Im Jahr 373 vor Christus verschwand die griechische Stadt Helike über Nacht. Nun schlagen Geologen eine neue Erklärung für die mysteriöse Katastrophe vor.
Es muss schwer was los gewesen sein im Hafen von Helike an jenem verhängnisvollen Wintertag im Jahr 373 vor Christus. Zehn große Kriegsschiffe aus dem Nachbarland Sparta hatten am Kai der griechischen Hafenstadt im Golf von Korinth festgemacht.
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Helike war eine Hafenstadt im Golf von Korinth. (© Quelle: Google Earth)
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Der Besuch dürfte viele Händler und Schaulustige in den Hafen der geschäftigen Metropole gelockt haben. Helike war Hauptstadt des Achaiischen Bundes, einer Art Hanse der Antike. Die Stadt war zudem das religiöse Zentrum der Region. Täglich versammelten sich Pilger im Tempel zu Füßen der bronzenen Poseidon-Statue. Dort baten sie den Gott des Meeres um Schutz vor den Naturgewalten.
Doch diesmal wurden ihren Bitten nicht erhört. Als man sich in Helike an jenem Abend Schlafen legte, ahnte niemand, dass es kein Erwachen geben würde. In der Nacht ereignete sich eine der mysteriösesten Katastrophen aller Zeiten: Die ganze Stadt verschwand.
Im Morgengrauen war dort, wo Helike gerade noch stand, nur Schlamm und Wasser zu sehen. Allein die Poseidon-Skulptur ragte aus dem Modder. Noch Generationen später verfingen sich Fischernetze in der bronzenen Statue. 547 Jahre nach der Katastrophe will der griechische Historiker Pausanias Ruinen der Stadt unter Wasser erblickt haben.
Es blieben die einzigen Spuren der großen Metropole. "Niemals davor oder danach verschwand eine ganze Stadt", sagt der Archäologe Robert Stieglitz von der Rutgers University in den USA. Der Untergang Helikes habe möglicherweise 13Jahre später Platon zur Niederschrift seiner Atlantis-Geschichte inspiriert.
Jahrhunderte lang sehnten Archäologen die Entdeckung der Ruinen Helikes herbei. "Unter der Erde liegt eine Zeitkapsel aus dem Goldenen Zeitalter der Griechen", schwärmt Steven Soter vom American Museum of Natural History in New York. Die Erdmassen hätten das Leben der Antike wie ein Schnappschuss festgehalten, sagt der Archäologe. Nirgendwo ließe sich das Leben jener Zeit, die die Grundlagen der westlichen Zivilisation schuf, besser erkunden als in Helike. Auch Schatzsucher sind hinter der verlorenen Stadt her, denn mit der reichen Metropole gingen jede Menge Gold und andere Schätze unter.
Wenn der Boden flüssig wird
Antike Quellen geben Auskunft über ihre Lage. "Wo gesucht werden muss, scheint eindeutig", sagt Katrin Boldt, Geowissenschaftlerin an der Universität Marburg, die an den Forschungen beteiligt ist: Sieben Kilometer südöstlich der Ortschaft Aigio an der Südküste des Golfes von Korinth.
Dort begannen 2001 Ausgrabungen unter Leitung der Archäologin Dora Katsonopoulou. Sie förderten tatsächlich antike Ruinen zutage, die allerdings einige Jahrzehnte jünger waren als Helike. Auch Relikte aus der Bronzezeit kamen zum Vorschein. Von Helike jedoch entdeckten die Archäologen allenfalls ein paar Tonscherben, die Stadtruine wurde noch nicht gefunden.
Eine neue Studie könnte die Archäologen auf die richtige Spur bringen. Helike sei auf andere Weise untergegangen als angenommen, berichtet George Ferentinos von der Universität Patras in Griechenland. Eigentlich schien die Ursache des Desasters längst festzustehen: Ein Erdbeben habe Helike zerstört und Tsunamis über die Stadt geschickt, vermuteten Experten einhellig. Zeitgenössische Quellen berichten von heftigen Erdstößen in Helike am Tag des Untergangs.
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- Mechanismus von Antikythera Uhrwerk Olympia 31.07.2008
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Ganz besonders förderlich für das Abrutschen des Sandes unter der Stadt könnte gewesen sein, wenn es vorher tagelang heftig geregnet und das Regenwasser sich aus dem Hinterland flussähnlich 'unter' den Sand geschoben hätte.