Archaeopteryx-Fossilien Sammler und Forscher - ein schwieriges Verhältnis

Dass die Urvögel dort im Umfeld von Edelsteinen, Designerschmuck und Wellness-Kristallen zu sehen sein werden, zeigt den Zwiespalt zwischen dem Interesse der Wissenschaft und der Tatsache, dass Fossilien eben auch Handelsware sind.

In Deutschland sind Tausende Privatsammler und Fossiliensucher angetrieben von der Hoffnung, einmal einen wertvollen Fund zu machen. Entsprechend werden die allermeisten Fossilien nicht von Wissenschaftlern gefunden, sondern von ambitionierten Sammlern. Oft sind es auch Arbeiter auf Steinbrüchen, die Fossilien über Zwischenhändler an Sammler weitergeben.

Wissenschaftler stehen vor dem Dilemma, dass ohne die Sammler, wie man sie täglich auf Steinbrüchen rund um Solnhofen antrifft, nicht genügend Fossilien auftauchen würden. Andererseits sind die meisten Sammler wie Schatzsucher von der Hoffnung auf einen wertvollen Fund angetrieben. Ein guter Archaeopteryx ist heute mehr als drei Millionen Euro wert. Klar, dass so etwas nicht unbedingt in den Händen der Wissenschaft landet.

Forderung nach dem Gesetzgeber

So war das auch bei einigen der in den vergangenen Jahrzehnten bekannt gewordenen Archaeopteryx-Fossilien. Das fünfte Exemplar zum Beispiel wurde erst 22 Jahre nach seinem Fund bekannt. Um den sechsten, 1985 entdeckten Urvogel entbrannte ein jahrelanger Rechtsstreit, weil ein Steinbruchbesitzer behauptete, das Fossil sei von einem seiner Arbeiter unter der Hand verkauft worden.

Die skurrilste Geschichte rankt sich jedoch um das so genannte Maxberg-Exemplar. 1956 entdeckten Arbeiter es auf einem Steinbruch zwischen Solnhofen und Langenaltheim, erkannten aber die Bedeutung nicht und stellten die Plattenteile in eine Hütte, wo sie zwei Jahre lang blieben.

Erst 1958 zeigte es der Besitzer des Steinbruchs, Eduard Opitsch, einem Paläontologen, woraufhin die Versteinerung korrekt identifiziert wurde. Der Besitzer versuchte zunächst sein Fossil meistbietend zu verkaufen, doch dann schlug er alle Angebote aus und überwarf sich mit Interessenten wie der Bayerischen Staatssammlung.

Opitsch, den Zeitgenossen als "schwierige Persönlichkeit" beschrieben, stellte seinen Fund zwar noch einige Jahre lang im Museum von Maxberg aus, verweigerte jedoch Wissenschaftlern den Zugriff. 1974 nahm er das Fossil schließlich aus der Ausstellung und verwahrte es in seinen Privathaus in Pappenheim.

Nach seinem Tod im Jahr 1991 war der Archaeopteryx dann spurlos verschwunden. Unter seinem Bett, wo es Zeugen noch vor seinem Tod gesehen haben wollen, war es nicht. Eine dem Fossil nachempfundene Gravur ziert Opitsch Grabstein, was bis heute das Gerücht nährt, er habe die Versteinerung mit ins Grab genommen.

Seit diesem Verlust fordern Forscher eine gesetzliche Regelung zum Umgang mit Fossilien. Versteinerungen sind Ländersache, doch in Bayern gibt es kein Gesetz dazu. Ein entsprechender Vorstoß der Landtags-SPD wurde vor einigen Jahren von der regierenden CSU abgelehnt.

Die Fossilien-Szene

Fossilienhändler argumentieren unterdessen mit den selbstreinigenden Kräften des Marktes. "Irgendwann landet jedes Fossil bei der Wissenschaft", sagt Raimund Albersdörfer aus Schnaittach, einer der größten Fossilienhändler Europas, und liefert gleich das beste Beispiel für seine These.

In den vergangenen Wochen hat er ein seit Jahren verborgenes Archaeopteryx-Exemplar gekauft, die sogenannte "Nummer 8". Von wem und zu welchem Preis, das will Albersdörfer nicht sagen, nur so viel: Das Exemplar wurde vor rund 20 Jahren bei Daiting gefunden. Der Finder muss sich ausgekannt haben, denn er klopfte den Fund nicht sofort auf, sondern erkannte die Brisanz an braunen Punkten auf der Kante einer Kalkplatte.

Danach befand sich die "Nummer 8" in einer Privatsammlung. 1996 war kurzzeitig ein Abguss im Bamberger Naturkundemuseum ausgestellt, seither kursierten nur Fotografien. Vor zwei Monaten habe er das Stück erstmals zu sehen bekommen, sagt Albersdörfer, und es "absolut legal" erworben.

Nun stellt er es als eines der sechs Exemplare dem Münchner Treffen zur Verfügung, damit die Wissenschaftler es untersuchen können. Irgendwann, da ist Albersdörfer sicher, wird auch das sagenumrankte Maxberg-Exemplar auftauchen, "in dem Grab liegt es jedenfalls nicht". Das sagt auch Christoph Keilmann. Er deutet sogar an zu wissen, wer das Fossil hat. "Die Szene ist so klein", sagt Keilmann, "da kennt jeder jeden."