Die Zahl 5000 Kilometer

. . . Lebensraum haben Weidenammern, das sind kleine Zugvögel, auf der Ost-West-Achse seit 1980 verloren.

Von Christopher Schrader

. . . schmaler ist der Lebensraum von Weidenammern seit dem Jahr 1980 geworden. Die Zahl der kleinen Zugvögel ist in den vergangenen Jahrzehnten um 90 Prozent zurückgegangen. "Das Ausmaß und Tempo dieser Abnahme ist praktisch beispiellos, wenn man Vögel mit einer derart großen Verbreitung betrachtet", sagt Johannes Kamp von der Universität Münster, der die Entwicklung mit seinem Forscherteam analysiert hat (Conservation Biology, online). Nur die Wandertaube, die 1914 durch "industrielles Jagen", so Kamp, in den USA ausgestorben ist, erlitt jemals ähnliche Verluste. Die Weidenammer lebte einst im Sommer im Norden Eurasiens von Finnland bis Japan, wo sie in Bodennähe brütete; im Winter zog sie nach Süden bis nach China und Indien. Auf dem Weg machte sie im Herbst in großen Schwärmen Zwischenstopp zur Mauser. In Osteuropa, dem europäischen Teil Russlands, West- und Zentralsibirien sowie Japan sei der Vogel mittlerweile fast verschwunden, sagt Kamp. Auch auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion ist die Weidenammer rekordverdächtig schnell in die dramatischen Kategorien aufgestiegen. Noch 2004 galt das Tier als nicht gefährdet, seit 2013 ist es stark gefährdet. Vor allem die Jagd in China hat laut Kamp diesen Rückgang ausgelöst. Dort sei das Fangen der Vögel zwar seit 1997 verboten. Aber trotzdem wurden bis mindestens 2013 steigende Mengen der Tiere als Lebensmittel auf dem Schwarzmarkt verkauft.