Alternative Energiequellen Klimakiller vom Acker

Biosprit hat nicht nur wegen seiner energieaufwendigen Herstellung keine positive Klimabilanz. Das Düngen von Raps und Mais macht ihn offenbar schädlicher als Benzin und Diesel.

Von Jeanne Rubner

Das Ergebnis klingt zunächst paradox: Biosprit ist klimaschädlicher als Benzin, hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern um den Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen berechnet. Der Grund liegt in dem gefährlichen Stickoxid (N2O), welches vor allem beim Düngen der Energiepflanzen in die Atmosphäre gelangt.

Jede Tonne Stickoxid hat nämlich eine fast 300-fach so starke Treibhauswirkung wie dieselbe Menge an Kohlendioxid. Das dürfte die Diskussion um Biotreibstoffe weiter anheizen.

Seit längerem ist klar, dass vor allem der Sprit aus Raps und Mais wegen der Energie, die zu seiner Herstellung gebraucht wird, keine positive Klimabilanz hat. Zuletzt hatte eine OECD-Studie dem Biosprit ein verheerendes Zeugnis ausgestellt.

Dennoch hat die EU beschlossen, dass bis zum Jahr 2020 zehn Prozent des Treibstoffes für den Verkehr Biosprit sein muss, die Bundesregierung peilt sogar 20 Prozent an.

Crutzen, inzwischen emeritierter Direktor des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie, hatte für seine Arbeiten über das Ozonloch 1995 den Nobelpreis erhalten. Weil er Spezialist für chemische Prozesse in der Atmosphäre ist, dürfte die soeben in der Zeitschrift Atmospheric Chemistry and Physics Discussions erschienene Studie besondere Beachtung finden.

Crutzen weist nach, dass bei der Produktion von Biosprit fast doppelt so viel Stickoxid in die Atmosphäre gelangt wie Forscher des UN-Klimarates IPCC bisher angenommen hatten. Das liegt daran, dass weitaus mehr N2O aus der Erde in die Luft diffundiert.

Wegen der starken Treibhauswirkung von Stickoxid sind die Folgen fürs Klima erheblich: Für Raps-Sprit wäre demnach die relative Erwärmung 1,7-mal höher als der Kühlungseffekt durch die Einsparung von CO2 aus fossilem Treibstoff. Ethanol aus Mais, der vor allem in den USA hergestellt wird, wäre den Berechnungen zufolge bis zu 1,5-mal klimaschädlicher als Benzin oder Diesel. Ethanol aus Zuckerrohr, das auch in seiner energetischen Bilanz besser abschneidet als Raps und Mais (dessen Anbau allerdings zugleich den Regenwald gefährdet) kommt auf einen Faktor 0,5.

David Reay von der Universität Edinburgh hat abgeschätzt, wie sich das Ziel der US-Regierung, den Verbrauch von Biosprit bis 2022 zu versiebenfachen, auf das Klima auswirken wird: Vorausgesetzt, Crutzens Berechnungen stimmen, würden die Emissionen um sechs Prozent zunehmen.