Astronomie Kosmische Verwandtschaft

Weltraumforscher berichten erstmals von einem Planetensystem, das unserem Sonnensystem ähnelt.

Von Markus C. Schulte v. Drach

US-Wissenschaftler haben festgestellt, dass ein Planeten-System in 41 Lichtjahren Entfernung von der Erde unserem Sonnensystem ähnelt.

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So könnte der neu entdeckte Jupiter-ähnliche Planet - zusammen mit einem hypothetischen Mond (blau) - um den Stern 55 Cancri kreisen. JPL Planeten-Animation (MPG-Format, 13 MB)

(Foto: NASA/Lynette Cook)

Wie Geoffrey Marcy von der University of California in Berkeley und Paul Butler von der Carnegie Institution of Washington im Hauptquartier der US-Raumfahrtbehörde Nasa erklärten, handelt es sich um einen Jupiter-ähnlichen Planeten, der um einen der Sonne ähnelnden Stern kreist.

Auch die Distanz zwischen dem Planeten und der Sonne 55 Cancri im Sternbild Krebs entspricht etwa der zwischen Jupiter und Sonne.

"Erster Cousin unseres Sonnensystems"

"Man könnte sagen, es handelt sich um einen ersten Cousin unseres Sonnensystems", erklärte Butler laut Nachrichtenagentur dpa.

Astronomen haben bereits eine Reihe von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems identifiziert, allerdings kreisen sie viel dichter um ihre Sonnen als Venus, Mars, Erde, Jupiter und unsere übrigen "einheimischen" Planeten. Darüber hinaus zeigen sie häufig exzentrische Umlaufbahnen.

Schon 1996 hatten Butler und Marcy entdeckt, dass auch um 55 Cancri ein großer Himmelskörper kreist. Der Gas-Riese besitzt eine etwas kleinere Masse als Jupiter und saust innerhalb von 14,6 Tagen einmal um seine Sonne. Seine Distanz beträgt etwa ein Zehntel des Abstands zwischen Erde und Sonne (149,6 Millionen).

Zahl der bekannten Planeten auf 90 gewachsen

Wie die US-Forscher nach 15 Jahren Beobachtung jetzt berichten, kreist der neu entdeckte Planet dagegen auf einer 13jährigen Umlaufbahn, die der des Jupiters ähnelt. Allerdings ist die Neu-Entdeckung ein erheblich schwerer Himmelskörper. Er weist eine Masse auf, die 3,5 bis fünf Mal größer ist als die des Jupiters.

Sogar einen dritten Planeten entdeckten die Wissenschaftler im 55 Cancri-System, einen Gas-Giganten, der etwa ein Fünftel der Jupiter-Masse aufweist und die Sonne in etwas mehr als 44 Tagen umkreist.

Insgesamt stellten die Wissenschaftler 15 neue Planeten vor, darunter den kleinsten, der jemals beobachtet wurde. Der "Kleine", der den Stern HD49674 in der Auriga-Konstellation umkreist, weist eine Masse auf, die vierzig Mal größer ist als die der Erde. Insgesamt ist die Zahl der bekannten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems damit auf 90 gewachsen.

Um zu klären, ob auch ein Erd-ähnlicher Planet im 55 Cancri-System existieren könnte, gaben die Astronomen der Universität in Berkeley ihre Daten an Greg Laughlin von der University of California in Santa Cruz weiter. Der Astrophysiker fand heraus, dass ein solcher Himmelskörper tatsächlich eine stabile Umlaufbahn zwischen den beiden inneren Gas-Riesen und dem äußeren Planeten einnehmen könnte. Allerdings ist die Idee einer zweiten Erde im Cancri-System reine Spekulation.

15-jährige Studie

Marcy und Butler benutzten für ihre 15-jährigen Beobachtungen das Drei-Meter-Teleskop des Lick Observatory der University of California in Berkeley.

Mit dem Gerät spürten sie so genannte Doppler-Effekte im Sternenlicht auf, Veränderungen in den Spektrallinien, die durch eine Positions-Änderung des Sterns entsteht, die der kreisende Planet auslöst. (Ein entsprechender Effekt ist die sich verändernde wahrgenommene Tonhöhe eines vorbeifahrenden Fahrzeugs.)

Mit dieser Technik war es den Forschern möglich, die ungefähre Umlaufbahn und Masse der Planeten zu bestimmen. Nicht feststellen lässt sich auf diese Weise allerdings die Orientierung des Planeten-Orbits

Bislang haben die Astronomen noch kein System gefunden, dass dem Sonnensystem wirklich gleicht. Es gelingt ihnen jedoch, Planeten immer effektiver aufzuspüren. Der jetzt entdeckte Himmelskörper wurde bei einem der 107 Sterne entdeckt, die die Forscher seit 1987 untersucht haben. "Ich glaube, wir werden mehr solcher Planeten bei den 1200 Sternen entdecken, die wir nun beobachten", erwartet Butler.