Ohnehin sei der Schutz der Natur längst nicht das Ziel aller Naturschutzverbände, sagt Kinzelbach. "Das sind oft Wirtschaftsunternehmen, die Geld verdienen wollen. Wenn ich arbeitslos wäre oder arm, ich würde einen Naturschutzverband gründen", so Kinzelbach - es lohne sich. Tatsächlich ist die Spendebereitschaft der Deutschen hoch.

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Zuletzt nahm der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) 13 Millionen Euro in einem Jahr ein, 32 Millionen gingen an den WWF Deutschland, 21 Millionen an den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und Greenpeace erhielt fast 40 Millionen Euro.

Weder schön noch wohlklingend

Trotz solcher Summen würden die Ergebnisse im Umweltschutzbereich kaum evaluiert, moniert Kinzelbach. "Wie viele Millionen Euro gehen an unsere deutschen Nationalparks, in denen nach wie vor waldschädigende Rothirsche gezüchtet werden und Nadelholz-Monokulturen wachsen dürfen. Da kontrolliert niemand die Effizienz, während zugleich Arten aussterben, die keiner kennt."

Akut bedroht ist zum Beispiel der Trauerschnäpper. Dieser Zugvogel ist unauffällig grau-braun-schwarz, lebt meist in belaubten Baumkronen - und singt noch nicht einmal besonders melodisch. Seine Bestände schwinden rapide, weil er erst im Mai aus Afrika zurückkehrt - zu spät.

Wegen des immer früher einsetzenden Frühlings schlüpfen die Insekten, die er zur Fütterung seiner Jungen benötigt, zeitiger, und wenn er in Mitteleuropa ankommt, haben andere Vögel dem Trauerschnäpper die besten Brutreviere und einen Großteil der Beute bereits weggeschnappt. Trotzdem kümmern sich allenfalls kleine Naturschutzgruppen um seinen Schutz - indem sie zum Beispiel Bruthöhlen aufstellen.

Gewiss, es gibt manche Ausnahme von der Kuscheltier-Werbestrategie. Vor einigen Jahren hat bei den WWF-Werbestrategen sogar einmal der Schweinswal gegen den Gorilla gewonnen. "Das hat uns selbst überrascht", sagt WWF-Sprecher Ehlers.

"So supersexy klingt Schweinswal ja nicht, und wir hatten noch überlegt, ihn besser Nordsee-Wal zu nennen." Doch der einzige Wal in deutschen Gewässern machte auch so das Rennen gegen den Gorilla.

Überlegener Leopard

Manchmal hilft auch ein bisschen Imagepflege. "Wir haben in den letzten Jahren erreicht, dass die Menschen Fledermäuse als schützenswerte und nette Tiere betrachten", sagt Kathrin Klinkusch vom Nabu. Nun spenden die Deutschen für die Tiere und richten sogar Häuser für sie her.

"Der Mitleidsfaktor funktioniert", bestätigt auch Magnus Herrmann, Artenschützer beim Nabu. So würden viele Grillen-Arten zunächst als hässlich empfunden. "Zeigen wir sie in einer Broschüre aber in technisch brillanten Fotos, sind sie faszinierend."

Doch fast immer siegen die Arten, die schon in den Bilderbüchern der Kinder vorkommen. Die Umweltorganisationen richteten sich schließlich an normale Bürger und nicht an Leute mit speziellen Interessen, verteidigt Ehlers das. Deshalb werden nur charismatische Arten zum Ziel von Kampagnen, "da ist der Leopard dem Nacktmull natürlich überlegen".

Dem Mull bleibt derweil nur zu hoffen, dass in seiner Nähe ein anderes, schönes Tier lebt. Dann hat auch er vielleicht eine Chance. Bei dem eher bizarren Goldrücken-Rüsselhündchen, das aussieht wie eine Mischung aus Minischwein und Ratte, hat das geklappt. Das Schutzprojekt, das der Nabu für das wenig hübsche Tier in einem kenianischen Küstenwald startete, konnte mit einem anderen, weitaus beliebteren Profiteur werben: dem Afrikanischen Elefanten.

Bei grundsätzlich unsympathischen Arten aber hängen die Umweltschützer die Zusammenhänge nicht gern an die große Glocke. Für diese Tiere höre das Verständnis der Menschen auf, sagt Herrmann. "Da kann man nur versuchen, über eine Flaggschiff-Art zu helfen."

So hat der Nabu vor einiger Zeit für den Schutz des Schwarzspechts geworben, "eines echt hübschen Vogels", und die Menschen spendeten. Dass sich in den Nisthöhlen des Spechts auch Hornissen und Motten ansiedeln, musste ja nicht das Werbeargument sein.

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(SZ vom 29.08.2008/gal)