Abora III Kein Schiff wird kommen

Dominique Görlitz wollte mit einem Schilfboot den Atlantik überqueren - nun hat er das Experiment abgebrochen.

Von Marcus Müller

Der Versuch des Deutschen Dominique Görlitz, mit einem prähistorischen Schilfboot den Nordatlantik zu überqueren, ist vorbei. "Wir haben beschlossen, auf unser Begleitboot umzusteigen", sagte Görlitz der Süddeutschen Zeitungam Mittwoch am Satellitentelefon. Das Abora III getaufte Boot war nach gut zweimonatiger Fahrt noch etwa 900 Kilometer von den Azoren entfernt. Ausgehend von New York sollte es nach dem dortigen Zwischenstopp eigentlich noch bis nach Teneriffa weitergehen.

"Man muss wissen, wenn es vorbei ist", sagte Görlitz. Nachdem in den vergangenen Tagen erneut bis zu sechs Windstärken geherrscht hätten, sei es nicht mehr zu verantworten, die Expedition fortzusetzen, so Görlitz. Außerdem seien für die kommenden Tage weitere Tiefdruckgebiete und damit heftiger Wind angekündigt worden.

Das nach prähistorischen Vorbildern nur mit Seilen zusammengebundene Boot war zuvor in zwei orkanartigen Stürmen schwer durchgeschüttelt und beschädigt worden. Die elfköpfige Crew um Görlitz musste das aufragende Heck mit ihren Messern um drei Meter kürzen. Danach war klar, dass das Schiff Wind von mehr als vier Windstärken eigentlich nicht mehr sicher meistern würde.

Görlitz wollte mit seiner gewagten Überfahrt belegen, dass Menschen schon vor 14000 Jahren auf Schilfbooten den Atlantik überqueren und somit auch Handel treiben konnten. Dazu hätten sie auf der Route über die Azoren nach Europa allerdings gegen den Wind segeln müssen. Dies sollte die Abora III mit Seitenschwertern schaffen. Zu großen Teilen ist das der Expedition laut Görlitz auch geglückt.

Allerdings hatte die Abora III von Beginn das Wetter gegen sich. Zunächst bremste eine langanhaltende Flaute die Reise, dann setzten zwei Stürme der Konstruktion zu. Zudem brachen schon sehr früh zwei der Holz-Seitenschwerter, für die noch Ersatz vom Festland beschafft werden konnte.

Lesen Sie im zweiten Teil, was Kapitän Görlitz für die Zukunft plant.

Auch von Land aus hatte das Abenteuer Gegenwind. So hielten manche Wissenschaftler Görlitz' Wandeln auf den Spuren des Floßfahrers Thor Heyerdahl und die Theorien rund um die Abora III für zu weit hergeholt. Massive Kritik übte der ursprünglich als Skipper vorgesehene Winfield Burmeister. Der von dem Projekt abgesprungene Segler warf Görlitz zwei Wochen nach dem Ablegen der Abora III vor, das Leben seiner Mitreisenden zu gefährden.

Das Boot habe Konstruktions- und Sicherheitsmängel, so der Vorwurf. Offenbar entluden sich bei dem über die Medien ausgetragenen Streit auch Zwistigkeiten der beiden Männer. Denn bis heute behauptet Burmeister, das Projekt von sich aus wegen Sicherheitsbedenken verlassen zu haben. Dominique Görlitz dagegen sagt, dass er Burmeister gefeuert habe, weil der sich nicht genügend für die Mission engagiert habe.

Düstere Prognosen

Trotz des Abbruchs haben sich die zum Teil recht dramatischen und düsteren Prognosen für die Fahrt der Abora III doch nicht ganz bewahrheitet. Jedenfalls hörte es sich am Telefon nach einem geordneten Rückzug an: Alle seien wohlauf, sagte Görlitz. Er und seine Mannschaft räumten gerade die Satelliten-Technik und den persönlichen Besitz von Bord, sagte Görlitz am Mittwochnachmittag. Man versuche, so viele Dinge wie möglich zu retten, um sie später ausstellen zu können.

Das gut zwölf Tonnen schwere Boot soll auf dem Wasser bleiben und der See überlassen werden - mit dem Radarreflektor am Mast, um die Schifffahrt nicht zu gefährden.

"Es tut ein bisschen weh", sagte Görlitz, der aber nicht von einem Scheitern sprechen wollte. Er habe zeigen können, dass ein Schilfboot über den Atlantik auch gegen Wind und Strömung segeln könne. "Man muss es sportlich nehmen, man kann nicht jedes Mal gewinnen", sagte der 41-Jährige.

Und auch ein viertes Schilfboot-Projekt könne er sich eventuell vorstellen. Das muss allerdings warten, bis Görlitz seine Doktorarbeit zur "transozeanischen Ausbreitung von Kulturpflanzen" beendet hat, in die auch die Erfahrungen der Abora III-Fahrt einfließen sollen.