Wenn der Nachwuchs bereits vor der Schule zwei Sprachen lernt, wächst das Risiko, dass die Worte nicht richtig herauswollen.
Kinder, die bereits im Alter unter fünf Jahren eine Zweitsprache lernen, stottern häufiger und werden dies auch schwieriger wieder los.
Die Forscher untersuchten Kinder aus London, die nicht Englisch als Muttersprache hatten. (© Foto: AFP)
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Das haben britische Psychologen und Sprachwissenschaftler an Kindern aus London beobachtet, die nicht Englisch als Muttersprache haben (Archives of Disease in Childhood, online).
Sie untersuchten Kinder, die zwei Sprachen sprechen und gegen Stottern in Kliniken behandelt wurden. Von den Stotterern sind knapp zwei Drittel vor dem Eintritt in die Schule zweisprachig aufgewachsen. Kinder, die vor Schulbeginn zuhause nur ihre Muttersprache gehört und gesprochen haben, hatten ein niedrigeres Stotter-Risiko.
Dass Zweisprachigkeit das Stottern fördert, ist nicht neu. Unklar war bisher jedoch, ob die Kinder in einer oder in beiden Sprachen stottern. Die Londoner Wissenschaftler stellten nun fest, dass die Kinder fast immer mit beiden Sprachen Probleme hatten.
Darüber hinaus stottern die früh zweisprachig aufgewachsenen Kinder länger. Von den Stotterern, die Englisch erst in der Schule lernten, waren mehr als die Hälfte das Leiden im Alter von zwölf Jahren wieder los. Bei den früh zweisprachig aufgewachsenen Kindern stotterte hingegen nur ein Viertel nicht mehr.
Zwischen den stotternden Kindern zeigten sich viele Ähnlichkeiten - egal, ob sie nur Englisch sprachen, zweisprachig aufgewachsen waren oder Englisch erst in der Schule lernten: Sie alle begannen im Alter zwischen vier und fünf Jahren zu stottern. Und bei allen Gruppen stotterten mehr als vier Mal so viele Jungen wie Mädchen.
Das Stottern wirkte sich allerdings nicht auf die Schulnoten aus: Alle Kindern schnitten in Englisch, Mathematik und Sachkunde gleich gut ab.
- Stottern Die schlimme Angst vor dem L 07.07.2008
(SZ vom 09.09.2008/mcs)
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In dem Artikel fehlen jegliche konkrete Zahlen. 2/3 der Stotterer waren zweisprachig. Prima! Wieviele waren das? Wie hoch ist überhaupt der Anteil an Stotterern in einem Jahrgang? Wenn 0,001% der Kinder stottern und von 100.000 zweisprachigen Kindern 100 stottern, 90.900 aber nicht, brauchen wir uns um diese Studie keine Gedanken zu machen. Sollten von 100.000 zweisprachigen Kindern 70.000 stottern wären weitere Überlegungen und Untersuchungen sinnvoll. In dem Artikel fehlte allerdings die Erwähnung, dass zweisprachige aufwachsende Kinder in diversen Studien höhere Intelligenzwerte erzielt haben. Das ist ja auch was, oder?
Ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen. Auch meine Kinder wachsen zweisprachig auf und stottern nicht. Viele unserer Freunde habe nicht-stotternde zweisprachige Kinder. Natuerlich soll man einem Kind die Chance geben, zwei- oder dreisprachig aufzuwachsen, wenn die Möglichkeiten gegeben sind (Eltern mit verschiedenen Muttersprachen, eine andere Landessprache...). Das eröffnet den Kindern ja fantastische Möglichkeiten! Das sollte man immer unterstuetzen!
Und wie agricult schon schrieb:
Wieso jetzt diese sehr spezifische Studie a) einen Bericht auf der Wissensseite wert war und b) dann noch mit dieser reißerischen Schlagzeile aufgemacht wurde, würde mich allerdings auch interessieren.
Die Schlagzeile "Zweisprachig erzogene Kinder stottern häufiger und länger" wird doch von dieser Studie gar nicht getragen - denn implizit wird hier ein Vergleich mit einsprachigen Kindern gemacht, aber nicht stattgefunden hat, wenn die Wissenschaftler nur stotternde Zweisprachler angeschaut haben. Meine Kinder sind ebenfalls nicht-stotternde Zweisprachler, und wenn man mal über den deutschen Tellerrand hinausschaut, findet man auch schnell, dass international viele Menschen mit zwei und mehr Sprachen als ganz normal aufwachsen- und die stottern auch nicht. Wieso jetzt diese sehr spezifische Studie a) einen Bericht auf der Wissensseite wert war und b) dann noch mit dieser reißerischen Schlagzeile aufgemacht wurde, würde mich allerdings auch interessieren.
Laut einer anderen Veröffentlichung in der gleichen Zeitschrift kommt bei 0.75-1% (!) der Kinder in Grossbritannien, Australien und Amerika Stottern ab einem Alter von durchschnittlich 4 Jahren vor, das dann in 74 % der Fälle in den frühen Teenager mit oder ohne Behandlung wieder verschwunden ist.
Die Studie mag für Spezialisten für Sprachentwicklung von Interesse sein, aber nicht von allgemeinem und auch kaum für Eltern zwei- oder mehrsprachig aufwachsender Kinder. Um meine in Schweden dreisprachig aufwachsenden Kinder mache ich mir jedenfalls keine Sorgen. Rätselhaft warum ausgerechnet dies für die Wissensparte der SZ ausgewählt wurde.
Ich habe fast 20 Jahre Erfahrung mit mind. 2sprachig aufgewachsenen Kindern verschiedener Gesellschafts- und Einkommensschichten. Stotterer sind mir da keine untergekommen, aber viele Leute, die quasi schon eine Berufsausbildung haben dadurch und sich das nur noch bescheinigen lassen müssen.
Paging