Äthiopien Forscher entdecken Knochen unbekannter Vormenschenart

Die Kieferknochen einer neu entdeckten Vormenschenart, des Australopithecus deyiremeda?

(Foto: AP)

Forscher haben in Äthiopien drei Millionen Jahre alte Knochen entdeckt - möglicherweise von einer bisher unbekannten Vormenschenart. Für die Wissenschaft ein Rätsel: Wie konnte diese Art in direkter Nachbarschaft zu einer anderen Art überleben?

Von Christian Weber

Es sind - wie so häufig in der Paläoanthropologie - nur ein paar Knochenfragmente. Die Teile eines Ober- und eines Unterkiefers wurden in einer schlammigen Tonschicht in der Afar-Region in Äthiopien gefunden, 520 Kilometer nordöstlich von Addis Abeba. Das Besondere an ihnen: Sie sollen geschätzte 3,3 bis 3,5 Millionen Jahre alt sein, und die in dem Knochen eingebetteten Zähne sehen ein bisschen anders aus als die bisher aus der Region bekannten Fossilien.

Das Forscherteam um Yohannes Haile-Selassie vom Cleveland Museum of Natural History ist deshalb überzeugt, dass es eine neue Vormenschenart gefunden hat, wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature schreiben.

Verschiedene Vormenschen in einer Region

Demnach wurden die Knochen in nur 35 Kilometern Entfernung vom Fundort der 3,2 Millionen Jahre alten Lucy entdeckt. Sie ist die wohl berühmteste Vertreterin der frühen Homininen, ein Australopithecus afarensis. Vermutlich stand die mutmaßlich neue Gattung Lucy evolutionär sehr nah. Deshalb tauften die Forscher den Fund auf den Namen Australopithecus deyiremeda. Deyiremeda bedeute in der Afar-Sprache "naher Verwandter".

Der neue Australopithecus ist auch deshalb von Bedeutung, weil er ein Beleg dafür sein könnte, dass bereits im mittleren Pliozän mindestens zwei Vormenschenarten existierten. Noch vor wenigen Jahren war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass es vor drei bis vier Millionen Jahren nur eine Vormenschenart gab, die sich erst später nach und nach aufgesplittert hat.

Zu klären ist jetzt, wie die verschiedenen Vormenschen in der gleichen Region koexistieren konnten. Womöglich belegten sie spezielle Nischen im Ökosystem und hatten unterschiedliche Jagdmethoden und Nahrungspräferenzen.