Zum Tod von Otto Beisheim Die Konkurrenz lief gegen Beisheims Märkte Sturm

"Cash & Carry" hieß diese Handelsform, und Beisheim war überzeugt, dass dieses Prinzip auch in seiner Heimat funktionieren könnte. 1964 eröffnete er in Mülheim an der Ruhr den ersten "Cash & Carry"-Markt in Deutschland. Wirtschaftshistoriker sind sich einig: Das Konzept war einer der wenigen echten Innovationen im Einzelhandel.

Otto Beisheim

(Foto: dpa)

Die Konkurrenz lief Sturm gegen die neuen Märkte. Denn Beisheim hielt seine Läden bis 21 Uhr geöffnet. Zu Zeiten, in den das Ladenschlussgesetz dem Einzelhandel verbot, länger als bis 18.30 Uhr zu verkaufen, war dies ein echter Wettbewerbsvorteil. Zumal die Metro-Märkte sehr großzügig waren bei der Ausgabe von Einkaufsberechtigungen. Eigentlich sollten die Märkte nur Wiederverkäufern vorbehalten sein. Beisheim spürte, dass es einen Bedarf für seine Märkte gibt. Aber noch war er Einzelkämpfer. Er benötigte Know-how und Geld, um das Ladennetz auszudehnen.

Da machte sich der Kontakt zu den Brüdern Michael und Rainer Schmidt-Ruthenbeck bezahlt. Die betrieben einen Spar-Großhandel im Ruhrgebiet und hatten viel Erfahrung in Handelssachen. Für die finanzielle Anschubfinanzierung sorgte die Duisburger Haniel-Dynastie. Die war durch Kohle und Stahl zu Wohlstand gekommen und suchte nach lukrativen Investitionsmöglichkeiten.

Beisheim, Schmidt-Ruthenbeck und Haniel - dieses Trio formte aus dem Mülheimer Großhändler den größten deutschen Handelskonzern, zu dem heute - nach vielen Investments und Desinvestments - neben Kaufhof, die SB-Warenhauskette Real und eine Mehrheitsbeteiligung am Elektronikhändler Media Saturn gehören.

Die langjährige enge Bindung der drei Partner, die ihr Bündnis auch zunächst bis zum Jahr 2000 vertraglich zementierten, erklärt, wie es Beisheim geschmerzt haben muss, dass die Weggefährten ihn 2007 kaltstellten. Weil er sich den Plänen des damals neu angetretenen Haniel-Chefs Eckhard Cordes widersetzte. Der wollte Metro in großem Stil umbauen. "Wir brauchen dich nicht mehr", das war die Botschaft an den alten Mann. Zwei Jahre später, im September 2009, kündigte der Mitgründer seinen Vertrag mit den alten Weggefährten und verkaufte kurze Zeit später gut fünf Prozent seines 18,5 Prozent starken Metro-Aktienpakets.

Finanzielle Gründe dürften da keine Rolle gespielt haben. Beisheim war zu diesem Zeitpunkt schon lange Milliardär und mehr als nur der Metro-Mitbegründer. Um die Großhandelsmärkte herum hatte er ein Imperium vor allem von Internetfirmen und Immobilien aufgebaut. Die Fäden zog er aus der Schweiz, deren Staatsangehörigkeit er seit 1988 besaß, über seine Beisheim Holding Schweiz.