auf Reichtum legen, seien oft besonders unglücklich.

Dass Geld das Glück beschwingt, hängt vielleicht auch mit Sex zusammen. Denn Reichtum macht sexy, wie Blanchflower und Oswald erst vor wenigen Monaten zeigten (1). Demnach schlafen Menschen mit höherem Einkommen häufiger mit wechselnden Partnern. Allerdings kommt es weniger auf die Zahl der Partner als auf die Frequenz an, mit der ein Mensch Sex hat: "Die Anzahl von Geschlechtspartnern im Jahr, die die Zufriedenheit maximiert, beträgt eins", betonen die Forscher. Am häufigsten haben nämlich nicht sexuell aktive Singles Sex, sondern Ehepaare.

Allerdings wird das Lebensglück durch äußere Einflüsse insgesamt gar nicht so stark beeinflusst, wie man meinen möchte. Plötzlicher Geldsegen zum Beispiel macht langfristig nicht glücklich. Nach einem kurzen Hochgefühl pendelt sich auch das subjektive Wohlbefinden von Lottogewinnern wieder auf dem gleichen Niveau ein wie vor dem Glückstag. Das Gleiche gilt für extrem negative Erlebnisse. So erreichen Menschen, die nach einem Unfall querschnittsgelähmt sind, nach Jahren oft Zufriedenheits-Werte, die denen vor dem Unfall vergleichbar sind

Ist Zufriedenheit also ein unveränderlicher Charakterzug? Ganz so eindeutig sei das nicht, sagt Daniel Heller, Psychologe an der University of Waterloo in Ontario, Kanada. "Aber die Persönlichkeit setzt dem Niveau der Lebenszufriedenheit, die jemand erleben kann, Grenzen." Heller hat gemeinsam mit Kollegen 82 einschlägige Studien nach Hinweisen auf die Grundlagen des Glücks durchsucht. Das Ergebnis: Änderungen in der Umwelt, den Wahrnehmungen und Verhaltensweisen eines Menschen können seine Zufriedenheit sehr wohl steigern oder senken (2). Im Laufe eines einzelnen Tages sind Menschen nach einer aktuellen Studie des Psychologen Daniel Kahneman von der Princeton-Universität besonders dann glücklich, wenn sie gerade mit jemandem intim sind, sich mit Freunden treffen oder einfach entspannen. Ganz unten auf der Zufriedenheits-Liste stehen Hausarbeit, Beruf und die Fahrt zur Arbeit (3).

Besonders wichtig für das Wohlbefinden scheinen Spaß am Beruf und eine funktionierende Beziehung zu sein. Unglücklichen empfiehlt Daniel Heller deshalb, als Erstes einen Eheberater aufzusuchen oder etwas an der Jobsituation zu ändern. Doch das ist oft leichter gesagt als getan.

Einen sehr viel einfacheren Trick haben dagegen Emotionspsychologen parat: Lächeln Sie doch einfach mal wieder! Ein fröhliches Gesicht deutet nämlich nicht nur auf gute Laune hin - es kann auch gute Laune machen. "Der Gesichtsausdruck beeinflusst direkt die wahrgenommene Emotion", sagt Fritz Strack, Sozialpsychologe an der Universität Würzburg.

Das konnten er und seine Mitarbeiter vor einigen Jahren mit einer skurrilen Studie belegen: Sie haben Versuchspersonen gebeten, sich Cartoons anzuschauen und deren Witzigkeit zu bewerten. Dabei sollten die Teilnehmer einen Stift entweder quer oder längs im Mund halten. In der "Lippenhaltung", bei der sie den Stift mit einem Schmollmund umschließen, fanden die Probanden die Comics weniger witzig, als wenn sie die "Zahnhaltung" einnahmen, bei der sie die Mundwinkel auseinander ziehen mussten. Sie lächelten also gewissermaßen, ohne es zu merken, und haben deshalb die Cartoons positiver bewertet, erklärt Strack: "Das funktioniert, ohne dass das Lächeln als solches erkannt wird."

Noch stärker ist der Gute-Laune-Effekt, wenn nicht nur die Muskulatur der Wangen, sondern auch die um die Augen herum beteiligt ist. Ein solches "echtes Lächeln" oder "Duchenne-Lächeln" lässt Witze gemeinhin noch witziger erscheinen als die "Zahnhaltung" im Stift-Experiment.

Ähnliches lässt sich auch für den umgekehrten Fall zeigen: Wer die Stirn runzelt, also den Muskel zwischen den Augenbrauen anspannt, der findet Lustiges oft weniger amüsant. Bei depressiven Menschen ist dieser Muskel oft sogar chronisch angespannt; wenn die Depression nachlässt, wird auch die Stirn wieder locker. Woran das liegt, erklärt Andreas Hennenlotter, Neuropsychologe am Münchner Klinikum rechts der Isar: "Es gibt im Gehirn starke Verbindungen zwischen Bereichen, die Empfindungen aus der Gesichtsmuskulatur abbilden, und Bereichen, die für Gefühle zuständig sind." Wohl deshalb könne die gefühlte Mimik die entsprechende Emotion auslösen. Ähnliches geschieht sogar, wenn man nur anderen beim Lächeln zusieht. "Man bekommt sozusagen ein Gefühl dafür, wie sich der Gesichtsausdruck anfühlen würde", erklärt Hennenlotter. Schon das kann die Laune heben.

Zufriedenheit, da sind sich die meisten Wissenschaftler einig, ist gut für das Immunsystem und hilft gegen Stress. Wer zufrieden ist, lebt länger. Für den Weg dahin haben die Glücks-Forscher ein paar einfache Ratschläge: Nett zum Partner sein, möglichst viel Sex haben, sich mit gut gelaunten Menschen umgeben - und öfter mal lächeln.