Andere Experten jedoch hegen Zweifel. "Die Indizien reichen kaum aus, um eine Epochengrenze zu definieren", sagt Thomas Litt, Geologe an der Universität Bonn und Mitglied der internationalen Kommission für die Zeitskala der Erdgeschichte.

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"Eher punktuell als epochal"

"Geologisch zu wenig abgesichert" sei die Studie, findet auch Andreas Dehnert, Geologe an der Universität Bern. Beide Experten bestreiten nicht, dass der Mensch Spuren hinterlässt. "Doch das ist mit dem Begriff Holozän bereits beschrieben", sagt Litt. Das Holozän ist die einzige Phase des seit rund zwei Millionen Jahren andauernden Eiszeitalters, das den Status einer Epoche hat. "Damit wurde der Einfluss des modernen Menschen berücksichtigt."

Seit etwa 8000 Jahren verändert der Mensch die Umwelt in gravierender Weise. Seinerzeit habe das Abbrennen von Wäldern den Treibhauseffekt erstmals merklich angeheizt, meint William Ruddiman von der Universität Virginia in den USA. Seit rund 6000 Jahren haben Hochkulturen Landschaften vollkommen umgestaltet. Wälder wurden gerodet, Tiere gejagt, Landwirtschaft betrieben, Staudämme und Städte gebaut, Flüsse kanalisiert.

Inzwischen gebe es kaum einen Fleck auf Erden, der nicht vom Menschen beeinflusst wäre, rechtfertigen Zalasiewicz und seine Kollegen ihre These von der neuen geologischen Epoche. Allerdings lässt sich Gleiches über den Einfluss von Mikroorganismen sagen: Sie sind noch weiter verbreitet als Menschen und haben sich die Erde gewissermaßen untertan gemacht.

Das Wirken des Menschen sei aus geologischer Perspektive hingegen eher "punktuell als epochal", meint Litt. Ein "Geologe der Zukunft" werde den Einfluss des Menschen jedoch anhand einer Grenze deutlich in den Ablagerungen erkennen, meinen die Autoren der neuen Studie.

Sie stützen sich auf Szenarien, die eine Klimaerwärmung und ein Artensterben prophezeien. Eine geologische Epoche anhand von Vorhersagen zu definieren, sei "unangebracht", findet jedoch Andreas Dehnert.

Argument mit Schönheitsfehler

Die Epochengrenze des Anthropozän festzulegen, sei schwierig, räumen Zalasiewicz und seine Kollegen ein. Denn entweder sind die Umweltänderungen nicht abrupt genug, wie der Kohlendioxidanstieg in Eisbohrkernen. Oder sie haben sich deutlich nach dem Anfang der Industrialisierung ereignet - wie etwa der radioaktive Niederschlag der ersten Atombomben.

Der Beginn des Anthropozäns könne auch ohne geologische Signale in den Sedimenten willkürlich auf das Jahr 1800 festgelegt werden, so die Studien-Autoren. Thomas Litt hält das Ende des 18. Jahrhunderts aber nicht für eine geeignete geologische Epochengrenze. "Die Industrialisierung hat sich seinerzeit vor allem in der so genannten westlichen Welt abgespielt", gibt er zu bedenken. Eine geologische Epochengrenze müsse weltweite Gültigkeit haben.

Auf diesen Einwand waren Zalasiewicz und seine Kollegen zwar vorbereitet. Geeignet erscheint ihnen die Spur des Vulkanausbruchs Tabora, der 1815 seine Asche über den Globus verteilte.

Kleiner Schönheitsfehler: Die Eruption war ein Naturereignis. Der wissenschaftliche Nachweis einer neuen erdgeschichtlichen Epoche dürfte Zalasiewicz und seinen Kollegen mithin kaum gelungen sein. Aber auch wenn sie die Bedeutung der Gattung Mensch nicht mehren konnten, so doch ihre eigene Berühmtheit - wird doch ihr Artikel weltweit diskutiert.

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(SZ vom 31.01.2008/mcs)