15 Prozent aller Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Das zu ändern ist nicht nur Sache der Eltern, sagen Mediziner. Auch Fernsehwerbung für Kinder im Vorschulalter "ist nicht akzeptabel".
Es ist nicht nur schwer, überschüssige Pfunde wieder loszuwerden - es ist auch hart, den Verlockungen zu widerstehen, die von Süßigkeiten ausgehen. Und das gilt natürlich besonders für Kinder, die gezielt von der Werbung angesprochen werden.
Kleine Kinder können noch nicht zwischen Werbung und redaktionellen Beiträgen unterscheiden. (© Foto: obs/Haribo)
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Deshalb fordert die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) im Rahmen ihres 125-jährigen Jubiläums Einschränkungen etwa im Rahmen der Fernsehwerbung, die sich an Kinder im Vorschulalter richtet. Diese Werbung sei "nicht akzeptabel", erklärte Berthold Koletzko, Vorsitzender der DGKJ-Ernährungskommission.
Kleine Kinder könnten noch nicht zwischen Werbung und redaktionellen Beiträgen unterscheiden. "Und es wird ja selten für Äpfel geworben."
Nicht nur die Eltern sollten deshalb auf die Ernährung des Nachwuches achten. Neben der Süßigkeiten-Werbung kritisierte der Verband auch das Fehlen eines einfachen Leitsystems für kalorienarme Lebensmittel und Riesenportionen beim Schnellimbiss. "Es geht um mehr gesellschaftliche Standards, die auch gegen wirtschaftliche Interessen durchgesetzt werden müssten", sagte Koletzko.
Ein drängendes Problem der Jugendmedizin
Das wachsende Übergewicht bei Kindern sei zu einem drängenden Problem in der Jugendmedizin geworden. "15 Prozent aller Kinder in Deutschland sind bereits übergewichtig, sechs Prozent sind krankhaft fett", erklärte Koletzko. Viele Kinder blieben ein Leben lang zu dick, mit fatalen Risiken für die Gesundheit: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.
Dazu komme die psychosoziale Belastung, ergänzte der Münchner Klinikarzt. "Dicke Kinder werden gehänselt und entwicklen oft weniger Selbstbewusstsein. Übergewichtige Jugendliche haben häufig eine schlechtere Ausbildung, weniger Chancen auf gutbezahlte Jobs und finden seltener eine stabile Partnerschaft."
Neben mehr Sport und weniger Zeit vor Fernseher oder Computer zielen Ärzte mit ihren Ratschlägen heute weiter. "In Frankreich oder Belgien gibt es feste Regeln, nach denen in Schulen keine Softdrinks mehr verkauft werden dürfen. So etwas prägt das Verhalten", berichtete Koletzko. Ähnliche Regeln wünsche sich sein Verband für Deutschland.
Bei Lebensmitteln würden Kinder- und Jugendärzte ein einfaches Leitsystem begrüßen, das gesunde und weniger gesunde Produkte klar ausweist. "Menschen mit wenig Bildung fällt es schwer, komplizierte Tabellen zu lesen", sagte der Experte. Auch beim Fast Food wünscht sich Koletzko andere Schwerpunkte.
"Kinder sollen auch Hamburger essen dürfen, aber die Portionsgröße muss passen", sagte er. Mega-Portionen, die nur wenig teurer seien als normale Größen, reizten Kinder und Jugendliche besonders. Das sei genau das falsche Signal. "Es wäre besser, wenn Gerichte mit wenig Kalorien beworben würden und Salat billiger als Pommes wäre", ergänzte der Arzt.
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(dpa/mcs)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Wir alle wissen grob was gut für uns ist, auch die "Menschen mit wenig Bildung". Mehr Gemüse, weniger Fleisch, mehr Obst, weniger Zucker. Mehr Frisches, weniger Konserviertes. Um das zu beachten braucht man kein "Leitsystem".
Alles was über diese simplen Faustregeln hinaus geht ist ohnehin mehr Glaube als Wissen. Mal sind die Fette die Übeltäter, dann wieder die Kohlenhydrate und dann wieder die Fette. Hauptsache die Diätbücher verkaufen sich gut.
Immer mehr Arbeitsplätze befinden sich bei Unternehmen, deren Produkte entweder der Lebensqualität und Gesundheit abträglich sind, oder im Gesundheitswesen selbst. Daher drei konkrete Fragen:
1) Wenn immer mehr Menschen von der Erkrankung anderer leben, kann es dann nicht sein, dass wir kränker diagnostiziert werden, als wir tatsächlich sind?
2) Was sollen Arbeitnehmer machen, die zunehmend darauf angewiesen sind ihren Lebensunterhalt in diesen Branchen zu verdienen?
3) Kann es sein, dass die Medien zwar gerne anprangern, selbst aber diese Zustände massiv unterstützen (Stichwort: Werbung, Quoten und betriebswirtschaftlicher Interessenskonflikt je nach Eigentumsverhältnissen)?
Es wäre schön, wenn wenigstens die SZ sich nicht nur mit heuchlerischen Artikeln begnügen , sondern einfach mal die wirklichen Probleme OFFEN ansprechen würde....
Wo sind die mutigen Chefredakteure geblieben? Wo die mutigen Nestbeschmutzer? Sind wir inzwischen ein Volk unbedeutender Angsthasen geworden, die nur noch zum Achselzucken fähig sind? Ja? Dann haben wir es auch nicht besser verdient....
jolandos