Astronomie Und noch ein Planet

Astronomen haben im Sternbild des Großen Bären einen Himmelskörper entdeckt, der dem Jupiter ähnelt.

Von Helmut Hornung

(SZ vom 17.8.2001) - Die Suche nach fremden Planeten floriert. 70 der extrasolaren Himmelskörper haben Astronomen seit 1995 aufgespürt.

Astronomie

Die zwei Planetensysteme im Vergleich (Oben der Stern "47 Ursae Majoris")

(Foto: )

Jetzt ist den Jägern der verborgenen Welten in der Konstellation Großer Bär (Ursa Major) ein interessanter Fund gelungen: Die US-Forscher Geoffrey Marcy und Paul Butler haben einen jupiterähnlichen Planeten entdeckt, der den Stern "47 Ursae Majoris" auf fast kreisförmiger Bahn umläuft; ein Jahr dauert auf ihm etwa sieben Erdjahre.

Übertragen auf unser Sonnensystem würde der neue Planet zwischen Mars und dem Asteroidengürtel seine Kreise ziehen - ein wenig innerhalb des "echten" Jupiter.

Schwaches Lichtpünktchen in klarer Nacht

Der Stern 47 Ursae Majoris zeigt sich in klarer dunkler Nacht dem Auge als schwaches Lichtpünktchen; die sieben hellsten Sterne des Bildes formen den Großen Wagen.

Bereits 1996 hatten Marcy und Butler bei 47 Ursae Majoris einen Gasplaneten registriert, der diese 47 Lichtjahre entfernte Sonne umkreist. Das Objekt besitzt etwa die 2,5-fache Jupitermasse und hat eine Umlaufzeit von knapp drei Jahren. Für den nun entlarvten Zwilling haben die Astronomen eine Masse einer drei Viertel Jupitermasse (240 Erdmassen) berechnet.

Das Planetenduo an sich ist nichts Ungewöhnliches. Es gibt zwei Gruppen solcher Systeme: Planeten mit geringen Massen und kleinen Abständen von den Muttersonnen sowie Schwergewichte, die auf eiförmigen, langen Bahnen in großen Distanzen wandern. Dagegen gleichen die Verhältnisse bei 47 Ursae Majoris denen unseres Sonnensystems - was Geoffrey Marcy "herzerwärmend" findet.

Bis den Forschern das Herz so richtig aufgeht und sie eine zweite Erde aufstöbern, wird es Jahre dauern. Den leichtesten und wohl kleinsten extrasolaren Planeten entdeckte ein Teleskop der Europäischen Südsternwarte (ESO): Der Himmelskörper um den 140 Lichtjahre fernen Stern "HD 168746" hat die 50-fache Erdmasse.

Planeten von Muttersternen überstrahlt

Keinen der fremden Planeten konnten die Forscher direkt sehen. Die Objekte sind viele Lichtjahre entfernt und vom Mutterstern überstrahlt.

Auch indirekte Nachweismethoden fördern nur größere Brocken zu Tage: Dabei messen die Forscher, wie schnell ein Stern rhythmisch schwankt, während ein Planet an ihm zerrt.

Der "Tanz", den unsere Sonne der Erde wegen aufführt, bliebe mit irdischen Geräten ausgestatteten Bewohnern fremder Planeten verborgen. Wissenschaftler wollen es schaffen, noch ein Pendeln von wenigen Metern je Sekunde zu messen.

Die ESO arbeitet daran, alle vier Acht-Meter- Fernrohre ihres Very Large Telescope zu einem Superauge zu verbinden. "Eines Tages werden wir damit manche der bekannten extrasolaren Planeten direkt sehen", sagt ESO-Astronom Richard West. Der Schnappschuss einer zweiten Erde aber ist derzeit mehr fiction als science.